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Full text of "Die fleischversorgung von Karlsruhe"

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Die 

Fleischverso 



von Karlsruhe, 
Mannheim und 
Ludwigshafen 




LIBRARY 

OP THE 

University OK California. 

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Class 



Die Fleischversorgung 
von Karlsruhe, Mannheim und 
Ludwigshafen a. Rh. 



Inaugural - Dissertation 

zur Erlangung der akademischen Doktorwürde 

fliiMT Hoben 

Philosophischen Fakultät der Ruprecht-Kails-Universität zu Hddelbeig 

vorgelegt voo 

Paul Brandt 

■ui Memel 




Karlsruhe 
Druck der G. Biaunschen Hofbudidruckerei 

1908. 



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Die Fleisch Versorgung 
von Karlsruhe, Mannheim und 
Ludwigshafen a Rh, 



Inaugural - Dissertation 

zur £rlangung der akademischen Doktorwürde 

Philosophischen Fakultät der Ruprecht- Karls-Uni\ersität zu Heidelberg 

Paul Brandt 




Karlsruhe 

Druck der G. iiiaunschen Hofbuchdruckerei 

1908. 



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Meiner lieben Mutter! 



228201 



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Vorwort. 



Das Vorwort dner Arbeit pflegt man zu schreiben, wenn 
diese druckfertig vorliegt. Und wie es natürlich ist, daß dann 
die einzelnen Entwicklungi^khasen derselben noch einmal an dem 
geistigen Auge vorüberziehen, so ist es auch selbstverständlich, 
daß man in diesem Augenblicke besonders dankbar derer ge- 
denkt, die durch ihre Unterstützung ihren zwar nur stillen, aber 
deshalb nicht weniger bedeutenden Anteil an dem vollendeten 
Werke haben. 

Vor allen Dingen schulde ich meinen hochverehrten Lehrern, 
den Herren Professoren Geh. Rat Gothein und Rathgen tiefen 
Dank, den ich auch an dieser Stelle mit Vergnügen zum Aus- 
druck bringe. Sic sind während der letzten drei Semester meine 
Führer und für meine wissenschaftliche Ausbildung von aus- 
schlaggebender Bedeutung gewesen. 

Durch Überlassung des einschlägigen Materials und durch 
fachmännische Auskünfte förderten mich besonders die Herren 
Schlachthofdh-ektor Bayersdörfer und Schlachthofsekretär Soulier, 
Karlsruhe, Obertierarzt Müller, Mannheim, Ökonomierat Carl Stein- 
götter, Hddelberg, und Schlachthofdirektor Thomas, Ludwigshafen. 
Auch meines Schwagers, des Herrn Schlachthofdirektors Zahn, 
Heidelberg, der mir in technischen Fragen vielfach zur Seite stand, 
darf ich wohl gedenken. Interessante Aufschlüsse und Details 
verdanke ich femer Herrn Metzgermeister Koch, Heidelberg, der 
durch seinen Beruf und in seiner Eigenschaft als Vorstand der 
Heidelberger Metzgerinnung über reiche praktische Erfahrungen 
verfügt 

Allen diesen Herren spreche ich für ihre gütige Hilfe meinen 
wärmsten und aufrichtigsten Dank aus. 

Berl in, im Oktober 1907. 

Der Verfasser. 



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Einteilung. 

S«Uc 

Einleitung i 

Kurze Sichildeniiig der drei Städte 8 



T. A Itar Ii n i t t. 

Die Organisation des Vieh- und Fleischhandels i.^ 

I. Kapitel. 

Die Schlachthöfe von Karlsruhe, Maiiiihcim und [.»dwigsbafcn . 14 

1. Karlsruhe - 

2. Mannheim , , . , , , , , , , , , , . . . . , 2J 

3. Ludwigshafen . 26 



2. Kapitel. 

Die Viehhöfe von Karlsruhe und Mannheim 29 

1. Karlsruhe .^O 

2. Mannheim .^4 

Kapitel. 

Die Fleischbeschau und die Freibanke 43 

4. Kapitel. 

Die Schlachtviehvcrsichcrungcn 50 

5. Kapitel. 

Die Süddeuischc !• c ttschmeUe, e. ü. m. b. H. Mannheim 58 

6. Kapitel. 

Die Viehhändler und Metzger sowie deren Krcditvcrhältnissc 60 



7. Kapitel. 

Der Verkehr in lebendem Vieh 68 



}]• Al>?chnitt. 

Der Bezug und die Verteilung des Fleisches 7S 

1. Kapitel. 

Die für die Flcischvcrsor^umi wichtigen I'i utluktionslündcr . . 

1. Karlsruhe 82 

a. Großvieh 83 

b. Kleinvieh mit Ausnahme der Schweine 86 

c. Schweine 87 

d. Frisches Fleisch 80 

2. Mannheim »ii 

a. Cirollvicli ')2 

b. Kälber und Schafe 

^ c. Schweine 9;; 

d. Frisches Fleisch q7 

2. Kapitel. 

Konsunibercchnun^ 98 

1. K.irlsniho . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

2. Alannheint 104 

jj. Ludwigshafcti 106 



IM. Absrhnitr. 

Die Entwicklung der Vieh- und Fleischpreise mit Preisstatistik . . . . loS 
SchluB I ^8 



Die Flcisclu'crsorgung 
von Karlsruhe, Mannheim und 
Ludwigshafen a Rh. 



Einleitung. 



Das Thema der Fleischfrage und Fleischversorgutig, welches, 
wenn auch nur in beg^renztem Rahmen, die Grrundlage dieser 
Arbeit bildet» hat in dem letzten Jahrzdinte infolge der auf diesem 
Grebiete sich bemerkbar machenden unliebsamen Erscheinungen 
die Veranlassung zu einer äußerst um&ngreidien Literatur ge- 
geben. Es ist damit hochaktuell geworden und in den Vorder- 
grund des Interesses getreten. 

Wenn wir uns nicht auf den Standpunkt der Vegetarianer 
stellen, sondern dem Fleisdie die Bedeutung zuerkennen, die ihm 
in unseren Klimaten als einem der wichtigsten Nahrungsmittel 
ohne Zweifel gebflhrt, werden wir auch die Wichtigkeit einer 
ausreichenden Fleisdiversorgung ohne weiteres anerkennen. Denn 
diese Frage stellt weit mehr als eine reine Magenfrage dar, sie 
greift direkt in die Grestaltung unserer wirtschaftlichen Verhält- 
nisse ein. Für die Steigerung der Leistungsfähigkeit eines Volkes 
ist die Verbesserung der Ernälirungsweise. die geradezu mit einer 
Erhöhung des Fleischverbrauches indentifiziert werden kann, un- 
abweisliche Vorbedingung. Darin stimmen auch alle diejenigen, 
welche sich näher mit der Fleischfrage beschäftigt haben, überein, 
mögen auch die sonstigen Ansichten über die Ursachen der in 
letzter Zeit zutage getretenen ungünstigen \'erhältnisse und 
über die zu ihrer Bekämpfung einzuschlagende Politik noch so 
weit auseinandergehen. 

Aber auch wenn wir dds Alonient der Leistungsfähigkeit 
ganz beiseite lassen und uns duf di^n rein gesundheitlichen 
Standpunkt stellen, konmien wir zu demselben Ergebnisse, der 
Forderung eines relativ hohen Fleischverbrauches. Es ist durch 

Brandt, Die Fleisch Versorgung. I 



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• t • « • 



: :• : /: : : •.Einleitung. 



die neueren physiologischen Untersuchungen unwiderleglich fest- 
gestellt, daß der städtische Fabrikarbeiter, der in seiner Gesamt- 
heit wohl als Repräsentant des Volkes gelten kann, zu seiner 
sachgemäßen Ernährung eines gewissen, ziemlich erheblichen 
Fleischquantums bedarf, welches keineswegs durch eine erhöhte 
Vegetabilienzufuhr ersetzt werden kann. Denn während die in 
der Pflanzennahrung enthaltenen Stoffe vom menschlichen Körper 
nur in längerem Zeiträume und bei körperlicher Anstrengrung 
völlig verarbeitet werden können, besitzt gerade das Fleisch die 
Eigenschaft der schnellen und auch bei mangelnder Bewegung 
leichten Verdaulichkeit. In diesem Umstände ist auch die Be- 
antwortung der Frage zu suchen, warum der Landarbeiter bei 
seiner vorzugsweise vegetabilischen' Ernährungsweise bestehen 
kann. Bei ihm bildet, die harte körperliche Arbeit in frischer 
Luft ein vorzügUchcs Gegengcwidit, welches dem städtischen 
Arbeiter fehlt und daher durch die Wahl dnes geeigneteren 
Nahrungsmittels, nämlich des Fleisches, geschaffen werden muß. 

Aber bei der praktischen Durchführung dieser theoretischen 
Forderung ergibt sich ein Konflikt, der in der Kostspieligkeit 
des fertigen animalischen Produktes liegt Die ohnehin geringe 
Kaufkraft der unteren Klassen steht meist in unlösbarem Wider- 
sprüche zu der natürlichen Konsumfähigkeit und wird um so 
schärfer hervortreten, je mehr das Fleisch eine Preisbeweg^ung 
nach oben bei gleichbleibenden oder nicht in demselben Ver- 
hältnisse wachsenden Löhnen durchmacht 

Daß in den früheren Jahrhunderten bedeutend mehr Fldsch 
verzehrt wurde, als in der neueren Zeit, ungefähr vom i6. Jahr- 
hundert ab gerechnet, darf als erwiesen gdten.' Als Grund für 
die Abnahme ist neben der stark wachsenden Volkszahl die Aus- 
breitung der Großstädte und der Industriezentren zu nennen. 
Sie drängt in dichtbevölkerten Staaten die Viehzucht immer 
mehr zurück und fördert dadurch jene »Störung des richtigen 
'\''erfaältnis8es zwischen dem lokalen Bedarfe und der lokalen Er- 
zeugung«,' die in unseren Tagen immer schärfer hervortritt - 

' \'erj,'l. SchmoUer, Die historische ICmwicklunj; des Fleischkonsums sowif 
(kr Vu-li' luui Kl'eischpreise in Deutschland, Zeitschrift f. d. ges. Staatswissenscbaft, 
XXVII. Jahrg. (1871). 

' Übersichten der Weltwirtsdiaft 1885—1889 S. 184. 



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Einleitung. 



3 



•• Auf diese Ursachen ist auch die tiefgrtifende Umwälzung 
in der Fleisdiversorgung, voraehmlich in der Organisation des 
Vieh- und Fleischhandels, der neueren Zeit zurOckzufflhren. 
Wahrend iFrOher die Masse des Fleisches in der Hauswirtschaft 
fOr den eigenen Bedarf erzeugt wurde, produziert heute der ILand- 
Tdrt für den offenen Markt und fQhrt dadurch einen gewissen 
Ausgleich zwischen den bezüglich ihrer Fleischerzeugung günstiger 
oder ungünstiger gestellten Landesteilen herbei. Hierin wird er 
in ganz hervorragender Weise von dem Vielihanddi unterstützt, 
der sich eine ständig zunehmende Bedeutung auf diesem Gebiete 
errungen hat und eine Arbeitsteilung in der Weise durchführt, 
daß er den Produzenten immer mehr auf die reine Erzeugung 
beschränkt, sich selbst aber die Verteilung der Vorräte vorbehält. 
Diese Entwicklung, die naturgemäß eine steigende Investierung 
von Kapital bedingt, ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie 
zeigt sich am frappantesten in den Großstädten, wo die errich- 
teten Schlachthöfe und Viehhöfe der zunehmenden Konzentration 
des Viehhandels den denkbar günstigsten Vorschub leisten. Gerade 
die letzten beiden Jahrzehnte haben nach dieser Richtung hin 
erstaunliche Fortschritte gezeitigt, und wenn die Zukunft dasselbe 
Tempo innehält, dürfte das Endziel dieser Bewegung, daß näm- 
lich einige wenige yfroße Marktorte in besonders günstiger Lage 
als Umschlagsplätze fungieren und die gesamte Zu- und Abfuhr 
sowie die Preisbildung für das ganze Land regeln , nicht mehr 
allzufern sein. 

Darl\bcr, ob die Zusammenfassung der Fl^schversorgung 
eines ganzen Volkes in wenigen großkapitalistischen Händen das 
Ideal darstellt, kann man wohl verschiedener Ansicht sein, obwohl 
billigerweise darauf hinzuweisen ist, daß diese Entwicklung keines- 
wegs einzig in ihrer Art dasteht. In unserem Zeitalter der Trusts, 
Ringe und Syndikate ist das Kapital auch auf anderen Wirt- 
schaftsgebieten von ausschlaggebender Bedeutung geworden. 
Bedenklich wird diese Umwälzunw; sein, wenn sie die Interessen 
anderer Kreise, also in unserem Falle die der X'iehproduzenten 
und der Fleischkonsumenten, offensichtlich verletzt und die Be- 
herrschung der Marktlage einer eng begrenzten (-rruppe, nämlich 
den Händlern, auf Kosten der andern ermr)gHcht. 

\'ün Seiten der Landwirte wird nun diese Cberniaclit der 
Vermittler als tatsächhch bestehend angenommen und ihr in 

I* 



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4 



Anleitung; 



erster Linie die Schuld an der Hei^teuerunsr der letzten Jahre 
beigemetssen. 

Es liegt jedoch nuf der Hand, daü der Handel, selbst die 
Richtigkeit obiger Behai^ung vorausgesetzt, nur eine sekun- 
däre Wirkung ausüben kann. Den Ausschlag in der Gestaltung 
der Marktlage wird stets das Verhältnis zwischen Produktioii 
und Konsum bilden, und ihm wollen wir daher etwas nSher 
treten. 

Einen gewissen Anhalt in dieser Beziehung liefern uns die 
Viehbestände in den einzelnen Jahren, die z. B. für Baden fol- 
gendes Bild ergeben:^ 



fahr 


c 

w 

CS 

A 


1 
1 

Kühe 


i 

Rinder und [ 
Kalbinncn ^ 




t 

Stiere 1 


ai 

i< 


Summe 


1 


Schafe 


1895 


907a 


330 163 


162 889 


48147 


51390 


38015 


639676 


494 1 16 


76985 


1896 


8 $06 


342 «»9 


166 214 


49 564 


53 3*9 


40737 


660 4()<) 


442 782 


83323 


1807 


8 1300 


344 «7« 


i()i 452 


5 1 389 


49 55« 


35 4«5 


1650885 


41t 253 


81 821 




« 5iX 


34«> 403 


'57 Sob 


49 »92 


45528 


49019 


j (j59 I ()() 


453 399 


"5 8(>8 


1899 


8 774 


352 723 


160 686 


45 970 


45 959 


47446 


661 55 S 


514393 


73 277 


1900 














651 7S4 


497 923 


68531 


1901 


8573 


341 717 


146 185 


42469 


41 081 


43736 


6237t 1 


4 »4 389 


66667 


IQ03 


8 794 


339 74« 


145 656 


41876 


38125 


44903 


619095 


5 '4 074 


58066 


«903 


9 59« 


344 081 


153966 


4' 389 


41 817 


47 523 


638 367 


565 072 


57 U5 


1904 






■■■■ — / 








670634 


5 • 5 038 


59 295 


»905 


10055 


518 198 


45 380 


46038 


48735 


668 396 


468 365 


56823 



» Stat. J;ihrb. i. il. <iroHheiv,oytum Baden 1904 05, Jrüinj. XXXV u. XXX VI. 
Die fehlenden Angaben in den einzelnen Spalten der Jahre 1900 und 1904 erklären 
sich dadurch» daß die betr. \ndiz8Uiiiieen vom Reidie und bezüglich 

der Altcnveiiiiltiiine des Rindvidwa eine von Baden abweichende Gmppieiung 
aufweisen. 



Einleitung. ^ 

Fflr das Deutsche Reich sind nachstehende Zahlen ermittelt: ^ 



] a h 1 




K 'Vit « ^ 1 1 1 V 


Schilfe 


biegen 


Anfang der 1860 er Jahre . . . 


14999 194 


6462 572 


28 016 769 


1 818 421 


Am 10. Januar 1873 


15 776 702 


7 124 088 


24 999 406 


2 320 002 


Am 10. Januar 1883 ..... 


15 786 7(14 


9 206 195 


19 189 713 


2 640 994 


Am I. Dezember i8t)2 .... 


17555834 


12 174 442 


13 580 ()()2 


3 091 S08 


Am I. Dezember 1897 .... 


18490772 


1427455: 


10 86() 772 




Am I. Dezember 1900 . . . . | 


18 939 692 


16 807 014 


9 6q2 501 


3 2b(^ 9«>7 


Ära 1. Dezember 1904 . . . . \ 

1 


19 331 5<»8 


18 920 666 


7907 »73 


3329 



ErkiArlich ist die Verminderung des Bestandes an Schafen, denn 
von ihnen ss^ man ja geradezu, daß rie »der Kultur wddien mOssen « 

Wenn aber audi die anderen Tierarten dne absolute Abnahme 
(wie z. B. die Schweine in Baden; oder doch nur eine Vermehrung 
aufweisen, die mit dem schnellen Wachstum der Bevölkerung nicht 
gleichen Schritt hält, so liegt hier die Annahme nahe, daß die zur 
Verzehrung gelangenden Fleischquantitäten abgenommen haben. 

Der Vollständigkeit halber seien noch die Ergebnisse der 
Viehzählungen in Preußen wiedergegeben, und zwar in der höchst 
interessanten, von Ökonomierat Herter-Friedenau stammenden 
Umrechnung auf Werteinheiten :2 



Jahr j 

i 


Zahl der Tiere nach 
Einheiten 


Fleischvorrat in leben- 
dem Vieh pro Kopf 
der Bevölkerung 


i«73 


120 428 193 


83^'3 kg 


1883 


131 266802 


74,66 » 


1892 


133965737 


73.95 • 


1900 


150723 561 


73.69 » 


1902 


150 341 


70,31 ^ 


1904 


»57039916 


7 ».44 » 



' Slrii. Jahrbuch f. d. Deutsche Reich, M. XXV. 

■ ririuifeld. Die !• leischtcuerunj,' in Deutschland im Juiirc 1005 und ihre Ur- 
tndien in Conrads Jalubüchem, III. Folge, 32. Bd. (1906), S. 59. AU Einheit ist 
das Schaf gedacht. Ein Rind s 10 Sdiafen, ehi Schwein as 3 Schafen. 



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6 



^Einleitung. 



• Besonders diese letzte Tabelle zeigt, wie sehr die verzc^hrungs- 
reife Fleischmenge pro Kopf der Bevölkerung abgerlommen hat 

Man darf allerdings den Wert der Viehzählungen, soweit 
sie zu einer Veranschaulichung des wirklich zur Verfügung 
stehenden Fleischvorrates dienen sollen, ja nicht überschätzen, da 
höchst wichtige Faktoren wie Alter, Rasse, Mastzustand, ferner 
das Verhältnis der Nutztiere zu den Schlachttieren in ihnen gar 
nicht zum Ausdruck gelangen. Auch ist es sicher, daß die der- 
artig berechneten Ziffern schon deswegen zu niedrig ausfallen 
müssen, da die während des Jahres geschlachteten Tiere in ihnen 
gar nicht berücksichtigt sind. Und gerade diese spielen — denken 
wir nur an die Schw^eine, die im Alter von 4 — 6 Monaten schlacht- 
fähig sind — eine bedeutende und infolge des zunehmenden 
raschen Wechsels in den Beständen dauernd wachsende Rolle 

Aber wir haben seit einiger Zeit ein unanfechtbares Mittel, 
um die in Deutschland tatsächlich in den Konsum gelangende Zahl 
der Tiere zu konstatieren, nämlich die Statistik der Schlachtvieh- 
und Fleischbeschau. 

Sie erbringt in dürren Zahlen den Beweis, daß tatsächlich 
der Fleischkonsum in Deutschland zurückgegangen ist, und liefert 
dadurch eine einwandsfreie Bestätigung für die Richtigkeit des 
Gesamtbildes, welches man sich aus den Schlachthof berichten 
der einzelnen Städte a priori konstruieren konnte. 

Die Zahl der beschauten Schlachttiere betrug in Deutschland 
in den einzelnen Vierteljahren; ' 



Vierteljahr 


Pferde 
und andere 
Linhufcr 




Bullen 


Kühe 


Jung-Rinder 

über 
B Monate alt 


Kallxr 
bis 

ß Monate alt 


1 
u 

u 
•X. 


Schafe 


c 
a> 
U) 

11 
K2 


Ilundc 


e 


III. 1904 


23827 


141; 682 


LlS 533*379 LIi» 


246 478 


l 012 835 


_j 508 4()i 


768 461 


M 223 


762 


6 31S 461 


IV. 19041^810 


152867 


III 763(4 «0763 


2 «9 773 


999 326 


4 404 "58 


609 6301 ij6 938 


1763 


zoai 79» 


I* 1905 ' iä 899 


1^214 


112 783|4«3 "36 


J 86 353 


l i22 865 


i 924 280.452 397 


102 778 


1785 


6 500 IU2 


II. 1905 


29 224 


143 962 


125 143 406841 


215 Sil 


1 322 529 


3 Iii LU 484 0321152 93' 


947 


6 024 301 


III. 190:^ 


28 913 


152 708 


129 o68j4o8 151 


276 Q2S1 


1 Oü 593 


3 oü ^'90 841 971 


18235 


1021 


2 943 370 


IV. 1905 


,52 591 


i5<'340 


112 763 42'> 707 


262 1^ 


913 i_L2 


3 471 742 


657 722 


'3035» 


2405 


tl 172 879 


L 1906 


ü 421 


152 246 


104 0501429 161 


2 II 151 


1 0^ 261 


j 237 079 485 878 


98 301 


2151 


5815 699 


n. 1906 


28 948 


152 ufi 


111348 


392 65(1 


222 341 


l 254 l6() 


2981 888 48(. 138 


1 70 996 


10 13 


5 807 (112 


ni. i9oi> |2f> 369 

:\ . 


153 913 


L2fl 254 


395 «84 


237 998 


l QQÜ 933 


3 »09 61 1 


742 347 


II 484 


1032 


ä 857 122 



' Vierteljahrhefte zur Statistik dos Deutschen Reiches. XV. Jahrg. (1906), 
II. Heft, S. 2()8, IV. S. 257. Die Hausschlachtimgen sind nicht herikksichiigt. 



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7 



. • Es argibt sich also, daß gerade bei den für die Fleischver* 
sorgung wichtigen Tieren wie Bullen, Kälbern und Schweinen 
dn.. Ausfall eingetreten ist, der durch die vermdirten Schlacht 
tungen der anderen Tierarten lange nicht aufgewogen wird. So 
wdst das ni. Vierteljahr 1906 im Vergleiche zum III Vierteljahr 
1904 ein Minus von 461 334 Schlachtungen auf. 

Auch insofern ist diese Zusammenstellung lehrreich, als sie 
die Verschiebung in den Konsumziffem der einzelnen Tiergat^ 
tungen illustriert, nämlich daß das Fleisch der minderwertigen 
Tiere wie KOhe, Pferde und Hunde auf Kosten der. hochwertigen 
Fleiscfasorten. immer mehr an Bedeutung gewinnt 

. Diese eben geschilderte Entwicklung der deutschen Fleisdi- 
versorgung ist um so bedauerlicher, als Deutschland schon an und 
für sich im Vergleiche zu anderen Staaten einen geringen Fleisch- 
verbrauch aufweist. Im Jahre 1890 standen beispielsweise an 
Flusch pro Kopf der Bevölkerung zur Verfügung:^ 



In Australien 1 1 1,6 kg 

* Ver. Staaten 54,4 » 

* Ghroßbritannien 47,6 » 

* Frankreich 33,6 > 

> Deutschland 31.6 » 

» Österreich-Ungam .... 29,0 » 

> Italien 10,4 » 



Das Verhältnis zwischen Deutschland und England im Jahre 
1900 zeigen folgende Zahlen. Es waren pro Kopf der Bevölke- 
rung vorhanden:' 

Deuttcbland England 

an Fleisch 33,7 kg 52,0 kg 

an Fetten und Käsen ... 2,7 » 10,9 » 

Hier kommt die bezaglich des Wohlstandes der Bevölke^ 

rung vorhandene Überlegenheit Englands besonders deutlich zum 

Ausdruck. 

Die Tatsache, daß die von der Inlandsproduktion erzeugten 
Fleischmengen abnehmen, wird dadurch noch verschärft, daß 
Deutschland fast ausschließlich auf seine Eigenproduktion ange- 

^ Ostcrtajj, llandhucli der Kleischbeschau, Sluti^art i'io^. S, 

" Über die Fleischvcrsorgung des deutschen Volkes, h'-'r;iusgc};(;bcii vom V'triin 

zur Wahrung der gemeinsamen Interessen des deutschen Handels und der Industrie 

von flobcb- nad Fettvaren, Cötn 1902, S. 30. 



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8 



Einleitung. 



wiesen ist. Der scheinbar naheliegende Ausweg, das Ausland — 
denn Entfernunj^en spielen heutzutat,'-c doch nur noch eine unter- 
geordnete Rolle — in erhöhtem Maße zur Deckung des Bedarfes 
heranzuziehen, scheint wegen der damit verbundenen Seuchen- 
gefahr nicht gangbar zu sein. Allerdings wird von anderer Seite 
dem Bestehen einer solchen (jefahr aufs heftigste widersprochen, 
und der Erlaß der strengen vctcrinärpolizeilichen \'orschriften 
sowie die ungleichmäßige Handhabung der Meischbeschau mit 
Klasseninteressen in \'erbindung gebracht. 

Ks ist leider nicht zu leugnen, daTi die i'liischfragc sehr 
oft nicht die sachliche und von Sonderinteressen freie Behaue] - 
lung erfahren hat, die der Wichtigkeit dieser l^Vago gebühru% 
und die eine F.rledigung oder doch Bessenuig der besonders die 
unteren Schichten berührenden Angelegenheit gewährleistet hätte. 
An Bemühungen in dieser Richtung hat es nicht gefehlt. Ob 
dieselben in der Zukunft den ihnen bisher versagten l^rfolg haben 
werden, ist schwer vorau.szusagen. Auf alle J'ällc sind allr der- 
artigen Bestrebungen, die Fleischversr»rgung J)cutschlands in mehr 
befriedigende Bahnen zu lenken, von hoher volkswirtschaftlicher 
Bedeutung und deshalb der Sympathien aller Weiterblickenden 
sicher. 

Daß die eben geschilderten Verhältnisse sich auch bei den 
einzelnen .Städten, die da gleichsam nur einen Ausschnitt aus dem 
(ranzen darstellen, fühlbar machen, ist erklärlich. Wie sehr die- 
selben bei den uns interessierenden Städten zum Ausdruck kom- 
men, werden wir im weiteren \'erlaufe dieser Arbeit sehen. 

Bevor wir jedoch dem eigentlichen Thema nähertreten, wird 
eine kurze Schilderung von Karlsruhe, IMannheim und l.udwigs- 
hafen. ihrer Einwohner und deren PMnkommensverhäkni.sse, welche 
eine Beurteilung der Konsumfähigkeit gestatten, von Interesse sein. 



Kurze Schilderang der drei Städte. 

Sowohl in Mannheim und Ludwigshafen als auch in der 
Haupt- und Residenzstadt Badens, Karlsruhe, spielen Handel und 
Industrie eine bedeutende Rolle. In Karlsruhe tritt besonders 
die Fabrikation von Maschinen, Zigarren, Silberwaren und Seifen, 



EUüeUang. 



9 



ferner von Tapeten» Wagen und Möbeln hervor. Auch Stein- 
ttad Bucfadruckereien sowie Bierbrauereien sind in ziemlicher 
Anzahl vertreten. 

Die Bedeutung Mannheims als wichtigster Handelsplatz und 
einer der gr&ßten Industrieplätze Sflddeutschlands» die es seiner 
günstigen Lage an der Mfindung des Neckars in den Rhein ver- 
dankt* ist belcannt. Hier werden die mit Schilf ankommenden 
Waren umgeladen und mit der Eisenbahn nach anderen Teilen 
Süddeutschlands» nadi der Schweiz und .östenreidK weitenpediert 
In der Industrie sind. vor allem Fabriken für Metallverarbeitung, 
Eisenbahnfaedarf, Brauereiartikel, Drahtwaren sowie Gummi- und 
Zelluloidwaren zu nennen, außerdem Zigarren- und Bettfedem- 
febrikc;^, Getretdemflhlen, polygraphische Großbetriebe ' und vor 
allen Dingen die chemischen Fabriken. Hand in Hand damit 
geht ein ausgedehnter Handel« FOr Getreide und Moblenüabri- 
kate ist Mannheim maßgebend; auch der Handel in Wein, Hopfen, 
Kolonialwaren, Steinkohlen, Eisen, Farben und besonders Petro- 
leum ist äußerst lebhaft und wird durch große Bauken sowie 
VeisicherungsgeseUschaften wirkungsvoll unterstützt. Die ganze 
Entwicklung Mannheims drängt unzweifelhaft zur industriellen 
Großstadt hin. 

Die städtebildende Bedeutung von Handel und Industrie 
zeigt in frappanter Wdse Ludwigshafen (1840: 90 Einwohner), 
weldies von Mannheim nur durch den Rhein getrennt ist und 
gleidi diesem von der €hinst der Lage Verteil zieht Die Fabri- 
kation von Maschinen, Kunstwolle, Chamotte- und Tonwaren^ 
Chemikalien (Bad. Anilin- und Sodafabrik mit ca. 7000 Arfoeitm), 
der Handel mit Eisen, Holz, Steinkohlen und Landesprodukten 
geben ihm ihr Gepräge. 

Die Bevölkerung der drei Städte hat sich in den letzten 
zwanzig Jahren folgendennaßen entwickelt: 



Jahr Karisruhe Mannheim Ludwigshafen 

1885 ca. 56900 ca. 61200 ca. 21000 

i8go » 73600 » 79000 » 28700 

1895 » 84000 » 91 100 » 39800 

1900 » 97 100 » 141 100 »61 900 

1905 s 1 1 1 200 » 163700 » 72200 



In dieser Zeit wurden nachstellende Gemeinden einverleibt: 
in die Stadt Karlsruhe: am i. Januar uS86 Mühlburg mit 4106 Rin- 



lO 



Kinleitung. 



wohnern. Mannheim: am i. Januar 1S97 Käfertal (1895: 6664 
lun wohner), am 1. Januar 1899 Neckarau (1895: 7619 Einwohner), 
l-udwigshafen: am 1. Januar 1892 Friesenheim, am i. Dezember 
1899 Mundenheim. 

^fan sieht, daß auch in den Jahren, in welchen die drei 
Städte nicht durch Angliederung^ von in der Xähe liegenden Ort- 
schaften zunahmen, eine anhaltende und starke Steigerung vor 
sich ging, die ohne Zweifel in ihrer Hauptsache auf Konto Handel 
und Industrie zu setzen ist. 

Zu den 2,^ (rroßstädten, über welche eingehende, die Ergeb- 
nisse der Berufszählung vom Jahre 1895 betreffende Angaben ge- 
macht wurden, zählte damals keine der fraglichen drei Städte. 
Für Karlsruhe und Ludwigshafen ist dalier die Aufstellung einer 
genauen Berufsstatistik nicht möglich. Die Stadt Karlsruhe hat 
im Jahre 1905 eine Berufszählung veranstaltet; jedoch ist das 
gewonnene Material noch nicht verarbeitet. 

Für Mannheim wurde durch den Stadtrat im Anschluß an 
die Berufsstatistik des Reiches vom Jahre 189,5 unter den gleichen 
Gesichtspunkten eine derartige Feststellung veranlaJk und vom 
statistischen Amte ausgeführt. 

Darnach wies die ortsanwesende Bevölkerung folgende beruf*- 
liehe Gliederung auf:* 



Heru f 


Krwei bstätige 

a j b 1 c 


Summe 


Dienende 


Ange- 
hörige 


Sujume 


A. 


I-;indwirtsch:ift . . . 


16 


1 . 


499 


520 


1 .,0 


.=17 1> 


i 126 


B. 




37«: 


1602 


14305 


l() 624 


» 3.SO 


23 «54 


44828 


C. 


Handel uml Verkehr 


2916 


26;; 


0507 


12 100 1 


I 880 


•4 397 


28377 


D. 


Häusliche Dienste und 
































Lohnarbeit .... 




85« 




H58 


4 


(>2I 


• 4«3 


K. 


r)ffentliche Dienste und 


















freie Beriifsarlen . . 








3906 1 


48«» 


3 473 


7 8<'7 




Berufslose . . . . 




3105 




'05 


658 


I 685 


5 448 












1 

40 1 1 ^ 


4408 


44 <)o8 


89 i2y 



' Heiträgc zur Statistik der Stadt Mannheim, i8f)8, S. <> u. 10. 
Es bedeutet in der Rubrik »l^rwcrbstätigec : 
u — Selbständige, b ~ H<")hercs Hilfspensünal, c = Niederes Hilfspersonal. 



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Einleitung. 1 1 

Es sind also die Gruppen B und C, welche die anderen 
Berufsarten, \vas die Zahl] der darin Beschäftigten anbelangt 
weiter hinter sich zurücklassen. 

Vorstehende Ziffern illltstrieren zur Genüge die Bedeutung 
von Handel und Industrie für Mannheim, aber sie lassen auch 
zugleich darauf schließen, daß die Konsumfähigkeit der Mann- 
heimer Bevölkerung, in weldier die Arbeiter und die Angestellten 
mit kleinem Einkommen (»Niederes Hilfspersonal«) eine so be- 
deutende Rolle spielen, keine allzugroBe sein kann. 

Daß sich diese Verhältnisse im letzten Jahrzehnt noch weiter 
in ungünstiger Richtung verschoben haben, erschdnt im Hinblick 
darauf sicher, daß die Bevölkerung in den Jahren 1882 bis 1895» 
bei einer 'Gesamtzunahme von 63,2%, im Handel und Verkehr 
eine Zunahme von 64,4^/0, in der Industrie von 73,7^0 aufwdst 

Die Untersuchung der Einkommensverhältnisse führt auch 
für die beiden anderen Städte zu einem ähnlichen Resultate. 

Die Zahl der Zensiten und ihr Verhältnis in den .einzelßen 
Einkommensklassen sind aus folgenden Tabellen ersichtlich: 





J-.inkoinmen 


von 




Karlsruhe 


Mannheim 


Zahl der Zensiten 


Zahl der Zensiten 




900 


bis unter 


I 000 


3208 


11,93 


. , 4 »77 


",03 


» 


I 000 


» 


» 


I 500 


9614 


35.74 


16693 


44,06 


» 


I soo 


» 


» 


2000 


4 5" 


16,77 


6820 


18,01 


» 


2000 




» 


3000 


4069 


»5.14 


4426 


11,68 


» 


3000 




> 


5 000 


2920 


10,85 


2894 


7.63 




5000 




» 


10000 


1687 


6,28 


I 743 


4.59 




to 000 


» 


» 


20000 


610 


2,26 


638 


1,69 


» 


30 000 






25000 


«3 


Oi3i 


»27 


0,34 


• 


25 000 


» 




50000 


125 


0,47 


213 


0,56 




50000 






100000 


39 


0,14 


«3 


0,22 




100000 lind darüber . . 


27 


0,11 


70 


0,19 






Ziisamincn . . 


20 894 


100 


37 885 


100 



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12 



Einleitung. 



• 

Einkommen bis 


Ludwigshaf en 


Zahl der 


Zeiisiloü 




absolut 




M. 500 


120 


0,84 


» 500— 3000 


1% 287 




» 3000 — 5000 




3.57 


B $000 — 10000 


180 


1,26 


» 10 000 — 50 000 


80 


O.S7 


» 50 000 — 100 000 


3 


Oj02 


Mdir als MIc. 100000 


4 


0,03 


Zusammen 


14 179 


100 



Die Zensiten machen also in Karlsruhe, Mannheim und 
Ludvvigshafen ca. 24,1 8 ''/o resp. 23,14% resp. 19,63% der Gesamt- 
bevölkerung aus. Berücksichtigen wir noch, daß die Steuerzahler 
mit kleinen Einkommen — bis ungefähr M. }ooo — ganz Ober- 
wiegend den AusscWag geben und ca. 79,58% resp. 84,78% resp. 
9 4.5 5*^/0 aller Zensiten repräsentieren, so kommen wir zu dem 
Schlüsse, daß die Konsumfähigkeit der Einwohner aller drei Städte, 
besonders aber der Ludwigsliafens, keine sehr große sein kann, 
und daß deshalb die Preisbewegung eines so wichtigen Lebens- 
mittels wie des Fleisches von hoher Bedeutung sein und in der 
Gestaltung des Konsums zum Ausdruck kommen muß. 



I. Abschnitt. 



Die Organisation des Vieh- und Fleischhandels. 

Die Anhäufung von Menschenma-ssen, wie sie unsere modernen 
Großstädte und Industriezentren gezeitigt haben, war an die Er- 
fülkini;- zweier Vorbedingungen geknüpft, an die Entwicklung der 
Verkehrstechnik und die Organisation der für die Lebensmittel- 
versorgung in Frage kommenden Berufe. Erst nach Ausbau der 
Verbindungswege und nach Schaffung der Eisenbahnen, erst nach 
der bis in das Kleinste gehenden Ausbildung der lierufsteilung 
ist es möglich geworden, auf gegebenem Platze nahezu unbe- 
grenzte Menschenmengen zu ernähren. 

Auch hier zeigt sich zwischen Stadt und Eand ein tief* 
greifender Unterschied, der in der Natur der Sache liegt Wäh- 
rend sich auf dem Lande die Lebensmittelversorgung noch in 
einfacheren Formen, vielfach direkt zwischen Produzenten und 
Konsumenten, vollzieht, nimmt sie in der Stadt eine immer kom- 
pliziertere Gestalt an. 

Gerade die Untersuchung der Fleischversorgung eines 
größeren Gemeinwesens bietet wegen der damit verknttpften 
technischen und kommerziellen Fragen besonderes Interesse. 

Wie sich die Veihfiltnifise im Vergldche zum flachen Lande 
verschieben, was für ein verwickelter und trotzdem tadellos 
funktionierender Apparat schon in diesem beschränkten Gebiete 
der Nahrungsmittelversorgung nötig ist, mögen die folgenden 
Kapitel in konkretem Falle zeigen. 



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14 



I. Abschnitt. 



I. Kapitel. 

Die Schlachthöfe von Karlsruhe, Mannheim und JLudwigshafen. 

. Schlachthäuser im einfacheren Sinne des Wortes, also g^c- 
m^nsame Gebäude, wo die Tiere geschlachtet und zerlegt wurden, 
sind keine Errungenschaft unserer modernen Zeit. 

Schon die Römer machten sich die W^rteile. welche eine 
derartige Zentralisienmg vom sanitären und wirtschaftlichen Stand- 
punkte bietet, zunutze. Die folgende Zeit bildete diese Ein- 
richtung dann weiter aus, bis der Dreißigjährige Krieg auch auf 
diesem Gebiete einen Rückschlag brachte. Nach und nach jedoch 
begann man wieder mit der Errichtung von Schlachthäusern, und 
gerade die süddeutschen Staaten gingen hierin mit gutem Beispiel 
voran. Als man aber zu Anfang des vorigen Jahrhunderts neue 
Grundsatze in der Heilkunde aufstellte, welche den (icnuß des 
Fleisches erkrankter Tiere als unschädlich bezeichneten, begann 
eine Strömung gegen Schlachthäuser, welche, namentlich in Nord- 
deutschland, zur Schließung derselben führte. Jedoch bewiesen 
die in den sechziger Jahren plötzlich häufig auftretenden Fälle 
von Trichinenepidemien das A''erfehlte dieser Maßregel und veran- 
laßten Preußen zu dem Gesetze vom iS. März 1868, betreffend 
die Errichtung öffentlicher, ausschließlich zu benutzender Schlacht- 
häuser. Die übrig-en Staaten folgten diesem Beispiele. In Baden» 
Bayern und Württemberg war die R( gelung des Schlachtzwanges 
ortspolizeilichen Bestimmungen überlassen; jedoch war die Zahl 
der Schlachthäuser eine große, und auch die Fleischbeschau war 
allgemein durchgeführt^ Das Beispiel und die Nähe Frankreichs, 
welches in diesen Fragen stets musterhaft war, mögen dabei mit- 
gewirkt haben. Das Reichsgesetz vom 3. Juni 1900. in Kraft 
seit dem. i. April 1903, brachte dann auch für das Reich be- 
treffend Schlachthäuser. Schlachtzwang und Fleischbeschau die 
wünschenswerte Einheitlichkeit 

Die früher oft gemachte Behauptung, daß die in den öffent- 
lichen Schlachthäusern zi| . zahlenden Gebühren eine Verteuerung 
des- Fleisches bewirken, ist auf Grund neuerer statistischer £r> 

' .Hchwarz, Bau, Einrichtung und Betrieb öffentlicher Schlacht* und Viehhöfe, 
Berlin 1898. 



uiyiii^uo Ly Google 



Die Urganisation des V'ieh> uml Fieischhandels. 



«5 



hebungen. als hinfäUig ierkannt^ Es ist ja auch ohuedies ein- 
leuchtend« daß eine derartigfe: Anlage die. Erfordernisse wie Licht, 
heißes Wasser, Eis u. drgl. im Chroßbetriebe billiger als der ein- 
zelne Metzger liefern, kann. 

Aber selbst wenn das Moment einer Verteuerung des Fleisches, 
die sich immer nur in engen Grrenzen bewegen konnte, gegeben 
wäce, könnte es nicht gegen die Errichtung von Sqhlachthäusem 
sprechen.. Denn die Tatsache, daß eine wirksame Kontrolle, des 
zur Verzehrung gelangenden Fleisches und damit die Beseitigung 
der andemfalles der menschlichen Gresundhdt drohenden Gefahren 
nur in dem zentralisierenden Betriebe derartiger Anstalten möglich 
ist,- müßte alle Bedenken in der angedeuteten Richtung besiegen. 

.1. Karlsruhe. 

Das in den Jahren 1885—1886 an Stelle des alten (berdts 
1S18 errichteten) erbaute neue Schlachthaus wurde 1887 dem 
Betriebe übergeben. 

Es ist an der Durlacher Allee gelegen, wird vom Viehhof 
durch die 20 m breite »Schlachthausstraße«: getrennt und umfaßt 
ein Areal von 24420 qm. welches auch einer eventuellen weit- 
gdienden ^Vergrößerung der Anlagen RechnuiiL; trägt. 

Dem Eingange zunächst liegen die Schlachthalle für Klein' 
yieh und die für Schweine (Länge je 26,5 m), in zweiter Front 
die Schlachthalle für GrolUieh und die nachträglich im Jahre 
1895 errichtete Schlachüialle für Groi\- und Klein\ ich (Länge je 
31,72 m). Die Höhe der vier gewölbten Hallenbauten beträgt 
6,7 m. Die Kleinviehschlachthalle ermöglicht eine tägliche Schlach- 
tung von 120 — 130 Stück Kleinvieh, die Schweineschlachthalle 
von 200 — 250 Schweinen; in letzterer bilden zwei Brühbottiche 
Enthaarnngstische, Hakenrahmen und an den Wänden befindliche 
gußeiserne emaillierte Waschgefäße mit Entfettungstischen zum 
Reinigen der Gedärme die Haupteinrichtung. Die Waschgefäße 
sind mit Kalt- und Warmwasserzuführung versehen, während, das 
Wasser in den Brühbottichen durch direkte Dampfzuströmung 
erhitzt wird. 



Ostertag, Handbuch d«- FleUdibeacbaii, Stuttgart 1904, S. 38. 



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i6 



I. Abidmite. 



Iii der mit 56 Mauerwinden versehenen Grofivieb8cbUich&> 
halle können täglich die entsprechende Anzahl Großvieh ge» 
schlachtet werden. 

In der Schlachthalle fOr Groß- und Kleinvieh ist die eine 
Sdte (mit 28 Winden) für Großvieh, die andere Seite für Klein- 
vieh reserviert 

Eine der wichtigsten Gebäulicfakeiten im Schlachthaus^ 
betriebe ist das Kflhlhaus; es liegt hier westlich von den eben 
beschriebenen Gebäuden und bedeckt eine Fläche von 660 qm. 
Die zur Aufbewahrung des Fleisches dienenden Räume sind in 
zwei übereinander liegenden, je 3 m hohen Etagen angeordnet. 
In jedem Kühlraume befinden s&dtk 45 ZeUen, also insgesamt 
90 Zellen mit einem Flächeninhalte von 465 qm. I^e Wände der 
einzelnen Abteilungen, welche unter dem Verschlusse des je- 
weiligen Inhabers stehen, bestehen aus Eisenstäben mit starkem 
Drahtgeflecht. 

Die Temperatur in der eigentlichen KOhlhalle muß, ohne 
Rücksidit auf die Außentemperatur, einen ziemlich gleidunflffigen 
Stand — bei Einbringung von täglich ca. 17 000 kg Fleisch von 
•4-2 bis-i-4°C — aufweisen, der durdi die Kühlmaschinenanlage 
und die wdtgdiende Isolierung des Kühlhauses gewährleitet ist 

Östlich von der Grroßvieh- und Kleinviehschlachthalle liegt 
das zur Aufnahme für die zur Schlachtung angekauften Tiere 
bestimmte StaQgebäude. Es zerfällt in zwei, je 18,2 m lange und 
12 m, breite Abteilungen für je 32 Stück Großvieh. Ein weiteres 
StaUgebäude wurde in den Jahren 1894/95 erriditet Es ermög- 
licht die Unterbringung von etwa 35 Stück Großvieh und 200 
Stück Kldnvieh. Südlich schließt sich hieran das mit Schienen- 
gddse und Notrampe vers^ene Sdilachlhaus für kranke Tiere, 
wo die beim Eisenbahntranq)orte erkrankten oder verunglückten 
Tiere bequem ausgeladen und gescUachtet werden können. 

Eine Kaidaunenwäsche, Düngerhaus und die am meisten 
südlich gelegene Freibank vervollständigen die ganze Anlage. 

Die Verwaltung des Schlachthofes ist, ebenso wie die des 
Vidihofes, einer besondmn städtischen Sdilacht- und Vidihof- 
kommission übertragen und durch Sdilachthofordnung vom 2.0. 
August 1903 neu geregelt 

Die Untersuchung des lebenden Schlachtviehes sowie die 
Fleischbeschau ist dem Direktor und seinen Tierärzten unterstdlt 



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Die Organisation des Vieh- und Fleisclibandels. 



17 



IMc rein kaufmännischen AngclcgenheittMi wie die Erhebung' der 
(rebühri'n für den vSchlacht- und Viehhof, der VcTbrauchssteiuTii 
für Schlachtvieh und der staadichen Fleischakzise * werdeti durch 
ein besonderes Kassenburcau unter einem Kassierer erledigt. 

Sämtliche gewerblichen und privaten Schlachtungen aller 
.Vrten von Schlachttiercn — mit Ausnahme der Notschlachtungen 

— haben im Schlachthofe innerhalb der dafür festgesetzten Zeit 

— im Sommer von 5 l'hr morgens bis 7 Uhr abends, im Winter 
von 6 Uhr morgens bis 6 IThr abends — zu erfolgen. Die am 
Eingange der Anlage p<istierten Pförtner haben darauf zu achten, 
daß kein Stück \'ieh passiert, be\-or es einer sanitätspolizeilichen 
Untersuchung unterworfen worden ist, und bevor di(^ darauf ruhen- 
den Markt-, Schlacht- und Bescliaugebühren usw. (Mitrichtet sind. 

Die Schlachtung der Tiere, bei der jede 'l iiTquälerei zu ver- 
meiden ist, erfolgt, mit Ausnahme der geschächteten. stets unter 
vorhergehender I^f^täubung. Bei dem Großvieh gelangt meist der 
Schußapparat zur Auwendung. 

Die Schlachtgebühren betragen: 

für Rindvieh 1. Schwere (2,50 kg und melir) . . . M, 3. — 



» » II. » (200—250 kg) » 2.50 

» » IIL » (100 — 200 kg) » 2. — 

y> ;> IV. » (unter 100 kg) » — .60 

> Schweine » 1.50 

» Schafe » — .50 

* » Kitzlein und Ferkel » — .10 

» Pferde » l. — 



Die folgenden Tabellen über die Schlachtergebnisse sowie 
über di(> Auftriebszahlen in den Viehhöfen .sind, soweit nichts 
anderes bemerkt, aus den Vieh- und Schlachthofberichten der ein- 
zelnen Städte zusammengestellt. 

Die Schlachtung-en in Karlsruhe für die Jahre 190I' — 1905 
werden durch folgende Zahlen veranschaulicht: 



1) Baden hat bekanntiidi eine Stiatsakzise auf Großvieh mit fönenden Sätzen: 

bei einem Sdiladitgewicht unter 300 kg M. 4.— 

* * » von aoo bis «nwcblifMiffh 250 kg ... . » 6. — 

> ■> » 250 und mehr kg » II.— 

Hei Külicn und Farren sind audt bei einem Sdilachigewicht von 250 kg und 

darüber nur M. <>. - zu entrichten. 

lirandt, Uie Fleischversorgung, 2 



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I. AtMchnitt. 



Großvieh. 



Jahr 


Ochsen 


Kflhe 


1 

i 
1 

i 


Rinder 


^ Farren 


Summe 




I 




III 


I 


II 


Ul 


I 


U 


.11 1 


1 ' 




III 


190t 


1618 


'745 


i 

972 




«303 


2007 


10 


670 


2064 




1484 


260 


«2 133 


285 


1902 


1629 


1868 


840 




»355 


•785 


8 


830 


I9i5 


1669 


301 




12210 


3<»9 


1903 


2241 


2144 


578 




1276 


1626 


7 


695 


1221 


1422 


204 




II 414 


379 


u)04 




2306 


(•77 


121 1 


1722 




I -> 


460 


1026 


1396 


196 




" 35« 


310 


»905 


3020 


»7S» 


.035 1 


1- 


im 








i«37 




»352 


302 


12 bOi 


395 



Kleinvieh. 



Jahr 


Kalber 


HAnund 
und 


Schweine 


Ferkel 

und 

K it/lfin 


Snmme 


1901 


22 042 


2043 




1904 


58 53'> 


1902 


2 t 042 


1990 


29 781 


2084 


54 897 


«90J 


20769 


2287 


36969 


2269 


62294 


1904 


20668 


2031 


43017 


2428 


68 144 


1905 


21 157 


2282 


36037 


2697 


62 173 



Das Hauptkontingent der zur Schlachtung^ gelangenden Tiere 
stellt naturgemäß der Viehhof. Aber manches Stück holt sich 
auch noch der Metzger unter Umgehung des Viehhofes direkt 
aus dem Stalle des Bauern in der Umgegend und bringt es zu 
Fuß in den Schlachthof. Diese Grepflogenheit ist vornehmlich bei 
Großvieh, Kfllbem und Schafen zu beobachten. Bei Schweinen 
dagegen schiebt sich der Händler mdu- und mehr als Mittelsperson 
ein. Der Grund hierfür liegt darin, daß die Produktion an 
Schweinen in Baden, wie wir bereits gesehen haben, zurückge- 
gangen ist und in keinem Verhältnis zu dem benötigten Quantum 
steht Denn gerade für die FabrikbevOlkerung der umliegenden 
Ortschaften — und das gilt auch für Mannheim und Ludwigs- 
hafen — bildet Schweinefleisch den wichtigslen Bestandteil der 
Fleischnahrung überhaupt So ist denn Baden in bezug auf 
Schweine auf andere Staaten, insbesondere Norddcutsdiland, an- 
gewiesen. Den Bezug vermittelt der Händler meist in größeren 
Partien auf der Eisenbahn. 



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Die Oiiganisaiion des Vieh- und Fleischhandels. 



«9 



Die vorstdienden Zahlen zeigen zum Teil große Schwan- 
kungen in den Schlachtcrgebnissen, die besonders bei den Schweine- 
scfalachtungen scharf hervortreten. 

Von ausschlaggebender Bedeutung sind in dieser Hinsicht 
die Emteresultate der einzelnen Jahre. Ist die Ernte knapp aus- 
gefallen, so stoßt der Bauer alles nur irgend entbehrliche Vieh 
ab, da er sonst Futter fOr den Winter fOr teures Geld hinzukaufen 
moßte. Dagegen läßt eine reichliche Futteremte das ZurOckhalten 
des Viehbestandes vom Verkaufe und die Aufzucht des sonst 
zum Markte gebrachten Jung^ehes bei den jetzigen F^sen 
doppelt verlockend erscheinen. 

So zeigen z. B. die Schwdnescfalachtungen im Jahre 1902 
gegen 1901 eine Abnahme von 8,5^/0, 1903 gegen 1902 Zunahme 
von 24,1 **/o, 1904 gegen 1903 Zunahme von 16,3% und 1905 
gegen 1904 Abnahme von 16,2^/0. 

Die Schwankungen bei dem Großvieh liegen mehr in den 
wechselnden Zahlen der einzelnen Qualitäten, während die Gresamt- 
summcn lange nicht so stark wie bei den Schweinen voneinander 
abweichen. Die Ochsenschlachtungen weisen z. B. im Jahre 1905 
gegen 1904 bei der ersten Qualität einen Rückgang von 14.5 °/'o. 
bei der zweiten von 24,1 "/o, bd der dritten dagegen eine Zu- 
nahme von 52,8% auf. 

Die ständig stdgenden Ziffern der Pferdeschlachtungen be- 
weisen, daß der Konsum von Pferdefleisch infolge der hohen 
Preise für die anderen Fldschsorten in immer breiteren Volks- 
schichten Aufnahme findet. 

Auf die einzelnen Monate des Jahres 1905 verteilten sich 
die Schlachtungen, wie folgende Tabellen auf Seite 20 zeigen.^ 

Die größten Schwankungen ergeben alch in der Rubrik 
Ferkel und Kitzlein; sie finden ihre Erklärung darin, daß die 
jungen Ziegen bald nach ihrer im Frühjahr erfolgenden Geburt 
gesdilachtet werden, und daß sich infolgedessen die Schlachtungen 
in die Monate März und April zusammendrängen. 

Im allgemeinen macht sich gew<dmlidi in den heißen 
Monaten, wo gerade die wohlhabendere Bevölkerung verreist ist 
und der Fleischgenuß ohnedies eine geringere Rolle spielt, eine 



* Für Pferde ist in den Karlsruher Scbinchlbofbericbten eine derartige Spezi- 
flkation nicht vergenommen. 

2* 



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20 



I. Abadmitt. 

Großvieh. 



Moimt 


» )cbscn 


1 Kühe 

1 


Rjnder 


1 t'aiTcn 


SamnM 


1 


Ii 


TtT 
III 


II 


TTT 
III 


1' 


TT 


TTT 
III 


1 Tl 
1 II 

1 


I T r 
III 

1 


lanuar 


2 I ? 




/ V 




''IT 


1 

I 


A X 


1 J 1 


00 


1 

V 






«93 


13« 




! '24 


198 


1 


3' 


.01 




I 2 


Vi/ 


Äiärz .... 




132 




»4y 


202 






.38 






1065 


April .... 


«65 


H3 


65 


124 


•SO 






»5/ 






929 


Mai .... 


189 


133 


91 


172 


184 


2 


45 


167 


«33 


'5 


II9I 


Juni .... 


190 


1 1 1 


1 4 




»23 




48 


138 


114 


'5 


943 


J"i> 


»5- 


'(•5 


8«, 


82 


.72 


• 


f'3 




'34 


20 




August 


1 10 


13*» 


'5:: 




•74 




(>i 




i 140 


3'» 


1044 


September 


114 


184 


lOI 


i "-^ 


'47 


' 


46 


i4(> 


127 


43 


1001 


Oktober . . . 




220 


1 1 1 


88 


26; 




29 


141 




53 


1222 


November . . 


171 


166 


88 


105 


285 




35 


178 


84 


26 


iij8 


Dezember . . . 


tSi 


1 1 7 








1 








1 1 




Snmme . 


2020 


1/5« 1 «>35 

1 


«359 ! 

1 


2373 1 


(> 


569I 1837 

1 


I3S3 


302 


12603 



Kleinvieh. 







Hilinmol 




Ferkel 




Monat 


Kälber 


und 


Schwei Dc 


und 


Simime 


• 




Ziegen 




Kitzlein 






1624 


155 


3945 


3 


5727 




1628 


181 


3542 


62 


54 »3 


März 


2005 


184 


3868 


122^ 


7280 


April 


1705 


172 


3074 


I l<)0 


(»141 


Mai 


H)22 


187 


3753 


180 


(»042 




2030 


152 


3047 


«7 


5240 


Juli 


1619 


184 


2940 


«3 


4756 




1591 


«79 


2869 


3 


4642 


September .... 


1812 


185 


2750 


I 


4757 


" >k lober 




228 


2f>6f) 




4«53 


November .... 


if.87 


25(1 


1704 


4 


3651 


Dezember .... 


1875 


219 


1570 


I 


3665 


Summe . 


21157 


2282 


36037 


2697 


62173 



Abnahme der Sehl acht unsrcn briiKTkljar. die dann mit Eintritt 
d(T kältcrrn Jahr(^sz<M't wi«xler zu vorschwinden pfl<'gt. .Vllerdings 
ist diese Erscheinung beim Kleinvieh im Jahre 1 905 nicht zu be- 



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Die Oi]gaiiisation des \'ich- und Fleischhandeb. 



21 



obaditen, da gerade die SchweinescMachtungen, die fflr die Be- 
wegung der Kleinvidiachlachtungen maßgebend sind, in den 
Wintermonaten dieses Jahres stark abgenommen haben. 

2. Mannheim. 

Die Spuren eines dffentlidien Schtadiäiaiues mit Scfalacht- 
hauszwang liegen in Mannheim weit zurflck. Sie lassen sich bis 
in die erste Zeit nach dem Wlederauflsau der durch die Franzose 
zerstörten Stadt verfolgen. 

Bis zum 3. Mai 1900, an welchem Tage der jetzt in Betrieb 
befindliche Schlachthof eröffnet wurde, übten die Metzger in dem 
' am linken Neckarufer gelegenen, 1869 errichteten alten Schlacht- 
hause ihr Gewerbe aus. 

Die neue Anlage, bei der alle anderweitig gemachten Er- 
fahrungen und tedmischen Verbesserungen zur Anwendung kamen, 
verbindet das Praktische mit dem (refälligen und gilt als muster- 
haft. Mit Inbetriebnahme derselben wurden zugleich alle Privat- 
schlächtereien verboten, wodurch die im übrigen schon lange be- 
stehende obligatorische Fleischbeschau erst ihre volle Bedeutung 
erlangte. 

Das zu der Schlachthofanlage gehörige Terrain nimmt eine 
Fläche von 5 1 000 qm ein. Bei der Anordnung der Gebäulich- 
keiten ist einer eventuellen späteren Vergrößerung in weitgehendem 
Maße Rechnung getragen worden, so daß der Schlachthof, der 
für eine Einwohnerzahl von 264000 Seelen gedacht ist, nach 
seinem endgiltigen Ausbau den Bedürfnissen von über 500000 
Einwohnern genügen kann. 

Er ist in seinem ganzen Umfange mit einer Mauer umgeben, 
die vier, mit verschließbare Toren versehene Eingänge aufweist. 

Die eigentliche Schlachthofanlage ist in einem geschlossenen 
Baukomplexe vereinigt. In der Mitte liegt die von Westen nach 
Osten sich erstreckende Verbindungshallc, welche ca. 100 m lang, 
17m breit und 1 1 m hoch ist. Sic dient dem bequemen Verkehr 
zwischen den verschiedenen Schlachthallen und dem Kühlhause. 
Daran schließen sich nach Süden zu die drei Schlachthallen, mit 
dem Haupteingange nach Norden, auf der anderen Seite die 
Kühlhalle mit ihrem Breitteile. Westlich davon liegen das 
Maschinen- und Kesselhaus sowie der Wasserturm. Die Talg- 



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22 



1. Abschnitt. 



schmelze mit Hautlagcr, die Sanitätsanstalt und Hauptkuttlcrei sind 
weiter südlich gelegen und von den Hauptgebäulichkeiten getrennt. 
Ebenfalls südlich, in der Nähe der Bahngeleise, befinden sich die 
Stallungen für die Schlachttiore ; an der den Schlachthof von dem 
Viehhofe trennenden Mauer ist ein Pferdastall und eine Remise 
für die Metzgerfuhrwerke errichtet. Ferner seien noch das Polizei- 
schlachthaus, Pferdeschlachthaus und die l'Veibank erwähnt. 

D\c .^2 m lani^o und },i m breite Schweineschlachthalle zer- 
fällt in den Brührauni und den .Vusschlachtraum. Der letztere ist 
mil KuUflbottichtMi und 'Irischen versehen; in dem er.storen sind 
die Absteehbuchten. I3rühkess(»l, 1 )relikrahnen und Knihaarungs- 
tische anj^'iv^rdnet. Die ani^cbr.iditen Transportv« )rrirhtunLren er- 
möglichen auf llängegeleisen d;is bequeme l''ortsehaffen der ge- 
schlachteten Schweine zu den Vorkülilräumen. I)i<^ drei Brüh- 
kessel bewältigen gleichzeitig 40 Schweine, während 770 Ilaken 
der Transjiortvorrichtung" das gleichzeitige .\usschlachten von 
340 vSchweinen gestatten. 

Die Schlachtlialle für Kälber und liämmel l)ildet ein ( )uadrat, 
dessen Seiten 16 m betragen. An 4^2 Ffak<Mi können auf einmal 
240 bis 2.50 Stück Kleinvieh gesehlaehtet und gl(Mchfalls auf 
ilängt'geleisen W(M'terbef(')rd(Tt werden. Die sonstige Einrichtung 
ähnelt der der Schweineschlachthalle. 

Die 41 m lange und 2_i m breit<- (rroliviehschlachthalU' wird 
durch ein 10 m breites Mittelschiff in zwei je 7 m breite Seiten- 
.scliiff<^ getrennt. Das Mittelschiff ist 9 m, die beiden Seitenschiffe 
je 6,.s m hoch. Zum Autliängen der TicThälften dienen 170 Trans- 
IX)rtlaufkatzen mit 170 Paar Drilling.shaken ; den W<'itertransport 
des FkMsches viTmitteln 50 Winden, von denen jede ein selb- 
ständiges Ausfahrgeleis besitzt. 

Der an der nördlichen Eangseite der Verbindungshalh^ ge- 
legenen Kühllialle sind die Zerstücklungsräume, 1^'leischhackräume 
und der Pökelkeller angi 'gliedert. Die Kühlhalle zerfällt in die 
Vorkühlräume für (xroßvieh. Schweine. Klein\ ich und in die eigent- 
liche Kühlhalle. In letzterer sind die 17Ö Stück Eleisclizellen, je 
88 zu 4 und zu 2 qm, angeordnet. 

[)i(" Verwaltimg des Schlacht- und \'iehhol<"s ist einem \'er- 
waltungsrate unterstellt und durch Ortsstatut geregelt. Die te<^h- 
ni.sche Deitung und die Meischbescluui werden \<m dem Direktor 
und den ihm unterstellten Tierärzten ausgeübt. Eine Schlacht- 



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Die Ori^isatton des Vieh- und Fleischbandels. 



23 



hauaordnung und eine Betriebsordnung enthalten die erforder- 
lichen Vorschriften und Anweisungen. 

Die Betriebsstunden werden jeweilig durch Ansdik^ bdcannt 
gemacht Das Kflhlhaus ist an Wochentagen in der heißen Jahres- 
zeit von 5 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Feier- 
tagen von 5 bis 9 Uhr vormittags geöffnet 

Beim Einbringen des Viehes in den Schlachthof sind die 
SchlachthausgebOhten, und zwar: 

für 1 Pferd M. 6.— 

» I Stack Großvieh . . , . » 5.50 

> 1 Kalb oder Schaf .... » i. — 

» I Schwein » 1.70 

» i Ziege » —.50 

» t Ferkel, Zicklein oder I^mm » — .30 

zu entricliton. 

Das Töten drr TitTc erfolgt beim (Irol'vich mittels der 
Srhul'maskc mit unmitti'lbar darauftolcrcndcm 1 Tals- odvr Bnist- 
stich. Kloinvich' wird durch cwvn Schlag auf den Kopf betäubt 
und dann sofort durch Hals- oder Bruststich gct()tt^t. 

Mit Schluß des Jahres igoi l)lickte d<T Schlachthof erstmals 
auf ein volles Ketriebsjahr zurück. Schon dessen Resultate wiesen 
gegen di(» früheren Jahre eine erfreuliche Steigerung auf und ließen 
die hetzte Opposition, \v(4che sich vor und Während der Bauperiode 
geltend machte, verstummen. 

Es wurde in den Jahren 1901 bis 1905 geschlachtet: 



Großvieh. 



Jahr 


( )chscii 


Farrcn 


Kühe 


Riiukr 


Sunmio 


I^fcrclf^ 




171,8 


»437 




10 224 


i6 86f. 


472 


1902 


2310 


«645 




9 261 


16 400 


540 


1903 


3093 


1514 


3646 


8220 


«5 473 


490. 


1904 


2672 


1478 


3624 


8257 


15031 


417 


1905 


1932 


1702 


3548 


8794* 


15976 


630» 



* Bei Sdiweinen kommt der sogenannte Bolzenappaiat zur Anwendung. 
' Laut Sttt. MotMtsberiditen der Stadt Slonnhehm. 1905, Vllf. Jahig. 



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24 Abschnitt. 



Kleinvieh. 



Jahr 


Kilber 


Schafe 


Zicken 


Zidclein 


Schweioe 


Ferkel 


Summe 


1901 


23060 


3812 


51a 


449 


56 331 


2 


84 166 


1902 


22 266 


3540 


57a 


215 


48571 




75 «64 


1903 


21 125 


3275 


567 


392 


58 226 


78 


83663 


1904 


20434 


3609 


S94 


755 


69728 


81 


94201 


"905 


20 950 ' 


3085» 


867» 


916 > 


60 237 ' 


i 


86045 



Der in diesen Jahren andauernde Viehmangel macht sich in 
der absoluten Abnahme der Großviehschlacfatungen bemerkbar 
und tritt besonders bei den Ochsen und Rindern zutage. Der 
Rückgang ist aber zum Teil auch daraus zu erklären, daß sadti 
die große Masse der Mannheimer Bevölkerung, die Fabrikarbdter» 
bei der nach aufwärts eingetretenen Prdsbewcgung notgedrungen 
den billigeren Tierarten, namentlich Kühen, Farren und Pferden 
(Zunahme 1905 gegen 1901: 334%!), zuwenden mußten. 

Die Kleinvidisdilachtung«! zogen jahrweise starke Unter- 
sdiiede, welche fast ausnahmslos durch die Zahl der gescfaladiteten 
Sdiweine bedingt werden. So weisen die Sdiwcinesdiladitungen 
1902 gegen 1901 ein Minus von 13,7%. 1903 gegen 1902 ein Plus 
von 19,8%, 1904 geg(ni 1903 ein Plus von 19,8% und endlich 
1905 gegen 1904 wieder ein Minus von 13,6^/0 auf. 

Wie schon früher bemerkt, sind diese Differenzen eine natür- 
liche Folge der Ergebnisse der Futterernte, bei welcher bezüglich 
der Schweine die erzielten Kartoffelquanten maßgebend sind. 

Die Erklänmg für den Rückgang der Kälberschlacfatungen 
ist vorzugsweise in den gestiegenen Preisen und in der dadurch 
verminderten Nachfrage zu suchen. 

Über die monatlichen Schlachtergebnisse des Jahres 1905 
geben die auf nebenstehender Seite befindlichen Tabellen AufecUuß. 

Auch hier ist in den heißen Monaten meist eine Abnahme 
der Schlachtungen ersichtlich, die in der folgenden Periode wieder 
verschwindet 

* Laut Stat Mcmatsberichten der Stadt Mannheim, 1905, VIII. Jahrg. 



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Die Organisation de* Vieh» und FleischhandeU. 

(iroßv ic hJ 



25 



Monat 


Odiaen 


Fairen 


Kfihe 


Rinder 


Summe 


Pferde 




»94 


»32 


309 


841 


1476 


49 






1 10 


2 00 




! 240 


50 




177 


I 2Q 




2hl 








182 


104 


217 


7'3 


I218 


M> 


Mai 


22V 


153 


24t) 




1434 


48 


Juni 


«3« 


«»5 


«65 


664 


1076 


36 


Juli 


117 


163 


333 




I35I 


35 




133 


149 


247 


84., 


1378 


38 




137 


153 


203 


758 


I 2S 1 




Oktober 


iy7 


210 


287 


873 








136 


129 


327 


778 


«370 


87 


Dezember 


»45 


»50 


304 


709 


1308 


96 


Stmitne 


»933 


»70. 


3548 


8794 


»5976 


630 



Kleinvieh. 



Monat 


Kälber jScbweine 


Schafe 


Ziegen 


Zicklein 


Summe 


Januar 


1 '(tO 


6099 


268 


33 




8102 


Februar 


1583 


5753 


252 






7640 


Harz 


1863 


6105 


299 


8(. 


5'7 


8930 


April 


1868 


5124 


204 


56 


337 


7589 


Mai 


1675 


5573 


212 


63 


28 


755» 


Juni 


1875 


4447 


183 


36 


5 


6546 


Juli 


1 710 


474» 


241 


34 




(»726 


August 


1 70() 


3017 


25t 


(>i 




7038 


September 


1041 


4t'52 


278 


S8 


6 


OGdS 


Oktober 


»630 


4921 


334 


139 




7024 


November 


1720 


4026 


253 


132 


1 


6132 


Dezember 


PH ^ 






1 1- 




"'■ \ - 


Summe '. 


20950 


60227 


3085 


867 




86045 



' Si ii i! :5 Jahre 1003 findet in den Berichten des städtischen Sdihcht« und 

^'ie!lh(lf'.■s ciif. \'f'rteilu(i<; tlcr Sclilarhtungoii auf <lic cin/eliicn Monate nicht tnHir 
sLitt. XarhsLfhtndc Zahlen sin(i daher den Stat. Monatsberichten der Stadt Mannheim, 
VIII. Jahi^., Januar bis Dezember, eninommeu. 



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26 



I. Abschnitt. 



3. Ludwigshafen. 

Die Ludwigshafener Anlage stellt sich in der Hauptsache 
als eine g^eue Nachbildung des Mannheimer Sdiladithofes dar. 

Auch hier die große, dos Kühlhaus von den iSchlachthallen 
trennende Verbindungshalle, welche loo m lang, 15m breit und 
IG m hoch ist. Östlich vom Eingange liegt die Großvieh- 
schlachthalle, durch eine doppelte Hochtransportbalm mit der 
südlichen Kuttelei verbunden. Sie gleicht in ihrer Einrichtung 
den früher beschriebenen, dem gleichen Zwecke dienenden Ge- 
bäuden. Erwähnt sei, daß sie mit fahrbaren Tischen für die 
Därme und je 24 Winden und l'ransportgeleisen versehen ist. 

Daneben schließt sich die Schlachthalle für Kleinvieh und 
Kälber an. Sie ist zu beiden Seiten von Wartebuchten flankiert 
und zerfällt in 8 Abteilungen. Auch hier sind Transportbahnen 
zum Fortschaffen der schweren Kälber vorhanden. 

Den seitlichen .Vbschluß der Verbindungshalle bildet die 
Schwei neschlachthalle, welche mit der südwestlich davon melegenen 
Kinstellhalle für ivleinvieh und Schweine durch einen Triebgang 
verbunden ist. 

Kine Xeiierung ist in der Schweinesclilachthalle insofern 
durchgefülirt. als die rotschlagebiichten ungefähr i ni über dem 
Fußboden des Raiunes aufgebracht sind. Die betäubten und ab- 
gestochenen Schweine können infolgedessen einfach in die tiefer 
liegenden Brühbottiche herabgelassen werden, wodurch die Auf- 
stellung der in den anderen Schlachthäusern notwendigen Kralmen 
unnötig wird. Die viereckigen Brühbottiche sind mit Auswurfs- 
vorrichtungen \'ersehen. auf welchen die gebrühten Schweine auf 
die Schabetische befördert werden. Die sich entwickelnden 
Wasserschwaden gelangen durch Absauger ins Freie. 

Die schon erwähnte Einstellhalle für Kleinvieh und vSchvveine 
weist ca. 20 größere und kleinere, durch eiserne (xitterwände von- 
einander abgetrennte Buchten auf. Die Verbindung kann durch 
verstellbare Türen hergestellt werden. 

An der nordwestHchen Seite der Verbindungslialle liegen 
die Untersuchungsstation, das Trichinenschauzinnner, die Kühlhallen 
und die Maschinenanlagen, /u beiden Seiten der gemeinschaftlichen 
Kühlhalle die beiden \'orkühlräume, je einer für Großvieh und 



Die ( )rganisatii)n des Vieh- und FluUckhandcls. 27 

Kldnvieh; letzterer kann allein ca. 300 Schweine aufnehmen. Der 
Pökelraum mit je i.) größeren und kleineren Pökdzellen sowie 
die Fleiadiliackerd sind der eigentlichen Kühlhalle vorgelagert 
In dieser sind ungefähr 140, mit Gittern abgeschlossene Zellen 
voihanden; jedodi ist nur etwa ein Drittel derselben in Benutzung, 
da Viele der kleineren Metzger je zwei und zwei eine Zelle 
mieten. 

Südüstlicli von den soeben beschriebenen Anlagen sind die 
Ställe für das (iroßvieh aufgeführt, an deren Rückseite sich die 
V erladerampen und das Bahngeleise anschlieljen. 

Als ein Fehler, der beim Bau hätte vermiinlen werden können, 
ist die Lage des Kontumazslalles für das Auslandvieh zu betrachten. 
Er befindet sich ebenfalls auf dieser Seite, in nur geringer Knt- 
fernung von den übrigen Viehställen, und bildet dadurch bei 
Seuchenfällen eine (iefahr für das Tnlandvieh. 

Die Ostecke der Anlage füllt die von außen zugängliche 
I'Veibank aus. Im Anschlul") daran sind noch zu erwähnen der 
Sanitätsschlachthof, das Pferdeschlachthaus und zwei Ställe für 
Schlacht- und !Metzgerpferde. 

In der Verlängerung der Verbindungshalle nach Osten treffen 
wir auf den Eingang, zu dessen beiden Seiten sich das Verwaltungs- 
und Restaurationsgebäude befinden. 

Für die Errichtimg eines Viehhofes ist im Westen ein grolJes 
Areal vorgesehen und bereits in das Eigentum der Stadtgemeinde 
überg(\gangen. Die ganze Schlachthofanlage ist auf eine starke 
Vergrößerung, die bei dem schnellen Wachstum Ludwigshafens 
über kurz oder lang eintreten muß, berechnet 

Der Betrieb im neuen Scfaladithofe wurde am 29. Juni 1905 
aufgenommen. Er ist durch die neue Schlachthofordnung vom 
gleichen Tage geregelt und unterscheidet sich nicht wesentlich 
von den früher geschilderten. 

In den Jahren 1901 bis 1905 war die Bewegung der Schlacht- 
ergebnisse folgende:^ 



' Der Liidw^shafener Sdibdithof veröffendidit keine Berichte. Nadisteheiide 
Zahlen verdanke idi bandschriftlichen Auf/.cichnungcn, die mir nebst sonstigen Infor« 
mationin von Herrn Schlachthofdirektor Thomas in liebenswttrdi^ter Weise zur Ver- 
fügung gestellt wurden. 



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30 



I. Abschnitt. 



1. Karlsruhe. 

Der Karlsruher Viehhof tunfaßt ein Gelände von 2 t 660 qm 
auf welchem sich die Markthallen für Großvieh, Schweine» Kälber 
und Schafe sowie ein Stallgebäude fOr Großvieh erheben. 

tMe Markthalle für Großvieh ist 82 m lang, 36 m breit und 
für ungefähr 500 StQck Großvieh berechnet. 

Diejenige fOr Schweine und die für Kleinvieh sind gleich 
groß, je 22 m lang, 18 m breit; ae ermöglichen die Unterbringung 
von 400 Schweinen bezw. 300 Stück Kleinvieh. 

Das Stallgebäude für Großvieh ist in Bauart und GhnOße dem 

im Schlachthofe gelegenen gleich. 

An die Markthallen für Schweine und Kleinvieh schli( rx-n 
sich südlich in Verbindung mit den liahngeleiscn di{^ Verlade- 
rampen an. Sie bestehtMi aus fünf mit Holzgeländern versehenen 
Gehwe^gen von je 11 m Länge und 10 m I^reite. 

Ferner wären noch eine Düngorsammelstelle, ein 1 läute- 
magazin und das in der nordösthchen Ecke des N'iehhofes gelegen(% 
durch ein besonderes (reländer abgetrennte Gebäude zur Gewinnung 
animalischer Lymphe zu erwähnen. 

Das \'erwaltungsgebäude des Viehhofes ist symmetrisch zu 
dem des Schlachthofes angecnrdnet. Beide Gebäulichkeiten flan- 
kieren das in der Verlängerung der »Schlachthatisstraße« gelegene 
Restaurationsgebäude. 

Die Wasserversorgrmig der ganzen Anlage erfolgt durch die 
städtische Wasserleitung und durch das Pumpwerk des städtischen 
Gaswerks II. Die Entwässerung wird durch neun, über die ganze 
Anstalt verteilte Klärbecken bewirkt, von denen aus die genügend 
gereinigten Abwässer in den Hauptentwässerungskanal geleitet 
werden. 

Die früher versuchsweise eingeführten provisorischen Zucht- 
und Nutzviehmärkte hatten trotz ausgesetzter Geldprämien nicht 
den -erwarteten Erfolg und gingen wieder ein. Dagegen zeigten 
die Scfalachtviehmärkte, welche sämtlich auf dem Viehhofe statt- 
finden müssen, eine bessere Entwicklung. Sie lieferten nicht nur 
einen beträchtlichen Teil des für den Schlachthof benötigten Viehes, 
sondern zeitigten audi, besonders in den letzten Jahren, einen 
Export, der namentlidi in Schweinen beachtenswert ist 



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Die (!)rganisaUon des Vieh- und 1' icischliantlei». 



31 



Die Händler wissen die ihnen vom Viehhofe gebotenen Vor- 
teile, wie z. B. die günstige Bahnverbindung, die bequeme Unter- 
bringung und Verpflegung des Viehes sovne die durch die strenge 
Kontrolle gewflhrldstete Sicherheit gegen das Auftreten von 
Seuche, zu würdigen und auszunutzen. 

Auch die niedrig gehaltenen Marktgebühren sind dem Ver- 
kehre günstig. Sie betragen: 

für I Stück GroIUif'h . . . M. i. — 

» I Pferd > 1. — 

» I Kalb, vSchaf, Ziej^c ... » — .20 

» I Schwein » — .40 

Auf dir (lesLaluini^ der Auftricbszifforn wirki'n naturg'cmär). 
lind zwar primär, dicsolbcti Faktoren ein, die wir schon bei der 
Betrachtuiii^ der Schhichteri^ebnisse kennen s^elernt haben. 

Der Auftrieb gestaltete sich in den Jahren 1901 bis 1905 
folgendermaßen : 



Großvieh. 



Jahr 


Oduen 


Kühe 


Rinder 


Farren 


Summe 


1901 


1074 


2731 


4503 


»527 


9 «35 


1902 


1368 


3029 


4559 


1808 


10 764 


1903 


4133 


25'3 


2153 


1506 


10305 


1904 


4414 


2343 


1410 


1327 


9 494 


1905 


3047 


2458 


188; 


»367 


8759 



Kleinvieh. 



jähr 


Käll>cr 


^— — — — — 


Schnfo 


Ziethen 


Kit/1', in 




Siimnu* 


1001 


IK 781 


^^ 95' 


118 




100 








18225 


30 2 1 2 


<)2 


> 


'-4 




4M ()()0 




I 7 988 




34 




IO(. 




n(i 098 


1904 


17 062 


45 rs' 


44 




178 




045 


»905 


17 268 


36 866 




" 


204 




54 428 



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32 



I. Abidiiiitt 



Die Zahl des zum Verkaufe gestellten Großvidies hat in den 
Jahren 1903» 1904 und 1905 nicht unbeträchtlich abgenommen. 
Der Grund dafOr ist in dem Mangd an Inlandvieh sowie in den 
hohen Preisen zu suchen. Hand in Hand damit ging ein Freis- 
aufschlag für Auslandvidi, das heiBt für Großvieh aus Osterreidi* 
Ungarn» welches fOr den Import von lebendem Rindvieh von 
großer Bedeutung war. 

Der Sommer 1903 war fOr die Ergebnisse der Futteremte 
in Osterrdch-Ungam in hohem Gra4e imgOnstig gewesen und 
hatte eine Reduzierung, damit Verbilligfung des Viehstandes im 
Gefolge gehabt Die günstigeren Aussichten im folgenden Jahre 
brachten die natürliche Reaktion in Gestalt einer Ergänzung der 
zusammengeschmolzenen Viehbestände und eines Naclilaasens des 
Angebotes, womit g<^n Ende des Jahres ein starkes Steigen 
der Preise verknüpft war. 

Bei dem Kleinvidi treten besonders die starken Unterschiede 
in den jährlichen Sdiweinezufohren hervor. 

Hi^ zeigen sich in den einzelnen Jahren genau dieselben 
sprunghaften Veränderungen, die wir analog berdts bei den 
Scfalachtergebnissen konstatiert haben. So zeigt das Jahr 1902 
geg^n 1901 Abnahme von 8,3 ^/o, 1903 gegen 1902 Zunahme von 
25,6^/0, 1904 gegen 1903 Zunahme von 20,5 <yo und endlidi 1905 
gegen 1904 Abnahme von 19.4%. 

Die Zahl der zugetriebenen Kälber sank entsprechend der 
verminderten Nachfrage nicht unerheblidi. 

Die Bedeutung des Viehhofes für die einzelnen Tierarten 
wird durch einen Vergleich der Auftriebsziffem mit den Schladitz 
ergebnissen illustriert Er ist für Karlsruhe durdiführbar, da die 
Viehausfuhr nicht sehr ins Gewidit fällt 

Wenn wir die im Viehhofe zum Verkauf gestellten Tiere 
mit a, die im Schladithofe getöteten mit b bezeichnen, ergibt sidi 
in den besprochenen Jahren folgendes Verhältnis: 



Großvieh. 



Od 

a 


hten 

b 


Kü 

a 


lie 

b 


a 


ider 

b 


Far 

a 


ren 

b 


14036 


23 786 


«3074 


16 OlO 


«4512 


>• 330 


7535 


8586 



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Die < >rganisaüou des Vieh- und l' leiäcbhandels. 

Kleinvieh. 



33 



Kalber 

a 1 b 


Hnmmel u. Ziegen 

a 1 b 


a 1 b 


Feiliel n. Kitdein 

a 1 b 


[ 

89324 j J05678 


406 


10633 


i»3 747 


»78374 


713 


II 383 



Aus dieser Aulstdlung gdit hervor, daß bd verschiedenen 
Tiersorten noch em erheblicher direkter Verkdir zwischen Produ- 
zent und Metzger unter Ausschaltung des Händlers stattfindet. 
Denn wenn z. B. bei den Ochsen die Auftriebszahl zum Vieh- 
hofe nur 14 036 beträgt, die noch durch die Ausfuhr wieder ab- 
nimmt, während die Schlachtungen die Ziffer 23786 zeigen, so 
muß die Differenz auf anderem Wege als durch den Viehhof 
beschafft worden sein. 

Auch die Kühe, Kälber, Hammel und Ziegen, Ferkel und 
Kitzlein ersteht der Metzger noch vielfach direkt beim Bauern 
der Umgegend. 

Ein völlig anderes Bild zeigt die Zusammenstellung für 
Schweine. Sic gehen, zum großen Teile aus weiterer Entfernung 
stammend, in überwiegender Zahl über den Viehhof und damit 
durch die Hände des Händlers. 

Die Untersuchung über die Herkunftsländer der auf den 
Viehhöfen in Karlsruhe und Mannheim zum Verkaufe gelangenden 
Tiere ist einem besonderen Abschnitte vorbehalten. 

An dieser Stelle wollen wir noch dem Exporte etwas näher 
trdten. 

Die Ausfuhr vom Karlsruher Viehhofe hat erst in neuwer 
Zeit eine bemerkenswertere Ausdehnung angenommen. 

Der Mangel an .schlachtreifen Schweinen in der Umgebung 
Karlsruhes machte sich in letzter Zeit derart fühlbar, daß auch 
die Metzger der umliegenden Ortschaften bei der Deckung ihres 
Bedarfes in erheblichem Maße auf den Viehhof angewiesen waren. 

Aber auch Händler aus dem Elsaß sind bereits regelmäßige 
Piesucher der wöchentlichen Märkte und treten als Aufkäufer 
größerer l'ostcii Schlachtviehes, insbesondere Kühen, auf. Das 
übrige Großvieh, namentlich Rinder, i^cht vor/.ugsweist^ nach den 
Bezirken des Kreises i^aden. nach Riist^itt, lutlingfen, Baden, Bühl 
und iVchern. Für Schweine sind hauptsächlich die Städte Durlach, 

Brandt, Die Flctschvcrsurgnni;. 3 



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34 Abschnitt. 

Ettlingen, Pforzheim, Bruchsal, Stuttgart, Landau und Worms 
Abnehmer. 

Die Ausfuhr gestaltete sich zahlenmäßig wie folgt: 



Jahr 


Großvieh 


Kleinvidi 


Schweine 


Summe 




ohne Sdiweine 




1901 


102; 


142 


4685 


5«54 


1902 


1023 


119 


i77i 


3 


1903 


'053 


330 


4903 




1904 


683 


303 


7528 


8413 


1905 


516 


333 


5546 


6385 



Besonders beachtenswert ist der in den Jahren 1904 und 
1905 erfolgfte, erhebliche RQckgang des ausgeführten Großviehes^ 
während Schweine und das übrige Kldnvidi steigende Ausfuhr- 
Ziffern aufweisen. 

Der Karlsruher Vidihof kann sidi natürlich mit dem jetzt 
zu besprechenden Mannheimer Vi^hofe, was Zahl des aufge- 
triebenen Vi^es und Größe des Versorgungsra}'ons betrifft, nicht 
messen. 

Sdn Schwerpunkt liegt in der Versorgung des Schlachthofes; 
erst in zweiter Unie kommen andere landesteile, aber nur näher- 
liegende, in Betracht 

2. Mannheim. 

Während der Karlsruher Viehhof vom Schlachthofe durch 
eine breite Straße getrennt ist. schHeßt sich derjenige Mannheims 
direkt an die östliche Umfassungsmauer des Sdilachthofes an. 

Die Anlage zerfällt in fünf Teile, nämlich die Rampen- 
anlage mit den Zu- und Abfahrtsgeleisen, die Stallungen, die 
Marktstände, das Verwaltungsgebäude und das für den sogenannten 
»Maimarkt« vorgesehene Gelände; sie bedeckt gleich dem Schlacht- 
hofe eine Hädie von 51000 qm. 

Die in südlicher Richtung gelegene, 172 m lange Rampen- 
anlage steht durch Zufahrtsgeleise mit dem Rangierbahnhofe der 
Grroßh. Staatsdsenbahnen in Verbindung. An «e schließen sich 
die. Entladebuchten 'für Grroßvieh und Kleinvieh sowie die Dfinger- 
stätte an. . 



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Die Organisation des Viek> und Fleiachhandels. 



35 



Die ViebhofstaUungen sind in ihrer Längsriditung senkrecht 
zu den Geleiaen angeordnet, so daß die Zwischenräume eine Fort-' 
Setzung der Entladebuchten und damit natOrlicbe Treibstrafien zu 
den einzelnen Stallungen oder zu dem Marktplatze bilden. 

Die Kleinviehhalle ist je zur Hälfte als Verkaufahalle für 
Kälber und für Schweine gedacht und im Innern in der Längs- 
und Querrichtung mit Durchtriebgängen versehen. Die dnzelnen 
Buchten sind mit Eisengittem umfriedet 

Parallel zur Kldnviehhalle liegen die beiden Großviehställe, 
von denen jeder zehn, voneinander unabhängige und einzeln 
zugängliche EinzelstäUe aufweist Diese Anordnung hat dnmal 
die Anndimlichkeit, daß jeder Viehhändler einen abgetrennten 
Raum besitzt, dann aber audi den weiteren großen Vortdl, daß 
eine etwa ausbrechende Seuche auf ihren Herd beschränkt werden 
kann. Jeder dieser Ställe ist fOr ungefähr 30 Stack Vieh be- 
rechnet, so daß im ganzen rund 600 Stück Unterkunft finden 
können, 

£Me vorstehend besprochenen Hallen sowie der an der 
westlichen Mauer gelegene Pferdestall sind massive und neu 
errichtete Gebäulichkeiten. Ostlich von den Großvidihallen liegen 
dnige weitere Stallungen, welche vom alten Viehhof Überführt 
und restauriert wurden. Sie bestehen aus Holzwerk, sind mit 
Dachpappe oder Falzziegidn gedeckt und spielen bei den jährlichen 
Maimärkten als Eigänzungsbauten eine wichtige Rolle. 

Nordlich vor den massiven Gebäuden liegt der Marktplatz 
mit den Marktständen, östlich davon das bei dem Maimarkte zur 
Vorführung des Crroßviehes dienende Gelände. 

Ersterer weist 26 einzelne» durch Quergänge getrennte 
Stände auf und ist für ungefähr 1000 Stück Großvidi beredmet 
Der wesdich davon gelegene Platz ist zu «ner eventuellen 
Vergrößerung des Marktplatzes vorgesehen. 

Das Verwaltungsgebäude beherrscht durch sdne Lage an 
der Seckenheimer Landstraße sowohl den Eingang zum Vieh- 
ais auch zum Schlachthofe. In dem Erdgeschosse sind die 
Bureauräumlichkeiten für die Abwicklung der Verwaltungs- und 
Kassengeschäfte untergebracht Es liegt, ebenso wie das west- 
lich davon befindliche Restaurationsgebäude» außeifaalb der Um- 
fassungsmauer, welche mit dieser Ausnahme die ganze Vi^- und 
Schladithofanlage umsdiließt 

3' 



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36 



I. Abschnitt. 



Der Maiinheimer Viehhandel wurde erstmalig durch eine 
Vidihof Ordnung im Jahre 1822 auf eine feste Basis gestellt Die 
Anfänge regehnaflig wiederkdurender Viehmärkte gehen jedoch, 
wdter zurflck, lassen sich aber zeididi nicht mehr genau feststellen. 
Vermutlich stellen sie eine Fortbildung des Hausierhandels, der 
im Anfange des vorigen Jahrhunderts sehr ausgedehnt war, dar. 

Auch der Maimarkt ist eine alte Einrichtung. Soweit der 
Handel mit Rindvieh in Frage kommt, konnte er schon im Jahre 
1847 auf ein hunder^ahriges Bestehen zurückblicken, während 
der Fferdemarkt erstmalig in einem Berichte vom Jahre 1839, als 
am ersten Dienstag des Monats Mai stattfindend, angefahrt wird.^ 
In den fdgenden Jahren g^ewinnt dieser immer meihr an Bedeutung 
und vermittelt fOr Süddeutschland, die Schweiz und sogar Italien 
den Bezug der in Oldenburg, Hannover und Mecklenburg 
gezüchteten guten Pferderassen. 

Dagegen gelten die wöchentlichen Märkte, namentlich was 
das zum Verkaufe gestellte Schlachtvieh betraf, eine sehr unter- 
geordnete RoUe, so daB die Mannheimer Metzger auf den Heidel- 
berger Fettviehmarkt angewiesen waren. Diese Vertiältnisse 
besserten sich erst als die Viefamärkte übeiiiaupt infolge der 
Konkurrenz der umliegenden Plätze einzugdien drohten. Da 
schlössen sich die Mannheimer Interessenten zusammen und setzten 
energisch die Abhaltung von eigenem Fettviehmärkten, erstmalig 
im Jahre 1865, durdi. 

Die durch den Ausbau der Eisenbahnen gänzlich verschobene 
Marktlage, die jetzt den Bezug vom Berliner, Hamburger und 
Breslauer Markte gestattete imd oft vorteilhafter als aus der näheren 
Umgebung erscheinen lieB, nötigte in den achtziger Jahren dazu, 
einem Brojelcte bezüglich Verlegung der Viehmärkte auf ein mit 
der Eisenbahn direkt zu verlrindendes Gelände näherzutreten. 
So wurde 1889 der Bau der jetzigen Viehhofanlage an der 
Seckenheimer Landstraße in Angriff genommen und diese am 
16. Januar 1892 dem Betriebe übergeben. 

Der Mannheimer Viehmarkt hat heute eine weit über die 
Grrenzen des Landes hinausgehende Bedeutung erlangt Das 
zeigen auf der einen Seite die sich stetig vergrößernden, bedeutenden 
Umsätze, anderersdts die Wohnorte der auf dem Mannheimer 



> Vei|^. Der Sdibdtt- und Vidihof der HanptitMlt Mannhebn, 1901, S. i. 



Die Organisation des Vieh- und Fleischhandels. 



37 



Markte zusammenkommenden Käufer und Verkäufer. Käufer 
«US Ober-Elsaß, Düsseldorf und Cöln. Verkäufer aus Schleswig- 
Holstein, Mecklenburg, Ostpreußen, Posen und Schlesien sind 
ständige Besucher des Marktes geworden. 

Es ist natOrlicfa, daß die Anhäufung großer Viehmc^en auf 
einem Platze Grefahren bezüglich der Einschleppung und Weiter- 
verbreitung von Seuchen mit rieh bringt, die niu- durch die 
peinliche Beobachtung strenger Kontrollmaßregeln paralysiert 
werden können. 

Beim Ausbruch von Seuchen pflegt üder den betreffenden 
\'tefahof die Sperre veiiiiingt zu werden. Es muß sehr fraglich 
erscheinen, ob hierdurch der beabsichtigte Zweck erreicht wird. 
Erwiesen ist jedenfalls, daß z. B. beim Ausbruch der Maul- und 
Klauenseuche die Weiter\'erbreitung derselben auf das Land durch 
eine derartige "N^erfügung nicht gehindert werden kann. Ja, es 
frägt sich sogar, ob die Sperre nicht mehr schädlich als nützlich 
wirkt. Denn da die Viehhöfe gleichsam ein Sammelbecken für 
die Viehströme darstellen, so fluten diese nach erfolgter Sperre 
gleichsam in zahlreichen Rinnsalen in die benachbarten Orte, 
machen hiermit eine genaue Kontrolle, wie sie nur die Zentra- 
lisieriuig bietet, unmöglich und beschwören recht eigentlich die 
Grefahr herauf, die man hatte vermeiden wollen. Es besteht aller- 
dings die Vorschrift, daß die über einen Viehhof verhängte Sperre 
sofort wieder aufgehoben werden soll, wenn die Tiere geschlachtet 
sind, und nachdem eine grtlndlichc Desinfektion vorgenommen 
worden ist; jedoch ist diese Bestimmung in den einzelnen Bundes- 
staaten oder Bezirken nicht gleichmäßig durchgeführt. Gerade 
die kleinen I^ndmärkte sind es, die in Zeiten einer Seucheng^fahr 
die günstigsten Vorbedingungen für eine Verschleppung erfüllen. 
Sie müßten deshalb in erster Linie geschlossen werden, während 
die Zentralstellen mit ihren wirtschaftlich wie veterinärpolizeilich 
vorzüglichen Einrichtungen in erhöhtem Maße für die Vieli- 
versorgimg der umliegenden Bezirke herangezogen werden sollten. 
Eine derartige Handhabung würde größere Sicherheit für die 
X'iehbestünde und \'ernngerung der A'erluste verbürgen. 

Die in Mannlieim für die Zulassung eines Tieres /.um Vieh- 
markte vorgeschriebenen Bedingungen sind kurz folgende, jedes 
Stück wird vor dem Marktbeginn einer genauen tierär/tliclien 
Untersuchung, die sich auch auf die Maulhöhle erstreckt, unter- 



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^8 



I. Absduiitt. 



worfen. Vieh aus Gemeinden, in welchen die Maul- und Klauen- 
seuche herrscht, ist vom Auftriebe ausgeschlossen. Die Einbringer 
des Viehes mfissen ein tierärztliches Zeugnis vorweisen, in welchem 
bestätigt ist. daß der Herkunftsort des Tieres seuchenfrei ist. 

Nach jedem Markte wird der Viehhof eingehend desinfiziert, 
was durch die mit Cementmortel gedichtete Pflasterung sehr 
erleichtert wird. Durch alle diese Vorkehrungen sind langandauernde 
Sperren, die einen unermeßlichen Schaden mit sich bringen, bisher 
nahezu vermieden worden. 

Sämtliche Viehmärkte müssen auf dorn A'i('hhf)fe abgehalten 
werden; an anderen Orten ist der gewerhsmäßige Handel unter- 
sagt. Der Markt für Schlachtvieh findet jedcMi Montag, für Nutz- 
und Zuchtvieh jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat, 
für Sehweine täglich statt. Auch für die übrigen Tierarten sind 
bestimmte Tage festgesi^tzt. 

Der Heginn und dius Ende d(^r Marktzeiten, inncThalb welcher 
der Verkehr allein stattfinden tlarf, werden durch ( jlockensignale 
angezeigt. Die Au.sladung der mir der Eisenl>ahn iuik<immenden 
Tiere darf nur im Viehhofe erfolgen. Jeder Eigentümer von ein- 
gebrachtem \'ich hat ein bestimmtes, selbst gewähltes /eirhen 
auf dem Bureau eintragen zu lassen, welches durch Haarschnitt, 
Brand, Earbstempel oder dgl. das einzelne Stück kenntlich madit. 
In gleicher Weise haben die Metzger mit den von ihnen ge- 
kauften Tieren zu verfahren. 

Die Marktgebühren betragen an gewj>hnlichen Märkten: 

ffir I Stück Großvieh oder Pferd . . M. 1.20 

» I Scbwdn » — .40 

» I Kalb, Schaf, Ziege » — .20 

» I Lamm. Zickldn, Ferkel ... » — .10 

An den Maimärkten tritt fOr GroBvieh und Pferde eine Er- 
höhung ein. 

Die Marktgebührenscheine sind vor Einbringung des Viehes 
in den Viehhof zu lösen und beim Abtriebe an das Aufsichts- 
personal abzugeben. Die Gesamtzahl der an den einzelnen Markt- 
tagen zum Verkaufe gestellten Tiere wird von der Direktion 
durch Anschlag bekannt gemacht. 

In den folgenden Tabellen ist auch d;is zugeführte Nutzvieh, 
welches auf die Eleischversorgung keinen Einfluß ausübt, berück- 



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Die Organisation des Vieh- und Flcischlundelk^ . '^ .^«»g^ 

siditigt, da hierdurch ein vollständiger Überblick bezflglich der 
ViHchtigktit des Mannheimer Marktes gewahrt wird. 

Es wurden in den Jahren 1901 bis 190.5 aufgetrieben; 



1. Schlachtvieh: Groiiivieh. 



Jahr 


< >chücn 


Fairen 


Kinder 
und 
Kfihe 


Summe 


Pferde 


1901 


aoi6 




50 169 


54508 


1267 


1903 


2428 


24S4 


45 250 


50 132 


1649 




2859 


2020 


42 350 


47 23« 


1868 


I .)04 


2073 




41 647 


45 3M 


2313 


»905 


1775 


1648 


45 298 


4« 721 


t'35« ' 



Kleinvieh. 



Jahr 


K;ill>rt 




Schafe 




Zirkle in 


F.Tkel 


Summe 


1901 


27 (.32 


«S .S7f» 


4073 


522 


4<>3 


12 410 


I ^0 ()yO 


1902 


27 133 


74 429 


3709 




217 


14837 


120 908 


1903 


25069 


104626 


3476 


602 


392 


"7 4«9 


151 <»54 


1904 


2478» 


121 114 


2858 


684 


772 


16311 


166 521 


1905 


25 547 


98 179 


337« 


879 


93« 


14946 


143 853 



2. Nut/ VI* oh. 



Jahr 


ZuchUarren 


Milchkflhe 


1 Ltt3UU]>(erdc 


Arbeitspferde 


1901 




3if»3 


343 


2-8f> 


1 1>02 




20<)0 


37<'' 


3 • 5 « 


1903 




2130 


473 


3088 


1901 


41 


i»75 


507 


24*«7 


«905 


43 


1687 


1 


,,,, 1 



' In «loni Bnichte für das Jahr KjO-; ist eine Unlerschoiilmig zwischen Taixns-, 
Arbeits- und Schlachtpfcrden nicht mehr gemacht. Obige Zahl bezieht sich daher auf 
alle drm Arten von Pferden. 



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40 



I. Abtdmitt 



Die vorstehenden Ziffern zeigen die schon bei den Scfalacfat- 
ergebnissen hervorgehobene Tatsache, daß das Angebot in den 
wertvolleren Tierarten, besonders Ochsen und Kälbern, nachge- 
lassen hat, tcite infolge des eingetretenen Vichmangels, teOs aber 
audi infolge der aus ökonomischen Grründen nachlassenden 
Nachfrage. 

Dagegen beträgt die Zunahme der aufgetriebenen Schlacht- 
pfade im Jahre 1904 gegen 1901 fast ioo°/o. 

Aufierordendich unregelmäßig ist auch hier das Schweine- 
angebot, als dessen natürliche und genau den einzelnen Jahren 
sich anpassende Folge die wechselnden Schladitresultate sich 
^"gaben. 

Die Zufuhr zu den Märkten erfolgt zum weitaus größten 
Teile mit der Bahn, nur die aus der n^eren Umgebung stam- 
menden Tiere gdangen mit Wagen oder zu Fuß zum Markte. 
So hatte z. B. im Jahre 1905 von den aufgetriebenen 200662 
Tieren die Eisenbahn 161 773 Stück befördert. 

Aber auch bei der Ausfuhr der verkauften Tiere spielt die 
Eisenbahn, sowdt entferntere I^ndesteile in Frage kommen, die 
Hauptrolle, während der Abtrieb in die nähere Umgebung Mann- 
hdms, aber auch in die umliegenden Gebiete, vornehmlich die 
Rheinpfalz und Hessen, meist zu Fuß erfolgt 

Daß Ludwigshafen mangels eines eigenen Viehmarktes in 
hohem Grade auf seine Schwesterstadt bezüglich des zu be- 
schaffenden Scfalachtvidics angewiesen ist, wurde bereits er- 
wähnt. 

Mit der Bahn wurden ausj^efOhrt: 



Jahr 


GroUvieh 


Pferde 


K&lber 


Schweine 


Schafe 


Ziegen 


Ferkel 


Summe 


190 1 




1168 


439 


7 999 


2 






39 136 


190: 


25 333 


I4«5 


350 


9 823 








36990 


»903 


26 794 


1900 


90 


31843 


54 






50695 


i«>04 


28 






V 

22 5(14 






50 ()H<> 


»905 


30 970 




MO33 






45009 



Davon entfielen z. B. auf die wichtigeren I^andesteile: 



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Die Orgpnteaticm de» Vidi- und FldadihMideb. 





9tUUtll«j 


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42 



I. Abtdmitt. 



Die Masse des Großviehes geht nach den übrigen Teilen 
Badens, dann nach Hessen, der Rheinpfalz und besonders nach 
Elsaß-Lothringen; für Schweine ist Hessen, dann Württemberg 
tind vonsOglich die Rheinpfalz Abndimer. Schlachtpferde werden 
in größerer Zahl nach der Rheinprovinz mit sdner starken Fabrik- 
bevolkerung angeführt. 

Auf^end ist der starke Export in Kleinvieh nach der 
Schweiz im Jahre 1904, während er in den Jahren 1902 und 1903 
gar nicht, 1901 nur in nicht erheblichem Maße far Großvieh in 
Betracht kommt. 

Der Mannheimer Kälbermarkt hat dagegen nur rein lokale 
Bedeutung. 

Wenn auch die Ausfuhr, entsprechend dem geringeren Auf- 
triebe, der auf den allgemeinen Vidmiangel zurfickzufohren ist, 
im Jahre 1905 etwas nachgelassen hat, so zeigen doch die vor- 
stdienden Ziffern, wie wichtig der Viehexport für den Mannheimer 
Markt, ist und wie viele^ zum Teil fem gelegene GelnetsteOe bei 
der Beschaffung ihres Schlachtviehes auf Mannheim zurückgreifen. 
Diese Tatsache gibt überhaupt dem Markte sein Gepräge; dem 
Besucher fallt sofort die große Zahl der fremden Händler und 
Metzger auf, die völh'g regelmäßig dort ihre Bestände absetzen 
bzw. den Bedarf decken. 

Der Mannheimer Viefamarkt hat in den letzten drd Jahr- 
zehnten eine Entwicklung durchgemacht, die, auch unt^ Berück- 
sichtigung des starken Anwadisens der Bevölkerung, als außer- 
ordentlich gelten darf. Hat sidi dodi der Umsatz 1905 im Ver- 
gleiche zu dem des Jahres 1879 metur als vervierfacht Eine 
bedeutende Steigerung des Handelsvo'kehrs trat besonders vom 
Jahre 1892 ab als Folge der neuen mit der Bahn verbundenen 
Viehhofemk^ dn. 

3. Kapitel. 
Die Fleischbeschau und die Freibänke. 

Unter Fleischbeschau im weitesten Sinne verstdit man die 
sachverständige Begutachtung der lebenden Sphlachttiere sowie 
des Fleisches der geschlachteten Tiere, femer die Überwachung 
der öffentlichen Fleischmärkte, der privaten Fleischverkaufstätten 
sowie sämtlicher, hierher gdiöriger gewerblicher Betriebe. 



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Die Organisation des Vieh» und Fleuchlundets. 



43 



Der hauptsächlichste, durch die Fleisdibeschau angestrebte 
Zweck ist der, das zum Genüsse bestimmte Fleisch, bevor es in 
den freien Verleb gdangt, auf Krankheitsstoffe zu untersuchen 
und dadurch den andemfalles der menschlichen Gesundheit 
drohenden Gefahren vorzubeugen. 

Eine derartige Untersuchung ist uralt 

In Deuschland waren es die Städte, wdche zuerst die Fleisch- 
beschau regelten, so z. B. Freiburg i. B. schon im Jahre 1120^. 

Später übten dann in mdir oder minder glücklicher Weise 
die Staaten eine gewisse Kontrolle aus, die in Süddeutschland 
dne umfassende und mustergültige war. In Baden war bis zum 
Erlasse des Reichsgesetzes die Verordnung vom 26. November 
1878 in Kraft. 

Die Regelung der Fleischbeschau in den einzelnen Bundes- 
staaten war jedoch eine so bunte und qualitativ verschiedene, und 
die sidi daraus bdm Übergange des Fleisches von einem Staate 
zum anderen ergebenden Schwierigkeiten so große, daß ^e ein- 
hetiUcfae Durchführung für das ganze Reidi, wie sie durch Ge- 
setz vom 3. Juni 1900 geschaffen wurde, einem allseitig gi^egten 
Wunsche entsprach. 

Deutschland hat sich dadurch, was die sachgemäße Kon- 
trolle der Fleischnahrung betrifft, an die Spitze aller Kulturstaaten 
gestellt 

Für Baden und Bayern liegt die Bedeutung dieses Gesetzes 
hauptsächlidi darin, daß mit dem Inkrafttreten desselben auch 
das Auslandfleisch zur Untersuchung herangezogen wird. Früher 
entging es derselben in den allermeisten Fällen, sei es, daß die 
landesherrlichen Verordnungen nicht ausreichten, sei es, daß das 
Ursprungsland überhaupt nicht festzustdlen war. 

Ergänzt wird das Reichsgesetz durch die bundesrätlichen 
AÜsführungsbestimmungen A und D sowie durch die Vollzugs- 
verordnungen der einzelnen Landesregierungen. Für die Städte 
mit Schlachtzwang treten noch ortspolizcilidic, die konkreten Ver- 
bältmsse r^ielnde Vorschriften hinzu. 

Die für die Fleisdibeschau in Frage kommenden, allgemeinen 
Bestimmungen sind kurz folgende: 



* Vcrgl. Der Imdischc Fleiiichbescbaucr von F. Ilafiicr und F. Baycisdürfer, 
Kailsnihe i^^. 



44 



I. Abschnitt. 



Alle Schlachtdere, wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, 
Pferde und Hunde sind auf ihre Genu6tauglichkeit hin einer 
Untersuchung zu untmverfen; dieselbe hat sich sowohl auf das 
lebende (»Schlachtviehbeschau«) als auch auf das getötete Tier 
(»Fleischbcsschau«) zu erstrecken. Als eine weitere Ergänzung 
tritt eine zu bestimmten Zeiten vorzunehmende, unvermutete 
Revision der Metzgerladen und Marktstande (»Außerordentliche 
Fleischbeschau«) hinzu. Bei Notschlachtungen, also in Fällen, wo 
ein rasches Verenden des Tieres zu befOrchten ist oder wo in- 
folge Unglfickslalles die sofortige Tötung geboten erscheint, darf 
die Schlacfatvi^beschau unterbleiben. Ausgenommen von jeder 
Untersudiung sind die im eigenen Hause geschlachteten imd nur 
fCkr den Haushalt^ bestimmten Tiere, sofemc sich kdne Merkmale 
zeigen, welche auf eine die Genußtauglichkdt ausschließende Er- 
krankung hinweisen. Diese Bestimmung wird von vielen Fach- 
leuten als nicht sehr zweckmäßig bezeichnet. Denn sie setzt bei 
dem Tierbesitzer eine Beurteilungsfähigkeit voraus, wie sie nur 
der Tierarzt haben kann, und birgt eine Gefahr auch für andere, 
mit dem Besitzer und seinen Angdiörigen in einem Haushalte 
lebende Personen, wie Dienstboten und Angestellte, in sich. 

Das (iost'tz unUM-s{*heidt't bezüglich der (ienußtauglichkeit drei 
Arten von Fleisch: taugliches, bedingt taugliches und untaugliches 
J-"leisch. Als Unterart tritt noch das zwar zum (rcnusse für 
Menschen taugliche, jedoch in seinem Xahrungs- und (ienußw crte 
erheblich herabgesetzte ( minderwertige ) Fleisch hinzu. Die 
RegeUuig d<'s Verkehres mit letzterem ist landesrechtlichen \'or- 
schrifteii überlassen. 

Uber die weilere liehandlung des beanstandeten, also (les 
Ijedingt tauglichen unti des iintiiuglit lien l-'"leisches, steht der Polizei- 
beh(»rde die Entscheidung zu. Krsteres, gewöhnlich von tuber- 
kulf'^sen und finnigen l'ieren stammend, wird einem bestimnilen 
Prozesse. ent\ved<M- einer durch Dampf erzeugten Erhitzung \ on 
mindestens loo" oder einer einundzwanziij Tage währenden 1 )urch- 
kühlune im Kühlhausc unterworfen und alsdann für die Freibank 
freigegeben. 

' L>K- Bcu-icbc der Hoteliers, Pciiäiuusiultiibcr usw. füllen ini Sitinc des üe- 
lebsos nicht unter den B^;rtff des ebenen Haudisltei. 



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Die Organisation des Vieh- und Fleischhandels. 



45 



Die bezflglicfa ihrer Genußtauglicfakeit verschiedenen Arten 
des Fleisches werden mittels besonderer Farbstempel gekenn- 
zachnet. 

Besonders sorgfältig ist die Einfuhr von aus dem Auslande 
stammenden frischem und zubereitetem Fleische — soweit über- 
haupt gestattet — geregelt Die hierfOr maßgebenden Vorschriften 
sind in den bundesrätlichen AusfOhrungsbetimmungen D zum 
Reichsgesetze vom 3. Juni 1900 enüialten. 

Als frisches Fldsch ist darnach solches Fleisch anzusehen, 
welches, abgesehen von einem etwaigen Kühlverfahren, einer auf 
die Haltbarkeit einwirkenden Behandlung nicht unterworfen worden 
ist oder eine derartige Prozedur durchgemacht hat, ohne die 
wesentlichen Eigenschaften frischen Fleisches verloren zu haben. 
Insbesondere gehen diese Merkmale nicht verloren durch Gefrieren, 
Austrocknen, durch einfaches Räuchern, Einlegen in Esng 
Einhüllung in Fett oder Gelatine oder durch oberflächliche Be- 
handlung mit Konservierungsmitteln, wie Salz, Zucker und ähn- 
lichen Stoffen. 

Derartiges Fleisch darf nur in ganzen Tierk6rpem, die bei 
Rindern (mit Ausnahme der Kälber) und bei Schweinen in Hälften 
zerlegt sein können, eingeführt werden. Brust, Bauchfell, Lunge, 
Herz und Nieren müssen mit dem Körper organisch verbunden sein. 

Als zubereitet gilt dasjenige Fleisch, weldies einer Pökelnng, 
wozu auch starke Salzung zu rechnen ist, hohen Hitzegraden 
oder einer sonstigen Behandlung, durch welche die Eigenschaften 
frischen Fleisches verloren gingen, unterworfen worden ist 

Die Einfuhr von ausländischem Fleisch in das Zollinland 
darf nur über bestimmte ZoUänder erfolgen. Die Untersuchungs- 
stellen in Karlsruhe und Mannheim entfalten insbesondere auf 
dem Gebiete der in großen Quantitäten eingeführten amerkanisdien 
Därme eine rege Tätigkdt 

Die praktisdie Durchführung der obligatorischen Fleisch- 
beschau wird sich in größeren Gemeinwesen verschieden von 
der auf dem platten Lande gestalten. Auf dem Lande ist sie, 
soweit Tierärzte nicht vorhanden sind, zuverlässigen Personen 
übertragen, weldie sich an größeren, dazu eigens bestimmten 
Schlachthöfen cUe nötigen Vorkenntnisse erworben haben. An 
den Schlachthöfen in Karlsruhe und Mannheim sind besondere 
Unterrichtskurse unter Leitung, der daselbst angestellten Tleräizte 



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46 



I. Abschuill. 



zur Ausbildung dieser sogenannten »Laienfleischbeschauer« ein- 
gerichtet. Nach den bisher gemachten Erfahrungen hat sich 
diese Einrichtung durchaus bewährt. 

In den Städten mit Schlachtzwang ist die Ausübung der 
Fleischbeschau naturgemäß dem Schlachthofe unterstellt und durch 
besondere Vorschriften geregelt. Die Sdilachtviehbeschau der 
angetriebenen Tiere wird täglich durch den Tierarzt vorgenommen. 
Krankes Vi^ ist von der Schlachtung ausgeschlossen und wird 
dem Polizeischlachthofe fiberwiesen; solches« bei welchem der 
Verdacht einer fibertragbaren Seuche vorliegt, wird unter besonderen 
VorsiditsmaBregeln, wdche die Berfihrung mit anderen gesunden 
Tieren verhfiten, der Polizei zur Verfügung gestellt.— Nach erfolgter 
Tötung wird der Tierk(Vrper sowie Blut und Eingeweide auf 
krankhafte Veränderungen untersucht und zwar wieder durch die 
Tierärzte, welche sich. in die einzelnen Schladithallen teilen. Bei 
beanstandeten Tieren hat der erste Tierarzt die Beschau vorzunehmen 
und die endgiltige Entscheidung fifaer die Genufttauglicfakeit zu 
treffen. Das gesunde Fleisch wird ffir den Verkauf freigegeben, 
über die beanstandeten ganzen Tierkörper und einzelnen Organe 
verfügt die Polizeibeliörde. 

Bezüglich der Einfuhr inländischen Fleisches in die einzelnen 
(Tomeinden weisen Baden und Bayern eine bemerkenswerte Ab- 
weichung von den preußisc:hen Bestimmungen auf. In Preußen ist 
nämlich das IVinzip der Freizügigkeit des Fleisches aufgestellt, d. h. 
frisches l'leisrh. \v(^lches bereits einer amtlichen Untersuchung^ durch 
approbierte Tierärzte unterworfen wurde, ist von einer abermaligen 
Kontrolle in anderen (ienieindeii, aueh solchen mit Schlachthaus- 
zwang, befreit, es sei denn, dal) die Besthau einer vermutlichen 
gesundheitsscliädlichen X'eränderung wegen vorgenommen wird. 
Auch in letzterem I-'alle dürfen keine (jebührcMi erhoben werd(Mi. 
F.s ist natürlich, dali dureh diese Anordnung den (xemeindcn mit 
eigeneti Schlachthöfen ein großer Schaden in finanzieller, alxr 
auch in hygienischer llinsi( ht (Mitsteht, der in Baden und Bayern 
vermieden ist. Hier machen die demeinden die Einfuhr frischen 
lnlandfleisch(\s neben speziellen Bestimmungen von der gebühren- 
pflichtigen Untersuchung abhängig, die ihnen einerseits eine ziem- 
lich erhebliche Kinnahme sichert und sie andererseits vor einer 
I^berschwemmung mit auswärts geschlachtetem, durchaus nicht 
immer einwiuidfreiem Fleische bewahrt. 



Die Oi^nisation des Vieh- und Flcischhandels. 



47 



Eine Übersicht Ober die Ergebnisse der Fleischbeschau für 
unsere drei Städte in den Jahren 1901 bis 1905 gewähren fol- 
gende Tabellen: 



Karlsruhe. 





Zahl der 


Davon 


waren 


Beans^Adungen 


Jahr 


.Scblachtnngen 
ohne Pferd • 










licclin^l tauglidi 
u. nündci wcrt^ 


uaeeiueBhar 


Stack 




lOOI 


70 602 


2»3 


52 


265 


0.37 


1902 


107 


290,5 


45 


33S.5 


0,49 


1903 






47 




0.50 


1904 






<»2,5 




0.45 


»905 




33-'"5 


<K),5 


4'i.25 


0.55 


^^^^ 




Mannheim. 








Zahl der 


Davon 


waren 


Beanstandungen 


Jahr 


Schlachtungen 
ohne Pferde 










bedingt tauglich 
u. minderwertig 


ungenießbar 


StCkk 






101 012 


383 


130 


412 


040 


• 1902 


91 564 


218 


109 


327 


<V35 


1903 


99136 


287 


»33 


420 


042 


190 J 


10<) 2 >,2 








0.50 


»903 


1U2 OH 


508 

Ludwig 


shafen. 




0,68 




/ai)l (l'.-l 


Davon 


waren 


Beanstandungen 


Jahr 


Schl.iLhuin;,'cn 










bedii^t uuglidi 


11 nv • ' 1 ■ 1 ■('! ... I 






lyoi 


32 5 '4 


224 


18 


242 




1902 


27 980 


212 


22 


*34 


Ü.83 


1903 


30796 


250 


26 


276 


0,89 


1904 


33 797 


»75 


3« 


306 


, O»0O 


«905 


30462 


»74 


24 


198 





I. AbttdiDitt. 



An einzelnen Organen, vorzugsweise Lungen, Lebern, Mägen 
usw. wurden z. B. im Jahre 1 905 beanstandet: in Karlsruhe St. 1 2 283 
Mannheim St 6245, Ludwigshafen St. 1439. 

Die im allgemeinen steigende Anzahl der Beanstandungen 
ist auf die verschärfte Handhabung der Unta*suchungen zurück- 
zuführen. 

Be,sonders häufig tritt die Tuberkulose als Krankheitsursache 
auf, und zwar vornehmlich bei den Kflhen und dem übrigen 
Rindvieh, weniger bei Schweinen. So waren z. B. in Karls- 
ruhe 1905 43,3 "/o der geschlachteten Kühe, 21,3% des überhaupt 
geschlachteten Rindviehs, der Schweine tuberkulös. Mit 

Finnen waren i ,32 % der Rinder behaftet. Dag(;gen treten Trichinen, 
die besonders gefährlich für den menschlichen Organismus sind, 
nur noch höchst .stalten auf. 

Aus den vorstehenden Zahlen geht hervor, daf^ der durch 
die Beanstandungen entstehende Verlust nicht uncThcblich ist; er 
muß natürlich aus volkswirtschafüichcm und pri\'atem Interesse 
durch anderweitige Verwendung des nicht einwandfreien J^leisches 
möglichst reduziert werden. Die konfiszierten Tiere werden zu 
Fischfutter, Düngermehl und drefl. \ erarbeilet, die Verwertung des 
nicht einwandfreien, aber unschädlichen I'leisches vermittelt eine 
eigens zu diesem Zwecke geschaffent> Einrichtung, die hYeibank. 
Sie bildet ein wichtiges Glied in der ( )riiani,sation des h leisch- 
handels und erfüllt nach drei Richtun^'en eine wirtschaftliche 
l'unktion. Einmal führt die hVeibank den dem Besitzer bezw. 
X'orbesitzer durch dii* Beanstandung' eines Tieres entsu iienden 
\'erlust iiuf ein Mindestmaß zurück, indem sie th"e bestniDtrhrhstc 
Verwertung des nicht bank\vürdig(Mi bk^isches garantiert, h'erner 
schützt sie die Interessen des konsumienMidcm Pul)Hkums dadurch, 
daß derartiges im (i(mußwerte herabgesetztes hknseh nicht zu 
ln^hcMi Preisen in den fn^'en Verkehr gelangen kann, und drittens 
ermöglicht si<* auch der ärmeren Bev()lkerung di^n Bezug von 
billigem, wenn auch nicht erstklassigem Fleisch. 

Die Erwägung aller dieser Vorteile hat schon vor geraumer 
Zeit in Baden. Ba\'ern, Württemberg. Hessen und Elsaß-Lothringen 
zur Errichtung von Freibänken an .sämtHchen Schlachthöfen ge- 
führt. Auch die meisten Schlachthofe in Xorddeut-schland besitzen 
bVeibänke. \Venn auch nicht zu verkennen ist, daß diese dem 
Mctzgcrgewerbe einen gewissen xVbbruch tun, so dringt doch bei 



Die OfjpiiüaUon des Vieh- und Fleiscbbaadels. 



49 



Metzgem und Landwirten immer mehr die Erkenntnis von der 
höhen Bedeutung derartiger Institutionen durch« 

NatQrlich müssen gewisse Kauteln geschaffen sein, die ver- 
hindern, daß die Freibank ihrem eigentlidien Zwecke entfremdet 
wird Hio'her gehören einmal die Bestimmung, daß das Frei- 
bankfleisdi nur in kleinen Mengen und nidit an gewerbsmäßige 
Verarbeiter oder Handler abgegeben wird, andererseits Maßregdn, 
welche verhüten, daß die Freibank geradezu ein Stape^latz für 
minderw^ges, vielfach von auswdrts eingeführtes Fleisch bildet. 
Eine derartige unerwünschte Entwicklung in letzterer Richtung 
war in Mannheim im Jahre 1882 zu beobaditen. Die Mannheimer 
Freibank war damals als einziges derartiges Institut in wdtem 
Umkreise mit unbankwürdigem auswärtigem Fleische geradezu 
überlastet Infolgedessen bestimmte eine ortspolizdliche Vorschrift 
vom 30. Juni 1882, daß für die Zukunft nur das Fleisch von im 
dortigen Schladithof getöteten Tieren auf der Freibank fcügeboteii 
werden dürfe. Durch Erlaß des Großh. Ministeriums des Innern 
wurde alsdann diese Bestimmung im Jahre 1886 wieder aufgehoben. 

Die Frequenz der Freibänke in den letzten Jahren^ liefert ein 
sehr bezeichnendes Moment für die Beurt^ung der Gestaltung der 
Fleischversorgung und der Wichtigkeit, die einer derartigen Einrich- 
tung bezüglich der Fleischemährung der unteren Klassen zukommt. 

Zur Veranschaulichung sei nur der Umsatz auf der Karls- 
ruher Freibank in den bisher betrachteten Jahren aufgeführt. Es 
wurden in Kilogramm verkauft: 



Jahr 


Ochsen- 
fleisch 


Rind- 
fldacfa 


Kuh- 
fleisch 


Farren- 
fleisdi 


Kalb- 
fleisch 


Hanniel- 

fleisdi 


Schwell] e- 
fleisch 


Kitslein- 
fleisch 


Summe 


1901 


3»40 


1065 


19773 


861 


498 


»5 


3860 




29 282 


1903 


5335 


3253 


25 021 


4570 


291 


68 


6116 


3S 


44589 


1903 


3295 


1580 


28 178 


1561 


991 


176 


8534 


32 


44 347 


1904 


•293 


1838 


27 077 


2302 


746 


114 


9131 


3' 


42 532 


•905 


4309 


2364 


30751 


4365 


657 


170 


52*7 


82 


47925 



Diese Ziffern reden für sich selbst. 



* So ist X. B. im Berichte des Karlsniher Vieh- und Sdllachthofcs vom Jahre 
1905 zu lesen: -TAry charakteristisches Merkmal tler Fleischteuenmg nnd der Fletschnot 
bildete die außerordentlich starke Frequenz der Freibank im vcrllosscnen Betriebsjahr. 
Der Andrang des Pablikums war zeitweilig so stark, dal! truu Ausgabe von Marken 
mehrere Beamte nir Anfiechterhaltw^ der Ordnung aufgestelit werden mufiten.« 

Brandt, IX» FleiwbvenorKiiBf. 4 



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59 



1. Akxschuitl. 



An allen Freibänken konnte man in den letzten Jahren die 
gleiche Beobachtung machen: daß einerseits infolge der durch die 
Verteuerung aller Lebensmittel verminderten Kaufkraft der Be- 
völkerung im Gegensatze zu früher nur ganz kleine Quantitäten 
gekauft wurden, und daß andererseits eine Verschiebung in der 
Zusammensetzung des Freibankpublikums insoferne stattgefunden 
hatte, al$> sich zu der ursprünglidi allein dominierenden Arbeiter- 
bevölkerung auch niedere und mittlere Beamte als Käufer gesellten. 



4. Kapitel. 
Die Schlachtvi^versicherungen. 

Wie das vorhergehende Kapitel gezeigt hat, bringt die 
strenge Handhabung der obligatorischen Fleischbeschau füar den 
Besitzer bzw. Vorbesitzer der beanstandeten Tiere wirtschaftliche 
Nachteile mit sich, die durch die Einrichtung von Freibänken 
und durch die technische Verwendung des genußuntauglichen 
Fleisches wohl gemildert, aber nicht völlig aufgehoben werden. 
In dieser Richtung soHen nun die Schlachtviehverstcherungen 
wirken, indem sie die verbleibenden A^'erlustc auf die Gesamtheit 
der Interessenten verteilen und damit dem einzelnen weniger 
fühlbar machen. Voraussetzung dabei ist natürlich, daß nur der 
wirkliche Schaden ersetzt wird und nicht etwa eine zu günstige 
Rückvergütung, eine Bereicherung des einzelnen auf Kosten der 
übrigen Beisteuernden eintritt 

Versicherungsgesellschaften, welche den versicherten Vieh- 
besitzer bei einem durch Unfall oder Krankheit entstehenden 
Veriustc entschädigten, wurden bereits in größerer Anzahl vor 
Jahrzehnten begründet Die älteste derartige Gresellschaft verdankt 
ihr Entstehen der Initiative Friedrichs des Großen (1765).^ Sic 
sollte vor allen Dingen die Landwirte gegen die durch Ein- 
schleppLing der Rinderpest entstandenen Schäden schützen. 

Dagegen sind die Sditachtviehversicherungen durchaus 
modernen Ursprungs und erst mit der Einführung der obligato- 
rischen Fleischbeschau zu einer Lebensfrage für die Interessenten 



^ Sdnrarz, a.a.O. S. 419. 



Die Orgauiüation des Vieh« und Fieiscbhandels. 

geworden. Die Vorteile sind, abgesehen von dem oben erwähnten, 
in zwei Punkten zusammenzufassen, in der Verbilligung der Vidi* 
preise und in der Garantie, daß die Wirkung der Fleischbeschau 
nicht durch unredliche Manipulationen teilweise illusorisch gemacht 
wird. Denn einmal wird das Angebot an Orten, wo eine Ver- 
sicherung besteht, von selten der Landwirte in verstärktem Mafie 
und zu ermäßigften Freisen erfolgen, da sie dort keinen Rückgriff 
bei eventueller Beanstandung des Tieres zu befürchten haben, 
und auf der anderen Seite wird jedes Interesse, die Fldsdi- 
beschau zu umgehen und verdächtige Tiere zu besdtigen, völlig 
fortfallen. 

Von der \ oii mancher Seile als Ideal hitii^estelltcn Rej^eluniiif 
der SchlaclitvichvcrsieheruniL;' - nämlich durch Reichsgesetz und 
mit Ri'ichszuschul) • sind wir tmiz mehrfacher ^Vnlaufc noch 
weit entfernt. Ks ist aber auch sehr frat^lich, ob eine derartige 
staatliche Durchführung, bei der gerade die Städte mit guten 
A'iehqualitäten und deshalb prozentual geringeren Beanstandungen 
finanziell den Kürzeren ziehen müliu n. das Ideal darstellen würde. 

Derartige staatlichem \'crsich<'riuig(.'n . wie sie für das ganze 
Reich A-orgeschlagen sind, besitzen Sachsen (durch dcsctz \om 
2. juni 1898, in Kraft seit dem 1. Mai 1900), Schwarzburg- 
vSondershauson, Keul'» ä. und Reuß j. Auf die \'(Thältnisse 
in l^adf-n und Bayern sei, da uns vorzugsweise interessierend, 
etwas näher eingegangen. 

In Baden ist es den Gemeinden durch Gresetz vom 

12. Juli 

ermöglicht, ihre Rindviehbestände in Orts- und Verbandsvereinen 
zu versichern. Sobald eine Gemeinde die Errichtung einer Orts- 
versicherungsanstalt beschlossen hat, muß jedes Stück Rindvieh 
versichert werden. Schließen sich mehrere Ortschaften zu einem 
Verbände zusammen, so entfällt nur ^4 des Schadens auf die be- 
troffene (jrcmcinde, während die übrigen 3/4 auf alle zum Verbände 
gehörigen Anstalten verteilt werden. In diesem Falle kommt auch 
die für unsere Zwecke wichtige Bestimmung zur Geltung, daß 
nicht nur Ersatz für umgestandenes ^'ieh, sondern auch für .solches 
Fleisch gewährt wird, welches polizeilich beanstandet wurde. T>ie 
Staatskasse hat zur Gründung der Viehvensicherungsverbändt* einen 
Zuschuß von M. 200000 geleistet. Die.se Einrichtung hat einen 
im Eaufe der Jahre steigenden Anklang gefunden, der sich am 

4* 



52 



I. Abschnitt. 



besten aus der wadisenden Zahl der Ortsanstalten, die dem 
Badischen Viehversidierungsvcrbande beitraten, ergibt Es waren 
in diesem Verbände vereinigt 



Jahr 


Zahl <1m> 

Ort>v«rsich.- 
AnsUlten 


Venidierte 
Tiere 


V'crsichci unji»- 
wert 


Ausgezahlte 

Kni- 
schücliyii Ilgen 


in »Yo 
des gesamten 
Ver».-Werte» 




8; 


2') 2a I 


f> 202 400 


133 904.22 


2.16 


i8q(» 


119 


44 4<jr 


1 1 979 180 


278 83<S.42 


-.33 




»85 


(.2 832 


18 098 925 


349 t»5.v'>- 


1.87 


1901 


236 


"4 ^77 


22 717 215 


SOO 253,87 


2,20 


1902 


258 


80 523 


25 t>93 745 


4X2 271, 2(. 


1.88 


1904 


321 


10; 81 1 


35 865 620 


«^77 73^54 


1,89 



Bayern hat durch Gesetz vom 11. Mai 1896 die Möglichkeit 
zur Versicherung gegen Verluste durch Tod und Notscfalachtung 
von Rindern und Ziegen sowie durch Beanstandung des Fleische» 
geschlachteter Tiere geschaffen, und zwar in Form einer öffent- 
lichen Versicherungsanstalt auf Gregenseitigkeit. wobei das Moment 
irgend welchen Zwanges ganz bei Seite gelassen ist Die cinz^en 
Goneinden können einen Ortsviehversicherungsverband gründen 
und bei Annahme des Normalstatutes dem Landesverbände, dessen 
Verwaltung unter staaücher Kontrolle steht, angegliedert werden. 
Der Staat leistet eine jährliche Beihilfe von früher M. 40000, jetzt 
M. 100000 imd hat das Stammkapital im Betrage von M. 500000 
aufgebracht 

Diese Einriditungcn haben sich als angemessen erwiesen, 
jedoch wäre zur völligen Erreichung des erstrebten Zieles die 
obligatorische Versicherung jedes Viehbesitzers wünsdienswert 

In manchen Tdlen DeutschlaiMls, welche keine staatlichen 
Versicherungen besitzen, sind örtliche Versicfaerungskassen be-, 
gründet, und zwar derart, daß entweder die Kommune die Ver- 
waltung innehat und jedem auf dem städtischen Schlachthofe 
Schlachtenden die Versicherung seines Viehes ermöglicht oder 



' Jahrasberkbt fflr 1904 des Badisdien ViehversidieningsverbaiKles. 



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Die Organisation des Vieh- und Flcischhandclä. 



53 



indein die Interessenten sich in einran gemeinsame Voiaidierungs- 
vereine, sei es als Gesellschaft auf (Tegenseitigkcit oder als Ge- 
nossenschaft, zusammengeschlossen haben. AktiengeseUschalten, 
bd welchen naturgemäß das Erwerbsinteresse in den Vordergrund 
tritt und der Abschluß der Versichenmg, sowie die Abwicklung 
der Schadensansprache mit Weitläufigkeiten verknüpft sind, 
kommen weniger in Frage. 

Derartige örtliche Versicfaenings\ erbände sind aber auch in 
lodern mit staadichcr Versidierung nicht mehr zu entbehren, 
da der Viehhandcl die früheren engen Grenzen durchbrochen hat 
Sie werden um so notwendiger, je mehr entfernte I^des- und 
Erdteile im Welthandel zur Versorgung des Marktes herangezugen 
werden. Hierzu kommt nodi die Tatsache, daß das Währscfaafts- 
gesetz, nach welchem bei Beanstandung dem Metzger das Recht 
des Rückgriffes auf den Händler und diesem auf den Landwirt 
zusteht, heute teilweise illusorisch gemacht ist Denn bei den 
heutigen, dem Produzenten so günstigen Verhältnissen lehnt dieser 
beim Abschluß des Handels die Währschaft rundwc g ab, und diesem 
Beispiele wird dann der Händler natürlidierweise folgen. So finden 
wir heute in allen grAßoren Städten Interessentenvereinigungen, 
welche für ihren begrenzten Kreis die Scfalachtviehversicherung 
durchfOhrmi. 

In Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen haben die Metzger- 
innungsverbände die Versicherung in die Wege geleitet. Für 
Kleinvieh leisten die Händler Währschaft, ohne sich jedoch ihrer- 
seits wieder durch VtTeinig\uig gegen den etwa entstehenden 
Schaden zu decken, wie es z. B. die Heidelberger Schweinehändler 
getan haben. Das mag einesteils seinen Grund in dem relativ 
geringen Risiko der Beanstandung von Kleinvieh, Schweine aus- 
genommen, haben, andernteils ist es aber auf die widerstreitenden 
Interessen und Konkurrenzverhältnisse der Händler untereinander 
zurückzuführen. 

An Plätzen wo eine Viehmarktbank besteht — was jedoch 
in keiner unserer Städte der Fall ist — wird diese die gegebene 
Vertreterin der Vereinigung sein. Denn sie kann vermöge ihrcT 
sonstigen Tätigkeit eine umfassende Kontrolle bezüglich der Be- 
folgung der erlassenen \'orschriftcn ausüben und die Versicherung 
mit geringen \'erwaltungskosten durchführen, indem ihr Personal 
die betreffenden laufenden Arbeiten mit übernimmt 



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I. Abschnitt. 

Zur geordneten Durchffihrung der Versicherung und zur 
einigermaßen sicheren Festsetzung der den Schaden deckenden 
Prämien pflegen gewisse Normen die Grundlage zu bilden und in 
allen Statuten derartiger Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit 
wiederzukehren. So vor allem die Bestimmung« daß von den 
Mitgliedern sämtliche versicherungsfähige ScUacfattiere versichert 
werden müssen, und daß die auf Grund der Voruntersudiung als 
krank erkannten sowie die stark abgemagerten Tiere von der 
Versicherung ausgeschlossen sind. 

Der Karlsruher Sch1achtviehver»<dierung, die sich auf Ochsen, 
Farren, Rinder und gutgenährte KOhe erstrockt, gehören sämtiiche 
Innungsmitglieder an; nur (fiese imd sof^ne sie Anlieferer von 
Häuten, Fellen und Fett sind, können der Vereinigung beitreten. 
Das zu versichernde Tier muB ganz oder wenigstens zum Teile 
Eigentum des betreff^den lifitgliedes sein. Für Tiere, welche 
sich im Mitbesitze eines Nichtmitgliedes befinden, ist die volle 
Prämie zu entrichten; jedoch wird im Falle der Beanstandung die 
satzungsgemäße Entschädigung nur für den Anteil des Mitgliedes 
gezahlt. Bei selbstgo^ogenen Schlachttieren oder solchen, deren 
Erwerbspreis den jeweiligen Marktw«t ersidhididi überst^gt, wird 
der Wert vor der Schlachtung durch eine besondere Kommission 
festgesetzt Erfolgt hiergegen binnen 24 Stunden Berufung, so 
entscheidet der Vorstand. Die Versicherung eHischt spätestens 
am achten Tage nach der Anmeldung bzw. mit der Freigabe 
des gcsdilachteten Tieres seitens des amtlichen Fleischbeschauers, 
Der Verein ersetzt außer dem durch amtliche Beanstandung des 
ganzen Tierkörpers oder einzelner Teile bis zu 10 kg entstehenden 
Verlust auch den Schaden, welcher sich durch Verenden eines 
bereits zur Vorsicherung angemddeten Tieres im Schlachthofe 
noch vor d(^r St'hlachtung ergibt, vorausgesetzt, daß nicht grobes 
Verschulden an dem Tode vorliegt. Die Beiträge (Prämien) be- 
tragen, solange der Reservefonds nicht die satzungsgemäße Min- 
desthölie von M. 3000.— erreicht hat, mindestens pro Stück: für 
Ochsen M. 2.—, Farren M. 2.~, Rinder M. 2.—, gutgenälirte 
Kühe M. s-~ 

In Mannheim hatte die Direktion des Schlachthofes bereits 
im Jahre iHq2 den V(^rsuch gemacht, »Mne Viehversicherung ent- 

' Die Schlachlvichveisiihoi unj4 hestolu cT>t >eii Mai ujoO, so dali nähere An- 
gaben über den Gcschäft^.ing nicht zu erlauben waren. 



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Die Organiäutiun des Vieh- und Ficischhandels. 



55 



weder als stftdtiscbes Institut oder im Betriebe dner (TeseOschaft 
zu grOnden. Als Vorbild fOr die erstere Form schwebte die vor- 
zflglicfae kommunale EinridttunsT in Leipzig vor. Jedoch mußte 
das Vorhaben wegen zu geringer Teilnahme fallen gelassen werden. 
So wtnxle die Versicherung durdi zwei Agentaren auswärtiger 
Viehversicherungsvereine ausgeabt, wddie z. B. im Jahre 1901 
pro Woche etwa 120 Tiere in die Versicherung aufnahmen. Diese 
Verhältnisse änderten sich mit einem Schlage, als die Händler des 
Mannheimer Viehmarktes auf Grund dnes Oberdnkommens die 
bisher gegebene Währsdiaft ablehnten und vom 14. September 
1 903 ab Verkäufe von ScUachtvidi nur unter Aussdiluß jeglicher 
Gewährleistung abschlössen. Einige Metzgermdster rieten zu 
Gegenmallregcln , die aber im Hinblick auf die aHgomeine, den 
Metzgern wenig günstige Marktlage kaum am Platze gewesen 
wären. Denn das Angebot in Grofischlachtvidi blieb iünter dem 
Bedarfe zurück und die Prdsc standen auf dner zuvor kaum 
dagewesene Höhe. So cmtsdiloß sich dor Vcnrstand der Metzgar- 
innung, um den durch das Vorgehen der Händler drohenden 
Verlust von dem einzdnen Metzger abzuwenden, zur Einriditung 
dner Schlachtviehversidiming, die am i. Oktober 1903 ihre 
Tätigkeit aufnahm. Am Schlüsse des ersten Gesdiäft^ahres gc- 
hiVrten ihr 130 Mitglieder der Metzgerinnung an. Man machte 
jedoch bald die Wahrnehmung, daß die geschaffene Institution 
den Händlern dazu diente, um in der Gattung >Kühe II. Sorten; 
die schlechtesten Qualitäten zur Versicherung unterzubringen. 
Um dem dadurch natürlich entstehenden Schaden zu entgehc^ii, 
wurde beschlossen, minderwertiges Vieh von der Versicherung 
ganz auszuschließen. Die hauptsächlichsten für den Abschluß der 
Versicherung geltenden Bestimmungen sowie die Prämien * sind 
die gleichen wie in Karlsruhe. Als Entschädigung bei Bean- 
standung(Mi wird gleichfalls der volle Erwerbspreis bzw. der durch 
die Kommission festgesetzte Veracherungswert bezahlt Auch 
in Mannheim können nur Innungsmitglieder und Lieferanten der 
Fettschmelze dem Verdne beitreten. Im Anfange des ersten, vom 
I. Oktober 1903 bis 30. September 1904 laufenden Geschäftsjahres 
untersagte das Großh. Bezirksamt den Weiterbetrieb in der bis- 



' Maniih- im luit» rschcidct nur zwei Sorten von Kühen: .S«»rte I zahlt M. 4.— 
Si>rlc II M. 5.-- i'iamie. 



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56 



1. AbscIinitL 



lu'rigon Weise, weil die X'ersicheruiiyf eine Xebeneinnrhtuiiuf der 
Fleischerinnuno' bilde und deshallj den über die privaten \'er- 
sicherunj?en erlassenen rcirhsgesetzlichen lU stimmunijen nicht ent- 
spräche. Jedoch wurde für die Zeit, in weh ht«r die neuen Sat- 
zungen ausj^f^carbeitel wurilen. die jirovi.sori.sche Weiterführunvf 
gestattet. \'or Schhiß des zweiten (ieschäftsjahn^s 28. Februar 
igo6 erfolgte die Xeukonstituierung des A'ersic herungsxcnMns 
auf (jogenseitigkeit nach Maßgabe der ncnien Statuten. \'on da 
ab fällt diis (xe-schäft-sjahr mit dem Kalenderjahr zusimimen. ]^«Mm 
A'ergleiche der beiden verflossenen Betriebsjahre muß man berück- 
sichtigen, daß dieselben eine ver.schiedene Spanne Zeit umfjissen. 
Das er.ste läuft vom i. Oktober iqo.^ bis 30. September H)0^, das 
zw(Mt«' vom I. Oktober 1904 bis 28. Februar jyoö. Die Ergeb- 
nisse waren folgende: 













K< \viir< 




nsch- 








Versicherte 
Tiere 


Pramien- 
Einnahme 




H'scliau 


ihcrw iocii : 


l'.m-i'ti." 


kligung 


Gattung 


an 


die 


• an die AKdeckt rei 


an 


<li.. 


rrei- 
bank 


gan/.e 
Ticri- 


wcido 


Milglicder 




I 


II 


I 

1 


II 


1 


II 


1 

I 

1 


II 


I 


11 


1 


II 




Stück 


Stück 




./V 


St 


St. 


1 

Ist. 


St. 


.M 


. // 


. // 


.// 


Ochsen . . 


5540 


7543 


1 1 080 


IS 086 


1 1 


24 








2 '94 


5 V'*5 


12 899 


Rinder . . 


3950 


7340 


7900 


14680 


30 


51 




3 


1 575 


»353 


10 229 


18 644 


Fanen . . 


1199 


2116 


239« 


4232 


-> 


1 2 






, 268 


323 


I 166 


5 793 


Kühe T 


202 


44 


808 


ir<. 


4 




2 




63 




2 160 




Kfihell . 


164 


1 163 


I 148 




8 


13 


7 




117 


/ / 3 


3 434 


6 yo2 


Summe . 


II 055 


18306 


»3 334 


39 9«9 


55 


100 


1 

r 




'28 19 

1 


4''43 


22 954 


44 238 



T.<'ider sind di<' aus der \'erweruiiiu tief beanstandeten Tiere 
imd konfiszierten h.ingeweide erzielten Summen aus den Berichten 
nicht ersichtH( h. Immerhin zeigt die obige .\ufstellung. daf» .sich d<'r 
Status im zweiten ( ie.schäftsjahre intolg».' des gesteigert(Mi Wertes 
der zu er.setzenden Tiere verschlechtert hat. Denn die Enl.schä- 
digungen .sind stärker als die Anzahl der versicherten Tiere ge- 
wachsen; sie haben sich nahezu verdoppelt. Während im ersten 



Die Organisation des Vieh- und Fieischhandels. 



57 



Jahre allein die Prämieneinnahmo ohne Berücksichtigung der für 
die beanstandeten Tiere erzielten Summe ein Plus über die an 
die Mitglieder gezahlten Entschädigungen aufweist, zeigt das zweite 
Geschäftsjahr ein ziemlich erhebliches Manko. Daß von den im 
zweiten Jahn» in bedeutend höherer Anzahl v(Tsicherten Kühen 
keine einzi|Lit' der Abdeckerei und nur ein Stück mehr der Frei- 
bank überwiesen wurde, ist ohne /woifol auf die erhöhte Vorsicht 
bei der Aufnalime in die \'or.sidi< rLin^ zurückzuführen. 

In Ludwiijfshafon j>'oh<)ren drr Wrciniijfnnii' für Schlachtvich- 
\ tTsicluTuni^' ung"i'fähr so Mctzi^cr. für wclcho gleichfalls dir Mit- 
gliedschaft der dortigen Innung und der Mannheimer l'Cltschmelz«» 
^'orbedingung ist, an. AY-rsichert werden alle Arten von Rind- 
vieh, von Kühen jedoeh nur solche, deren Fleisch als Rindfleisch 
um den J -adenpreis verkauft werden kann. Tiere, welche von 
einem Mitgliede des Vereins mit einem Xiclitmitgliede auf ge- 
meinsame Rechnung geschlachtet w erden, sowie sogenannte Wurst- 
kühe sind \ (tn der \'ersichcrung ausgeschlossen. Die I'rämien 
betrag-en für ( )chsen M. .4, P\issel M. 3. Stiere M. 3, zahnige Kühe 
M. 4, andere Kühe M. 5, Rinder M. 3. 

Bei an Milzbrand erkranktem oder von einer anderen Seuche 
befallenem Vieh, für welches der Staat Entschädigung leistet, wird 
nur die Differenz zwischen Ankaufspreis und Staatsentschädig^ung 
bezahlt Für einzelne Teile werden vergütet: 



Entferntes Fldsch pro Pfd.: Der jewetl^ Ladenpreb: 

Leber pro Pfd. M. —.60 

(Höchstgewicht 10 Pfd. bei M. 3.— Ver&-Gebühr 

» 15 » » ^ 4. — u. mehr Vers.-Gebühr) 

Herz pro Pfd. M. — .50 

Lunge » » » — .30 

Magen, Därme üsw bis zu » 5. — 

Zunge »»» 4. — 



Aus dem ITberschusse des X'ereinsvermögens ist zunächst 
ein Reservefonds in I lohe von M. 5{)oo /u l)ilden. Weitere lUoer- 
schüsse gelangen im A'erhältnis der im \'(.rjahre gezahlten Prämien 
zur Verteilung unter die Mitglieder. Die Erhebung von Xacli- 
schüssen ist zulässig, sofern das \'ereinsvermögen zur Deckung 
der entstandenen Verbindlichkeiten nicht ausreicht, und der 
Reservefonds auf M. 2500 zusammengeschmolzen ist. 



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.58 



1. Abschnitt. 



5. Kapitel. 

Die Süddeutsche Fettschmelze 
e. G. m. b. IL 

Die Süddeutsche Fettschmelze in Mannheim, deren Bedeutung, 
nicht nur für die Metzger Mannheims, sondern auch für die von 
Karlsruhe, Ludwigshafen und der anderen umliegenden Städte, die 
Besprechung in einem eigctien Kapitel rechtfertigt, ist in Form einer 
Produktivgenossenschaft gegründet Sie macht sich die Verwertung 
von Rohtalg, Häuten, Fellen und Ähnlichen Artikeln sowie die Be- 
teiligung an verwandten Untem^mungen zur Aufgabe. Mitglied 
der Genossenschaft kann jeder einer Innung oder dem Deutschen 
Fleischerverbande angehörende Metzgermeister werden. Der Ge- 
schäftsbetrieb ist jedoch nicht auf die Mitglieder beschränkt. 

Die Haftpflicht für die Verl^ndlichkdten der Vereinigung 
ist sowohl dieser wie auch unmittelbar den Gläubigern gegenflber 
auf je M. 100 festgesetzt. Jedes Mitglied ist bei einer Konven- 
tionalstrafe von M. 100 im Falle des Zuwiderhandelns verpflichtet, 
sämtlichen durch seine Schlachtungen erzielten Rohtalg, mit 
alleiniger Ausnahme des im eigenen Geschäfte zum Rohverkauf 
im Kleinen gebrauchten, an die Genossenschaft zu den jeweilig 
vom Vorstand und Aufsichtsrat bestimmten Preisen abzuführen. 
Für Häute und Felle besteht diese Vorschrift nicht offiziell, jedoch 
ist auch in diesem Artikel die Vereinigimg in überwiegendem 
Maße die Zentralsammelstelle. 

Die Vorteile eines derartigen genossenschaftlichen Zusammen- 
schlusses treten klar zutage. Bei den sich steigernden hohen 
Einkaufspreisen für Schlachtvieh, die eine stetige Gevvinnvermin- 
(lenuig für die Metzger in sich schließen, wird es immer not- 
wendiger, die möglichst vorteilhafte Verwendung der Neben- 
produkte anzustreben. Diese wird aber am besten in einem 
Zentralpunkte erzielt, wo der Ware genaue Behandlung und 
Sortierung, damit also erst der richtige Wert verschafft wird. 
J^esonders beim Fette, welches infolge der schwankenden Schweine- 
preisc. der großen Konkurrenz Amerikas und des bedeutenden 
Angebotes der \ «Tschiedensten Pflanzenfette unter der jeweiligen 
Konjunktur stark zu leiden hatte, hat sich ein bemerkenswerter 
Umschwung zum Bessern gezeigt. Denn die von der Genossen- 



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Die C)rgani]>ation dcü Vieh- und FlciscIihandcU. 



59 



acfaaft an die Metzger gezahlten Fettpreiae haben sich auf einer 
H6he gehalten, die vor Bestehen der Vereinigung kaum in den 
besten Jahren erreiGht wurde. Der Wunsch nach dner umfassen- 
deren und alle Landestdle verbindenden Zusammenschlüsse seitens 
der Genossenschaften, welcdie sich mit der Ver we r tu ng der Neben- 
produkte aus dem Fletscherribetriebe befsMsen, hat zur Gründung 
zweier Verbände geführt, denen auch die Süddeutsche Fettsdimelze 
angehört. Der erstere, der Verband deutscher Feintalgschmdzen, 
«rurde unter Mitwirkung der Mehrzahl der Sdimelzen begründet 
Er sucht den Verkauf in einer Hand, nämlich der Geschfiltsstelle 
T^pzig, zu vereinigen, schaltet dadurch die Konkurrenz der ein- 
zelnen Schmelzen untereinander aus und garantiert infolgedessen, 
weil ein Drücken der Preise fortfällt, eine größere Stetigkeit des 
Marktes als vorher. Auch ermöglicht er eine Reduzierung der 
ziemlich hohen Verkaufsspesen, welche vorher von jeder einzelnen 
Schmelze getragen werden mußten. 

Der Verband deutscher Häuteverwertungs-Vereinigungen 
verfolgt ähnliche Ziele, engeren Anschluß der einzelnen Vereini- 
gungen, einheitliche Ausgestaltung der geschäftlichen Übungen 
und Verkaufsbedingungen, gleichartige Behandlung der Häute, 
gleichmäßige Berechnung des Salzgeldes und Verringerungen 
der Geschäftsunkosten. 

Vor dem i. Januar 1899 waren das gesamte Haut- und 
Fettgeschäft sowie die damit verbundenen Nebenarbeiten der 
Schlachthausverwaltung unterstellt. Mit diesem Termine ging 
der ganze Betrieb auf die I reie N'creinigiin^' für Haut- und 
Fettverwertung, die V(^rg;lngerin der Süd<lenis( Iumi J^ ettschmelze, 
über. In dem neuLMi Schlachthofgobäudc wurde für letztere ein 
eigener Rohbau erstdll und vorläufiL; .luf die Dauer von 30 Jakren 
vermietet. Die innere Ausstattung und die nach dem .Stande der 
modernen Technik notwendigen maschinellen Kinrichtungen wie 
Schmelzkcsscl mit Rührwerken, Talgschneidemaschinen. Trocken- 
gestclle, Klcirkessel unti ein Autokla\- /um Schmelzen mit direktem 
Dampfe wurden von der Mieterin auf eigene Kosten angeschafft. 
Das erforderliche \V;usser und der /um Schmelzb(nriebo notwendige 
Dampf werden vom Schlachthofe gegen Vergütung geliefert. 

T)i(» Kr(')ffiumg der Anlage erfolgte am 15. April m^oi. 

Die Kntwickhmg des (jeschaftsumsatzes in den Jahren 1903, 
•1904 und 1905 zeigt folgende Zusammenstellung: 



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6o 



I. AfacchnitU 



Jahr 


Zahl (kr 
Mitglieder 


Haftstimme 


Eingang der 


mute 


Hammelfei'e 


Slück 


Gcsaiiitbetrag 


Stück 


Gesamtbetrag 














M 


1903 


»57 


58 100 


29 034 


I 060 785,78 


3680 


13059,10 


1904 


»59 


58 Goo 


30 956 


I 176333,09 


4O98 


1 7 05(1,16 


'<J05 


»f»3 


58 000 






5f>7i 


24 »53.— 



Jahr 


Eingang 


der Kalbfelle 


Angeliefertes Kohfett 


Brntto» 


Rein- 


Stock 


Gesamtbetrag 


kg 


Betrag 


gewinn 


gewinn 










M 


M 




1903 


41 243 


290 968,50 


843 952.5 


426 988,03 


129 156,05 


39 899.67 


1904 


42 979 


3«3 953.05 


860 443»— 


357 093.»o 


131 »83.05 


36 016,63 


1905 


46279 


380 342,— 


778 737.5 


380710,«? 


138 767.32 


42 9«5,oi 



Durchweg ist eine Steigeruni: des Umsatzes in Häuten und 
1^'ellen zu verzeichnen. Nur das Rohfett zeigt aus den schon 
angeführten Gründen Schwankungen, die sich im Jahre 1904 auch 
in (1(1 \'erminderunj^ dts Reingewinnes bemerkbar machen. 
Jedoch zeigt 1905 bereits eine beachtenswerte Besserung, die allem 
Anscheine nach auch K^oh anhalten wird. 

Die Süddeutsche Fettschmelze, zu deren Lieferanten, wie 
schon bemerkt, aucli die Karlsruher und Ludwigshafener Metzger 
zählen, hat die bei der Gründung in sie gesetzten Hoffnungen 
durchaus erfüllt und mit Erfolg einen der Wege zur Selbsthilfe 
beschritten, auf welchen dem Motzgergewerbe über die L;egen- 
wärtigen schwierigen Verhältnisse hinweggeholfen werden kann. 

6. Kapitel. 

Die Viehhändler und Metzger sowie deren Kreditverhaltnisse. 

Die alte R(\gel, dali sich in einem ( iewerbezw eige um so mehr 
vermittelnde Zwischenglieder einschieben, je kompüziertcr und un- 



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Die Oiganisatioii des Vieh- und 1' iciächhundcls. 



61 



fibersichtlicher die Marktverhältnisse in dem fraglichen Artikel 
sich gestalten, gilt auch für die Organisation, des Fleisch- und 
Viehhandds. Auf dem Lande und in kleineren Städten vermittelt 
nur der Metzga* den Verkehr zwischen dem Pttxiuzenten und 
dem Konsumenten und er wird es in um so b^riedigenderer Weise 
tun können, je kleiner der Versorgungsrayon ist Auch in größeren 
Städten ist diese Art der Fleischversorgung noch durchaus nicht 
ausgeschaltet. Sie muß aber in demsdben Maße zurücktreten, 
als die Versorgungsbezirke sich erwdtem. Für den Metzger ist 
es mit wachsenden Schwierigkeiten verknüpft, seinen Bedarf in 
den Ställen der Umgegend aufzukaufen und dnen erheblichen. 
Teil seiner Zeit auf der Landstraße zu verbringen. Andererseits 
ist der T^dwirt sdner ganzen Veranlagung nach nicht geeignet, 
als Verkäufer auf dem Markte aufzutreten. Der Zutrieb des Viehes 
zum Markte fttr eigene Rechnung bringet ihm von vcnmeherein 
dnen Verlust an Lebendgewicht und überdies das Risiko, die 
Tiere im Falle des NichtVerkaufs zurfidctransportieren zu müssen« 
Er kennt femer nicht die Marktverhältnisse und auch nicht die 
Metzger, die gerade die von ihm angebotenen Vidiarten und 
Qualitäten benötigen. Hier grtnft nun mit Erfolg der Händler 
ein. Durch seine jahrelange Erfahrung kennt er die Bezugsquellen 
und Absatzorte, die verschiedenen Handdsusancen wie die Wünsche 
seiner Kunden und übernimmt die Regelung zwischen Angebot 
und Nachfrage, natürlich gegen einen entsprechenden Grewinn für 
ach sdbst Wie die Verhältnisse nun einmal liegen, ist er ^ be- 
sonders in Süddeutscfaland, wo Grenossensdiaften zum gemeinsamen 
Bezüge von Sdiladitvieh keine nennenswerten Erfolge zu ver^ * 
zeichnen haben — ein unentbehrliches Glied in der Kette der Mittels- 
personen geworden, welches auch volkswirtschaftlich seine volle 
Berechtigung hat. Denn es erspart den übrigen Beteih'gten Zeit 
und Mühe. Schon hierdurch ist dn angemessener Gewinn des 
Händlers berechtigt, zumal er nur zum Teil aus höheren Plrdsen 
herrührt, zum Teil aber auf die Verminderung der Spesen, z. B. 
der Transportkosten bd Sammelladungen, zurückzufahren ist 
Als weitere Zwischenglieder treten in den Großstädten die 
F.ngrosscfalächter und die Kommisdonäre auf. Auf- erstere ist 
gewöhnlich der Anfänger und nicht kapitalkräftige Metzger 
angewiesen, der mangels genügender Erfahrung das Risiko des 
Ankaufes lebender Tiere nicht auf sidi nehmen will oder die 



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62 



I. Alwcbntit. 



Kosten, wie sie durch Benutzung des Schlachthauses» das Halten 
von Gesellen u. dgl. entstdien, zu ersparen sucht, indem er die 
geschlachteten und zur Verarbeitung fertigen Tiere vom Engros- 
sddächter bezidit NatOrlich wird er für die ihm ersparte Mfihe 
im Preise einen Aufschlag bevdUigen müssen, der ach aber meist 
unter den Kosten bewegten wird, die ihm selbst im Kldnbetriebe 
erwachsen wären. 

Der Kommissionär ist der Vertrauensmann des Händlers 
und des Metzgers, die sich bei der wadiaenden Unübersichtlichkeit 
des Marktes nicht mehr direkt zu finden wissen. Am besten 
wird er seine Misston erfüllen, wenn er die Abschlüsse gegen 
eine feste Provision vermittdt, somit an hohen Preisen kein 
Interesse hat und selbst keine Gresdiäfte auf dgene Rechnung 
treibt, also reine Mittelsperson bleibt Allerdings ist diese Form 
des Kommissionshandels durchaus nicht die vorherrschende. Meist 
spielt der Kommissi<»iär sowohl dem Händl«* als auch dem Metzg«" 
gegenüber dne wkhtigc RoUe als Kreditgeber, die nur in Städten 
mit einer Viehmarktbank auf diese, sowdt die Kreditgewährung 
an Metzger in Frage kommt, übergeht 

Es tut der Bedeutung des Kommissionärs als kapital- 
gewährendes Element kdnen Abbruch, wenn man behauptet, daß 
das Vordringen der Viehmarktbank in der angedeuteten Riditung 
von Vorteil für den sdiwächeren Teil, die Mct;;ger, sein wird. 

In unseren drei Städten Hegt der gesamte Vieh- und Fleisch- 
handel in den Händen der Händler und Metzger. Engrosschlächter 
und Kommissionäre im eigentlichen Sinne sind noch nicht vor- 
handen. In Mannheim nennen sich zwar einige Händler >Vieh- 
kommissionäre« und betätigen sich, neben ihrem eigentlichen 
Handelsgeschäfte, als ^''ermittler gegen Provision. Aber sie zeigen 
doch noch nicht die reinen Merkmale des Kommissionärs der 
Großstädte, wie z. \S. Borlins und T^reslaus. Allerdings zeigt sich 
auch hierin bereits Mannheim als werdende Großstadt, daß die 
Anzeichen einer Mischung zwischen Händler und Kommissionär 
iiufzutaucheii beL^iiincn. Vor allem ist diestT \'organg im Schweine- 
handel zu bei)b£ichten. 

In Karlsruhe iH lreiben ungefähr 1 20 Metzger selbständig 
das Gewerbe, davon n'ehOren 115 der Innung' an. Als Händler 
sind ungefähr ;>o Geschäftsleute tätig, welche zum üb<'ru ie<>;"enden 
Teile am Orte ansässig sind. In Mannheim gehören sämtliche 



Die OijBBniaadon des Vieh* und Fleiachliandcls. 



63 



Metzgermeistcr, 159 an Zalü, der freien Innung an. Außerdem 
fiben noch 6 Mann das Handwerk als sogenannte »Kopfschlächter,« 
also als rein technische G^iUfen, aus. Die Zahl der regelmäßig 
auf dem Vidihofe verkdirenden Händler beträgt ungefähr 150, 
davon nehmen etwa 50 die Stallungen als Unterkunftsort fOr ihr 
Vieh während der Nacht in Anspruch. Die alnigen, welche teils 
in der Umgegend, teib aber auch in entfernteren Städten wohnen, 
bringen die Tiere dirdct zu Markte. Die Ludwigshafener Innung 
umfaßt ungefähr 70 Mitglieder. Die Zahl der Händler ist nur 
gering. Soweit der Metzger nicht selbst sein Schlachtvieh auf dem 
Mannhdmer Markte ersteht, was zum überwiegenden Teile der 
Fall ist, vermitteln einige Mannheimer Händler den Bezug. Die 
Schweine norddeutschen Ursprungs werden teils direkt, teils über 
Mannhdm durch einige wenige Ludwigshafeno: Händler bezogen. 
Jedoch haben ach einige größere Metzger bezt^lich der benötigten 
Schweine von den Händlern emanzipiert und decken ihren Bedarf 
unter Umgehung der Händler dirdct in den Produktionsländem, 
vor allem in Norddeutschland. Audi in Mannheim und Karlsruhe 
ist diese Grepflogenheit vereinzelt zu beobaditen. 

Es ist eine wdtverbreitete Annahme, daß auch die Metzger 
an der gegenwärtigen Steigerung der Fleischpreise nicht unbeteiligt 
sind oder daß sie doch wenigstens dabei ihr Schäfchen scheren. 
Aber diese vorgefaßte Meinung hält dner näheren Untersuchung 
nicht stand. Im G^entdl, das Metzgergewerbe leidet unter den 
g^enwärtigen Verhältnissen an einer Depression, wie sie schwerer 
kaum gedadit werden kann. Das bestätigen alle unparteiischen 
Sachverständigen wie Schlachthofdirektoren und Tierärzte, das 
zeigen aber auch die Konkurslisten, in denen Angehörige dieses 
Gewerbes in wachsender Anzahl wiederkehren. Denn der Metzger 
muß, eine im Zwischenhandel häufig zu beobachtende Erscheinung, 
bei steigenden Preisen eine Verminderung des Nutzens auf sich 
nehmen, um einer allzugroßen Einschränkung des Bedarfes vor- 
zubeugen. Kein Wunder, wenn er dann in Zeiten ankender 
Viehpreise die Fleischpreise noch eine Zeitlang auf der alten 
Höhe zu halten bestrebt ist, um sich für den vorher entgangenen 
Profit zu entschädigen. 

Schon in normalen Zeiten ist der erf<^grciche Betrieb eines 
Metzgcrgoschäftes von den verschiedensten Faktoren beeinflußt 
und setzt Erfahrung sowie spezielle Fachkenntnisse voraus. 



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64 



I. Abschnitt. 



wie sie nur der tüchtige Meister in langen Jahren der Praxis, 
wobei ihm Lehrgeld auch nicht erspart bleibt, erwerben kann. 
Von hoher Wichtigkeit ist der Einkauf iles Rohmaterials, also 
des lebenden Viehes. Das erhellt allein aus der Tatsache, daß ^ 3 
der Einnahmen nur den Ersatz für die gezahlten Auslagen bildet.^ 
Die richtige Schätzung des lebenden Tieres, seiner (Jualität und 
des sich hieraus iTgebenden Fleischgewichtes ist Vorbedingung 
für den Metzger, wenn er nicht mit Verlust arbeiten will. Ein 
weiteres Moment bildet das notwendige Vorhandensein iMn(\s ver- 
hältnismäßig großen Anlage- und Bctriebskapitales, welches bei 
dem Schweineschlächter noch gr(')ßer als bei dem Rindermetzger 
sein muC). Denn während sich bei dem letzteren die einzelnen 
Manipulationen auf den Einkauf, die Schlachtung. Zerteilung, 
sowie \'erkauf der einzelnen Teile beschränken und dadurch eintni 
rascheren Umsatz sowie das schnellere Zurückströmen des kleineren 
Kapitides ermöglichen, liegt bei dem Schweinemetzger der Schwer- 
punkt in der Verarbeitung des Fleisches. Diese bedingt aber die 
Anschaffung komplizierter und teurer Maschinen sowie das Halten 
eines größeren Arbeiterpersonals. Das zum großi^n Teile aus 
Raucher- und Dauerwaren bestehende Produkt wird meist nicht 
sofort abgesetzt und erstattet erst nach längerer Frist die Aus- 
lagen. Xaiurgemäl) ist auch hier wie überall der kapitalkräftige 
!M(>ist«'r dem mit geringen Betriebsmitteln und mit Kredit arbeiten- 
den Konkurrenten überlegen. Ihm stehen bei seinem großen 
Binlarfe und durch die Barzahlung die besten und der geringeren 
Abfälle wegen billigsten Qualitäten zur Verfügung; er kann die 
günstige Marktlage weit intensiver ausnützen als sein minder 
glücklicher Kollege, der kaum seinen Bedarf decken kann und 
mit der Ware vorlieb nehmen muß, die ihm der Händler, der 
m<Mst zugl(Mch .sein (iläubiger ist, zukommen läßt. l)i<'se IJm- 
stätKh^ zeitigen vielfach ein Verschwinden des selbständigen kleinen 
Metzgers in den (iroßstädttMi. Die ( inißmi^tzger überziehen die 
Stadt mit «Mnem Xetze von Filialen oder nur anscheinend selb- 
ständigen (xeschäften, in welchen (lf>r Inhaber nur Angestellter, 
nur Distributeur des F'leisches ist. In der gleichen Richtung wirkt 
auch der sich änd(Tnde (ieschmack des Publikums und di<' zu- 
nehmende^ Neigung, W^urst- und Dauerwaren aus ganz bestimmten 



' Rothe, Das deutsche Fleiscl^ewerbe in Conrads Abhandig. Bd. XXXIi. S. 45. 



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Die Drgani&uuun des Vieh- und FlciMdilxaiidcls. 



65 



Landesteilen und Städten 2u bevorzugen. Dadurch vollzleilit äch 
beim Metzger eine Umwandlung vom technischen Verfertiger 
zum reinen Kleinhändler, für dessen Umsatz nur die kaufmänni- 
schen Fähigkeiten und die Größe des Kai^tals maßgebend sind. 

Es ist nidit zuviel gesagt, wenn man b^auptet, daß bei 
den heutigen Verhältnissen nur der größere Metzger auf seine 
Kesten kommt. Der kleinere Mdster befindet sich entweder 
mangels geregelter BudifOhrung und Aufzeichnungen bezOgUch 
des Standes seines Greschäftes in einer Selbsttäusdiung oder er 
schlägt sich in der Hoffnung auf bessere Zeiten mühsam durch. 
Nach den uns von durdiaus glaubiurfter Seite gemaditen Angaben 
sind die Generalunkosten im Metzgereibetriebe von ca. 8*^/0 auf 
ca. 15 — lö^'/o gestiegen; es leuchtet audi ohne wateres ein, wenn 
wir die erhöhten Ansprüche des Publikums in betreff Bedienung, 
Ausstattung des Ladens usw. sowie die gesteigerten Löhne berück- 
sichtigen. -.Vuch der Umstand, daß die modernen Schlachthäuser 
außerhalb oder doch an der Peripherie der Stadt gelegen sind 
und dadurch die Anschaffung von Pferd und Wagen sowie erheb- 
lichen Zeitverlust bedingen, fäQt ins Gewicht. Auf die Konkurrenz, 
die dem Metzgergewerbe in immer erheblicherem Maite durch 
die Delikateß- und SpeziaUiufschnittgeschäfte erwächst und zur 
Verschlimmerung der T-age beiträgt, sei nur nebenbei verwiesen. 

Alle diese l atsachen sind bei der Beurteilung des gegen- 
wärtigen Stiiiulcs des Metzgcrgewi.'rbes von schwerwiegender 
Bedeutung und sie leiten uns unwillkürlich auf ein nahcHcgendas 
Gebiet, die Betrachtung der Kreditvcrhälniissc über. Allerdings 
stößt iWv eingehende Untersuchung derselben auf dem Karlsruher 
und Mannheimer Platze - wobei Ludwigshafeu inbegriffen ist — 
auf besondere vSchwierigkeiten, denn weder Mändler noch Metzger 
sind sehr geneigt, sich in die Karten seilen zu lassen und rück- 
haltlose Angaben zu machen. Viel offensichtlicher liegen die 
Verhältnisse in den (xroßstädten, w'elche zur Regelung des Kredites 
eine Viehmarktbank besitzen, wie z. V>. 1 Berlin und Magdeburg. 
Uber die Tätigkeit eines solchen Institutes an letzterem Platze 
gibt Neugebauer ^ eine eingehende Schilderung. Ks ist ver- 
wunderlich, tlal') auch in dem für die Meischversorgung ganz 
Süddeutschlands tonangebenden Aiannheim eine derartige Einrich- 



' Die 1- kischvetsorguny der Sudt Alagdcburg, Heidelberger Dissertation it^O. 
Brandt, Die l-~lcischvcr!<orguiig. e 



66 



I. Abschnitt. 



tung noch nicht bestelit Denn eine Vi^marktbank ist in erster 
Linie ein dem Gesamtinteresse dienendes Unternehmen. Erst 
in zweiter Linie ist sie Erwerbsgesellschaft, Sie übernimmt die 
Valutaregulierung zwischen dem Metzger einerseits, dem Händler 
bzw. Kommissionär andererseits und schaltet dadurch die Kredit- 
gewährung der letzteren mit ihren für den Metzger vielfach unheil- 
vollen Folgen aus. Yon der richtigen \'oraussetzung ausgehend, 
dali der kleinere Meister dem Preis für das gekaufte \'ich erst 
erlegen kann, nachdem er die einzelnen und verarbeiteten Teile 
wieder abgesetzt hat, gewährt sie ihm einen meist zinsfreien Kredit 
von 14 Tagen bis drei Wochen, während sie den (rläubiger aus 
eigenen Mitteln sofort befriedigt. Das hieraus für die liank ent- 
stehende Risiko trägt sie selbst und sii- kann es auch bei geord- 
neter Geschäftsführung, da sie durch den regelmäßigen \'erkehr 
mit den Metzgern genau über deren Zaldungsfähigkeit und ( re- 
schäftsgebaren orientiert ist. Ihr (icwinn besteht in einer mäßigen, 
auf den Umsatz in Anrechnung gebrachten I^nu ision, 

Für unsere X'tThältnissc kommt nur die Schilderung der Kredit- 
beziehungen zwischen Landwirten. Händlern und Metzgern in 
Betracht. Der Händler versc hafft sich den benötigten Viehstapel, 
indem er selbst im Lande umherreist und mit dvn ]5auern (h'rekt 
in N'erbindung tritt. Gute 1 )i(Miste leisttMi ihm auch dit- zahlreichen, 
in den Ortschaften ansässigen kU incMi christlichen und jüdischen 
Händler (^Schmuser ), die natürlich die ortlichen Bezugsquellen 
genau keiuien und ihm inanches Stück zufüliren. (Tcwöhnlich 
werden dann die so erstandenen Tiere zu kleineren oder größeren 
Trupps vereinigt und per Bahn dem Markte zugeführt. Für den 
Bezug des außerbadischen und außerbayrischen X'iehc^. welches, 
wie wir später .sehen werden, einen sehr iTheblichen Prozentsat/ 
der zugetriebenen Tiere ausmacht, sind (reschäftsfreundc oder auch 
formell angestellte ^Vufkäufer tätig. Die Käufe finden fast aus- 
nahmslos nur gegen Barziihlung .statt, für Badern und überhaupt 
ganz Süddeutschland kaim man sagen ohne jede Ausnahme. Cianz 
abgeseht^n davon, tlal» der PnxJuzent bei den jetzigen Zuständen 
dc'is Heft in der Hand hat und bei dem Mangel an \'ieh unter 
den kapitalkräftigen Käufern die Auswahl treffen kann, könnte 
sich auch der kleine süddeutsche Bauer auf (^ine Kreditgewährung 
gar nicht «'inlassen. Dem stehen .schon die eigenen \'erbindlich- 
keiten und laufenden Ausgaben wie Hypotheken- und Personal- 



Die Organisalioii des Vieh- und l'leiädiiiandcls. 



67 



kreditzinsen hindernd im Wege. Auch der umgekehrte, in Nord- 
deutschland häufig beobachtete Fall, daß der Händler beim Land- 
wirte eine größere Anzahl Vieh auf Abruf kauft und einen gfrößeren 
VcM^huß darauf gewährt, somit zum Gläubiger wird, ist ziemlich 
aufgeschlossen, da die Lieferanten durchweg aus kleinen Bauern 
bestehen, die nur wenige Stück Vieh im Stalle haben. 

Auch bei der Geschäftsabwicklung zwischen Händler und 
Metzger soll vorschriftsmäßig Barrogulierung erfolgf^n. So schreibt 
z. B. der § 3 der für den Mannheimer Viehhof geltenden Handels- 
gebräuche vor: 

«Beim Kaufabschlüsse hat die Zahlung in bar zu erfolgen. 
Wird der Kau^reis gestundet, so ist derselbe bei Schlacht- 
vieh nach Umfluß von 8 Tagen .... mit 4 " o zu verzinsen. 
Der gestundete Kaufpreis, bei dem keine Zeit verabredet 
wurde, ist bei Schladitvieh am nächsten Markttage .... 
bereits vor Eröffnung des Marktes zu bezahlen.» 
Aber von allen Händlern wird einstimmig zugegeben, daß 
diese Bestimmungen vielfach niu* auf dem Papier stehen, und daß 
häufig eine umfangreiche Kreditgewährung eintreten muß. Bei 
dem Großvieh wird noch verhältnismäßig mehr auf Barzahlung 
oder baldige Regulierung gedrungen; dagegen ist bei Kleinvieh, 
insbesondere Schweinen, diis Borgen die Regel. Die Ansicht, die 
uns gegenüber ein St^hweinehändler vertrat, daß der innerhalb 
8 Tagen bis 3 Wochen zahlende MetzgtT noch als Barzahler an- 
zusehen sei, scheint allgemein verbreitet. 

Es ist natürlich unmöglich, an konkretem Beispiele zu zeigen, 
wie weit die \'erschuldiuig der einzelnen Metzger geht, aber zwei 
Grnindtatsachen sind aus diesen Verhältnissen ohne weiteres ab- 
zuleiten. Einmal verliert der Metzger jede Übersicht über seine 
Geschäftslage, zweitens kann die finanzielle Abhängigkeit von 
seinem Eiefcranl(>n für ihn nicht von Vorteil sein. Der Händler 
muß sich durch Preiszuschlag eine Risikoprämie sichern, die den 
kleinen Melzger noch mehr ins Hintertreffen bringt, ganz ab- 
gesehen davon, daß ihm die Möglichkeit, bei der Deckung seines 
Bedarfes am h andere Händler außer seinen Gläubigern hinzuzu- 
ziehen, abgeschnitten ist. 

Die (icsundung des Marktes und die I^nabhängig'^keit \ on 
den Händlern könnte durch die Errichtung t'iner Viehmarktbank 
durchgeführt werden; es wäre ohne Zweifel als ein erfreulicher 

5* 



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68 



I. Abschnitt. 



Fortschritt zu bezeichnen, wenn Karlsruhe und Mannheim dem 
in dieser Hinsicht von anderen Städten gegebenen guten Beispiele 
folgen würden. 

7. Kapitel. 
Der Verkehr in lebendem Vieh. 

Die Preisfestsetzung für die lebende Ware kann nach drd 
Gesichtspunkten erfolgen: nach Lebendgewicht, nach Schlacht- 
gewicht und pro Stück. Alle drei Arten kommen auf dem 
I'Carlsruher und Mannheimer Markt vor. 

Die verschiedene Handhabung in d^ Pteisnotierung setzt 
naturgemäß einer Beurteilung der Preislagen auf den versdiiedenen 
Märkten und damit einem Vergleiche zwisdien denselben be- 
deutende Schwierigkeiten entgegen. Die Wichtigkeit, wddie eine 
einheitliche Regelung der Schlachtviehpreise für den Handel und 
Geschäftsverkehr hätte, führte in den letzten 15 Jahren zu ver- 
schiedmtlichen Verhandlungen zwischen den Interessenten. Leider 
haben dieselben nicht den nachhaltigen, im Interesse der über- 
sichtlicheren Marktlage wünschenswerten Erfolg gehabt. Denn 
auch die im Jahre 1896 zu Berlin von Delegierten der deutschen 
Städte mit den Vertretern des Deutschen Landwirtschaftsrates so- 
wie des Viehhandels und des Metzgergewerbes gepflogenen Ver- 
handlungen, wdche die allgemeine Einführung des Schlachtgewicht&- 
handds bezweckten, haben k^en nadihaltigen Einfluß gehabt. 
Gerade in diesen Tagen wird von den Landwirten ein erneuter 
Vorstoß zugunsten des Lebendgewichtshandels gemacht 

Alle Viehproduzenten treten nämlich einmütig für die zwangs- 
weise Notierung nach Lebendgewicht ein, was natürlich auch den 
Handel nach Lebendgewicht mit Wiegezwang nach sidi ziehen 
würde. Als Argument führen sie an, daß nur dieser ihren Interessen 
entspreche und dem einzelnen eine Beurteilung der P*reise gestatte, 
indem eine sichere Unterlagt* für die Preisforderung geschaffen 
werde. 

Demgegenüber bezeichnen die Metzger den Lebendgewichts- 
handel als imsidier für Käufer und Verkäufer, als unrationell für 
Metzger wie Konsumenten und als zu verführerisch zur Vornahme 
unredler Manipulationen, wie sie allerdings häufig genug durdi 
starkes Füttern und Tränken der Tiere vor dem Wiegen vor- 



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JJüt Oi)pmUation des Vieh- und Flci.schfaandcls. 



69 



kommen. Es ist nicht zu leugnen, daß die Landvmrte ein Kaupt- 
moment bei ihrer Forderung übersehen» nänüich daß die Fest- 
stellung des Lebenc^iewichtes nur einen Faktor zur mOglidist 
sicheren Wertermittlung bildet, wahrend andere, sdur maßgebende 
Punkte, wie Rasse, Alter, Mastzustand, Verhältnis der Knochen 
und des Bauchumfianges zur Masse des Muskelfleisches, ganz un- 
berücksichtigt bleiben Auch für die Schlachthofe würde sich die 
offizielle Einführung des Wiegezwanges für l^iendes Vidi durch 
gesteigerte Ausgaben, wie Ansdiaffung von Wagen und Ver- 
größerung des Personals, unangenehm bemerkbar machen. Und 
auch dann wäre noch sehr zweifeUiaft, ob die mit gesetzlidiem 
Zwange und mit ertieblichen Kosten geschaffene Einrichtung das 
erstrebte Resultat haben würde. Ais Bt^eg hierfür sden die 
reichsländischen Städte Straßburg, Metz und Mülhausen angeführt 
I^ese »besitzen infolge ihres von Napoleon herstammenden, nach 
Ijebendgewicfat berechneten Oktrois auf Schladitvidi bereits alle 
die Einrichtungen, die nach Einführung des Wiege- und Schluß- 
scheinzwanges alle Städte in Suren Viehhöfen treffen müßten«.^ 

Und trotz dieser günstigen Vorbedingungen hat sich dort 
der Lcbendgewichtshandel keineswegs allgemdn eingebürgert, was 
doch wohl als sicher anzunehmen wäre, wenn er bedeutende Vor- 
teile bieten würde. So wird woM auch der neuerdings von den 
Landwirten gemachte Versudi, den Wiegezwang und damit den 
allgemeinen Handel nach Lebendgewicht auf Grund von Schluß- 
scheinen, auf welchen das Gewicht und der Preis vermerkt sind, 
durchzuführen, resultatlos verlaufen. Ein vor Jahren sdtens des 
Badischen Landwirtscliaftsrates an die Großherzogliche Regierung 
gerichtetes Ersucfaen,^ »dahin zu wirken, daß der Handel auf den 
badischen Vidmiärkten nach Lebendgewicht, sowohl bei Schlacht- 
vieh als auch bei Magervieh, angestrebt werde und in den Markt- 
ordnungen einhdtiiche Normen für die Rreisnotierungen nach 
Lebendgewicht unter Heranziehung von Vertretern des landwirt- 
schaftlichen Interesses vorgeschrieben werden«, hatte schon damals 
nicht den gewünschten Erfolg gehabt 

Die Metzge r erklären den Handel nach Schlachtgewicht, 
sofern das Gewicht die Grundlage der Preisfestsetzung abgeben 

* Deutsch« Srlilaclii- un<i \'iclihiif-/.eitunjj, d. lahry., Nr. 44. S. U". 

* Yei"waUung.>bt.Tichi ül<(.r den Schlacht- und Viehhof in Mannhtiju für das 
Jahr 190t S. 13. 



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70 



I. Abschnitt. 



soll, fOr den allein zulässigen und fOhren als Argument die schon 
berührte Wichtigkeit der Qualität, die das Verhältnis zwischen 
labend- und ScUachtgewicfat stark bednflussc, ins Feld. Voraus^ 
Setzung fQr die Redlität dieser Art des Handels ist natürlich, daB 
der Begriff »ScUaditgewicht« in einer städtischen Wi^geordnung 
genau festgelegt ist, und daß die Regelung der Verwiegung audi 
das Interesse des abwesenden Händlers nadi jeder Richtung hin 
wahrt Diese Bedingungen werden audi in allen Städten, in 
wdcfaen nach Schlachtgewicht gdiandelt wird, erftdlt 

Die Mannheimer Wiegeordnung, von der die Karlsruher und 
Ludwigshafener Bestimmungen nur unerbdilich abweichen, bestimmt 
als die zum Zwecke der Ermittlung des Sdiladitgewichtes bei 
dem Ausschlachten und vor der Verwiegung zu trennenden Teile 
folgende: 

Bei Rindern: Die Haut ohne Fleisch und Fett, den Kop^ 
ohne Halsfleiscfa sowie die Füße im unteren Cidenk der Fußwurzel, 
die Organe der Brust-, Bauch- und BcckenhöMe mit den an- 
haftenden Fettpolstern sovne den Fleisch- und Talgnieren, die an 
der Wirbelsäule und dem vorderen Teile der Brusthöhle gdegenen 
Blutgefäße mit anhaftenden (jeweben und dem sehnigen Teile des 
Zwerdifelles, das Rückenmark und noch einige kldnere Teile. 

Bei Kälbern: Das Fell nebst Füßen, den Kopf und die 
Eingeweide, jedoch mit Ausnahme der Nieren, mit den oben er- 
wähnten Besdiränkungen. Bei Verwiegungen im FcUe, jedoch 
ohne Kopftdl des Felles, kommen 12 **/o, mit sogenanntem Kopffell 
i4<yo in Abzug. 

Bei Schafen: Die bei den Kälbern erwähnten Teile mit 
den Nieren und Nierenfett. 

Bei Schweinen: Die Eingeweide nebst Zunge, Luftröhre 
und Schlund ohne Nieren und Schmer sowie einige unbedeutende 
Gliedmaßen, wie Ohren, Augen usw. 

Die Gewichtsermittlung hat in ganzen oder halben, bei den 
Kindern in ganzen, halben oder viertel, bei Kälbern und Schafen 
in ganzen Tieren zu erfolgen. Erfolgt die Feststellung des Schlacht- 
gewichtes innerhalb drei Stunden nach der Schlachtung, so sind 
je nach der Tiergattung 2 — ^''/o > Warmgewicht« abzuziehen. 

Städtische Wiegemeister überwachen streng die Durchführung 
der erlassenen Vorschriften. Nur sie nehmen die amtlichen und 
damit für Käufer wie Verkäufer verbindlichen Verwi« gungen vor. 



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Die Otganisation des Vieh- nnd FldschhandeU. 



Das Verhältnis des Schladitgcwichtes zum Lebendgewicht 
beträgt ungefähr für mittlere Qualität in Prozenten:^ 

Bei Ochsen 50.5— 54 '*!<> 

» Farren 53»3— 5^,6 » 

» KOhen 45t3— 49»3 » 

» Kälbern 59,3 — 62,6 » 

» Schafen 46 — 50 » 

» Schweinen 79,3 — 84 » 

zeigt also ziemlich bedeutende Schwankungen, die sich bd minder- 
wertigem und schlech^[enahrtem Vidi ganz unverhältnismäffig er- 
höhen. 

Ein sehr großer Übdstand bei der Berechnung nach ScUadit- 
gewicht ist das sogenannte »Schneiden« der Metzger, das ziemlidi 
häufig betrieben wird. Unreelle Metzger wissen sich nämlich 
dadurch einen Vorteil auf Kosten der Händler zu versdiaffen; 
dafi sie mit den zu entfernenden Teilen des Tierkörpers auch 
weiteres Fett und Fleisch wegsdmeiden, welches nach der Wiege- 
ordnung mit zu verwiegen wäre. Durch diese Manipulation wird 
natOriich eine Verringerung des Schlachtgewichtes und damit 
eine Schädigoing des Händlers herbeigefohrt Von den Direktionen 
der Sdiladithöfe fehlte es nicht an Versuchen, diesem fugeUn, 
der ja schließlich auf offenbaren Betrug hinausläuft, zu steuern, 
jedoch nicht immer mit dem wfinschensw^ten Erfolge. Die 
Direktion des Mannheimer ScUadithofes suchte im Jahre 1901 
die Einhaltung der Wiegeordnung seitens der Metzger dadurch 
zu erzwingen, daß sie die des Schneidens überwiesenen Metzger 
der Staatsanwaltschaft zur Einldtung des Betrugsverfahrens an- 
zeigte. Diese Maßregel hatte jedoch nur für kurze Zdt Erfolg, 
da die Direktion in ihrem Bestreben, den reellen Handel zu 
schützen und eine Förderung des Marktes h^b^zuführen, von 
den eigentlidien Interessenten in dieser Angelegenheit, den 
Händlern, gar keine Unterstützung erfuhr. Diese pflegten die 
IKfterenzen auf den Wagscfaeinen um der lieben Konkurrenz 
willen von den unredlichen Metzgern überhaupt nicht einzufordern: 
ja, es kommt heute noch vor, daß ein Händler mit der ausdrück- 



* Die Angaben von Edelinaiin, Lehrbodi der Fteft^ygiene, Jena 1903, S. 4, 
dfirfen unter heutigen Verhlltttigsen als zu hoch gelten. Er nimmt z. B. ffir Kälber 
690/0, fttr Schwdne 86,50/0 an. 



72 



I. Abschnitt. 



liehen Erlaubnis zum Schneiden verkauft. Unter diesen Umständen 
konnte man es der Verwaltung nicht verdenken, daß sie beschloß, 
sich femer nicht mehr in die rein privatrechtlichen Creschäfte 
zwischen Händler und Metzger zu mischen, und den Antrag* auf 
Abändenmg der Wiegeordnung stellte, dahingehend, daß nur das 
Schlachtgewicht amtlich festgestellt, eine Kontrolle jedoch be- 
züglich des Ausschlachtens der Tiere und der Vorkommnisse 
dabei aufgegeben werden sollte. Wenn man bedenkt, daß sich 
der Metzger durch das Schneiden bei einem Schweine — übrigens 
der Tierart, bei der es am liäiifigsten vorkommt — bis zu i kg, 
bri Rindern bis zu 2 und ;> kg Fleisch unrechtmäßig aneignen 
kann, so ergibt sich daraus von selbst, welche »Nebengt^winne« 
er bei größerem Betriehe daraus machen kann. 

Aber trotz alledem ist nicht zu verkennen, daC» nur das 
Schlachtgewicht eine (angehende IVTücksichtigung aller maß- 
gebenden Momente gestattet und eine befriedigende Basis für die 
Prcisnormienuig abgibt. 

13<'i dem Tfandel pro Stüek oder, wie er in Mannheim genannt 
wird, auf überhaupt kommen neben d<'m Ma.stzustand ebenfalls 
allgemeine P'aktoren wie Bau des 'ri<Tes, (Trolle. Alter, (T(\sundheit, 
Füllung der Fingeweide, Haut. Haar und dergleichen, in Iklracht. 
Der Käufer sucht sich hieraus von dem W'erte des Tieres als 
vSchlacht.stück ein l>ild zu machen und vor allem auf dessen 
Körpergewicht in lelxMidem Zustande Schlüsse zu ziehen; von der 
richtigen Schätzung des.selb(Mi in Verbindung mit der .siich- 
yeinälu'n IV'urteilung der sonstig(m Figentümlichkeiten des Tieres 
liängt <\s ab. ob sich der Finkauf rentabiM od<'r verlustreich ge- 
staltet. Fs liegt in der Natur der Sache, daf» sich auf (Vwsc Art 
des TIandels nur der l^'achmann und l^raktiker einla.s.sen kann 
und dal) der Fandwirt bei dieser Art des Handels mei.st den 
kürzeren ziehen wird. 

Auf dem Karlsruher und Mannheimer \'iehmarkie ist der 
Handel nach Schlachtgewicht durchgeführt, der nach Lebend- 
gewicht bildet, obgleich auf d( n X'iehhöfen reichlich (xelegenheit 
zur Verwiegung der lebenden Tiere geboten ist, die Ausnahme: 
er kommt bei norddeutschen Kälbern vor, soweit dieselben nicht 
per .Stück gehandelt werden, ferner in Mannheim bei den 
Schweinen, die durch auswärtige Metzger erstanden werden. 
Dagegen ist der Stückhandel bei Rindvieh ziemlich häufig, bei 



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Die Organisation des Vieh- und Flcischhandcls. 



73 



Schalen, Ziegeo, Zickfein und Ferkeln Uldet er die Regel; ebenso 
werden die Schlachtpferde pro Stack gehandelt Süddeutsche 
Kälber und Schweine fOr dnheiinisdie Metzger werden aus- 
schliefSIich nach Schlachtgewicht verkauft 

Ein Eingriff in diese Arten des Handels, die sich durch die 
Eigentamlichkeiten der Märkte und nicht etwa zugunsten ein- 
zdner Interessentengruppen herausgebildet haben, wflrde sich 
ohne Zweifel bitter rächen und eine schwere Schädigung des 
Verkehrs bedeuten. Das zeigt das Beispiel Wiens, wo in den 
1890er Jahren ein derartiger Versuch, die Handelsgebräuche um- 
zugestalten, gemacht wurde. Denn »dort hat die Behörde vor 
einigen Jahren die Erfahrung machen mflssen, wie bedenklich es 
ist, durch Regulative die Handelsusancen bednfluasen zu wollen. 
Die Interessenten sollen in ihrem Unwillen darfiber d^ Wiener 
Markt gemieden und das Geschäft nach Preßburg verlegt haben, 
bis die fraglichen Bestimmungen zurückgenommen oder geändert 
wurden.« * 

Das Argfument, welches die Landwirte gewöhnlich bei ihrer 
Forderung nadi Lebendgewichtshandel vorbringen, daß nämlich 
in Amerika fast ausnahmslos der Vericehr in dieser Weise statt- 
finde, ist schon aus dem Grunde nicht stichhaltig, weil dort die 
Verhältnisse von den unseren wesentlich abweichen und weil man 
zur DurchfQhrung dieses Handels auch wieder eine besondere 
Einrichtung getroffen hat In Chicago z. B. und auch an den 
anderen Rätzen, wo das Lebendgewicht die Grundlage für die 
Freosfestsetzung bildet, wird nämlich das Vieh seiner Qualität und 
Herkunft noch möglichst scharf klassifiziert Außerdem whrd 
dem Käufer die Möglichkeit geboten, Vereinbarungen über eine 
bestimmte Anzahl selbstauszusudiender Tiere zu dem abge- 
schlossenen Plreise zu treffen. Diese Voraussetzung bildet den 
springenden Punkt bei dem Vergleiche mit Deutschland Denn 
im Gegensatze zu diesem finden die Abschlüsse in Amerika in 
großen Quantitäten statt wodurch erfahrungsgemäß ein Ausgleich 
in den Differenzen zwischen Lebend- und Schlachtgewicht bewnrkt 
wird. Können wir doch schon bei uns die Beobachtung machen, 
daß es der Händler nach Möglichkeit vermeidet, ein einzelnes 

^ Handel und Notiorunj,' des Sclii.iclUviehs. i.acli l.cbcndyewicht, Sonderabdt iick 
am dem Bericiii über die XX. ficnurversammlung des Deutschen l^ndwirtschaftsrats, 
Berlin 1892, S. 361. 



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74 



I. AbKhnitL 



Stück nach Lebendgewicht zu erstehen. Er wird nch stets be- 
mühen, wenigstens zwei Stüde auf diese Art einzuhandeln. Denn 
schon hei dieser geringen Anzahl sinkt sein Risiko beträchtlich« 
Hat er sich bei dem einen Stück verrechnet und ist die Prozent- 
ziffer des Schlachtgewichtes im Vergleiche zum Lebendgewichte 
niedriger als er angenommen hatte, so ist immer noch die Hoff^ 
nung und auch die Wahrscheinlichk^t vortianden, daß er das 
andere Stück zu ungünstig beurteilt und demgemäß zu niedrig 
bezahlt hat Dadurch tritt dann dn Ausgldch des Verlustes dn. 

Es ist aber, von allen diesen Erwägungen ganz abgesdien, 
überhaupt nicht recht ersichtlidi, warum von den bisher geübten 
Grqiflogenhdten im Viehhandel auf den Märkten zugunsten dner 
einzelnen Kategorie von Interessenten abgewichen werden soll, 
zumal die Landwirte an diesen Plätzen überhaupt nicht oder sehr 
schwach — Husum ausgenommen — vertreten sind. Man sollte 
nicht vergessen, daß derartige alte Handdsgebräuche nicht zufällig, 
sondern aus praktischer Beobachtung entstanden sind und daß sie 
durch ihr langes Bestehen den Beweis der Berechtigung erbracht 
haben. 

Solange es nicht geling^, an Stelle der bisherigen Usancen 
Bestimmungen treten zu lassen, die von allen Beteiligten rück- 
haltlos als fsaktisch durchführbar und angemessener anerkannt 
werden, würde dn Eingriff in die alten Gepflogenhdten des Markt- 
verkehres von den Gewerbetrdbenden als ungeredit und als dne 
wdtere Verschlimmerung ihrer an sich schon prekären Lage auf- 
gefaßt werden. 



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iL Abschnitt 
Der Bezug und die Verteilung des Fleisches. 

Bei dor Untersuchung der für unsere drei Städte in Frage 
kommenden Veraorgungsbezirke können wir zweckniäßigerweise 
eine Dreiteilung vornehmen: Das eigene Land, :also Baden und 
Bayern, speziell die Rhoinpfalz. zweitens die übrigen Staaten 
Deutschlands und endlich das Ausland. Vhor den ersten und den 
letzten Versorg^ngskreis werden einige allgemeine Bemerkungai 
am Platze sein, während die Erörterung Ober die Pkxleutimg der 
übrigen deutschen Staaten als Fleischlieferanten in die spt^ziellen 
Abhandlungen über Karlsruhe und Mannheim eingeschoben 
sein möge. 

Daß Baden für die alleinige Deckung seines Fleischbedarfes 
in gar keiner \\'(ms(^ ausreichen kann, z(Mgt schon eine nähere 
Betrachtung der einschlägigen Verhältnisse. Von einer Ausdehnung 
dieser Untersuchung auf Bayern können wir schon aus dem Grunde 
abs^en, weil Ludw igshafcMi das geringe Fleischquantum, welches 
nicht über den Mannheimer Markt geht, nur aus seiner allernächsten 
Umgebung bezi<'ht und weil die hierfür maßgebenden Verhältnisse 
der Rheinpfalz in keiner Weise v^on denen Badens abweichen. 

Ein Blick auf die Statistik zeigt uns, daß Baden über einen 
verhältnismäßig hohen Viehstand verfügt. Nach der am i . Dezember 
1 90.5 erfolgrten Landesvidizählung waren in den vier Bezirken -der 
Landeskommissäre vorhanden:^ 



') Die I-aiidwinscbafl im ( iiuliherzogluin Baden nach dciu ncucsttu Sland, 
Kurlsnihe i<K>6, S. 35. 



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7^ 



II. Abschnitt. 





Rinder 


Schafe 


Sdiwdne 


Ziegen 


Katlsrulio 
Maimiiciin 


• • ■ • 


186873 
216554 

147 77« 


" «95 

1 1 189 

(\ o(> I 


105 533 

> 53 95?^ 
403 
12.^482 


25036 
33083 
22 173 

44 745 




Summe . 


668 396 


56833 


468 365 


115 036 



Zum Vergleiche seien die Bevölkerungszahlen nach der Volks- 
zählung vom I. Dezember 1905* Ixm gefügt: 

C>rtsan\vesende Bevölkerung 

Konstanz 3 1 1 ,^ 1 8 

Freiburg 54 

Karlsruhe 5Ö7 .^97 

Mannheim . . 588 708 

Summe . 2010728 

Numerisch ist also der X'iehbrstand durchaus befriedigend« 
Besonders günstig tritt der Bezirk Konstanz hervor, der seiner 
Einwohnerzahl nacli bedeutend hinter den übrigen, untereinander 
ziemlich gleichen Bezirken zurückbltMbt. Kine andere Frage ist 
es, wie wdt dieser Viebstap<>l als Schla( htvieh für d'w Fleischver- 
sorgung in Rechnung zu ziehen ist, und in dieser Beziehung ge- 
]ang<>n wir zu einem wenigfor «'rfreulichen Resultate. 

Iiad<ni betreibt fast auss<:hließlich Nutzviehzucht und Milch- 
wirtschaft. Das zur Schlachtung bestimmte Großvidi rekrutiert 
sich zum weitaus größten Teile aus zur Zucht. Mi Ich Verwertung 
und Arbeit untauglichen Tieren. Daß die in den letzten Jahren 
vielfach gegründeten Genoss<'nschaften für Milchverwertung, die 
d«n Bauern einen gleichmäßigen Absiitz seiner Milch zu ange- 
messenem Preise sichern, die an sich nicht bedeutende Aufzucht 
von Tieren zu Schlachtzwecken noch melir in den Hintergrund 
gedrängt haben, unterliegt kleinem Zweifel. Aber das fast völlige 
l'ehlen von Mastv ii'h ist noch auf zwei Wintere, bedeutend wichtigere 
Ursachen, die in den A'erhältnissen di's lindes begründet sind, 
zurückzuführen. Einmal fehlt es in Bad^ an den großen Flächen, 

* Diu endgültigen Kigel)aisse der Volkszählung vom i. Dezember 1905 im 
GntRbencogtum Baden. 



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Der Bc/ug und die Verteilung des Fleisches. 



77 



welche, wie z. R im Norden Deutschlands, eine billige Weide- 
wirtschaft möglich machen. Andererseits sind bei der allein durch- 
fohrbaren Stallfütterung die Futtermittel unserer Landleute infolge 
des allgemdnen Kldnbetriebes doiartig begrenzt, daß ae schon 
zur Erhaltung des Milch- und Nutzvi^es durch ausländische, teiure 
Kraftfuttermittel ergänzt werden müssen. Eine nach streng wirtp 
schaftlidien Grundsätzen durchgeführte Mästung ist also in der 
großen Menge der landwirtschaftlichen Betriebe völlig ausge- 
schlossen. Das von badiscfaen Plätzen auf die Märkte zum Ver- 
kauf gebrachte »Mastviefac führt diese Bezeichnung sehr zu Unrecht 
und setzt sich fast ausschließlich aus ausrangierten Zuditfarren 
und Milchkühen, die notdürftig aufgemästet sind, zusammen. 
\Snrkliche Mastware liefern nur die wenigen Grroßbetriebe und 
die Zuckerfabriken, namentlich Heflbronn und Waghäusel, welche 
auf diese Weise eine sehr rentable Ausnützung ihrer Abfallstoffe, 
der Rübenschnitzel, erzielen. Auch die in letzter Zeit für Magerviefa 
hiMrrend gestiegenen Preise entmutigen den klonen Bauer immer 
mehr, die Mast wenigstens nebenbei durch Einstellung eines oder 
mehrerer Rinder zu betrüben. Gerade da, wo die Vorbedingungen 
zur Vi^mast einigermaßen gegeben wären, wie im badisdien 
Baulande und Hinterlande, ziehen es die Landwirte heutigentages 
vor, ihr Einstellvieh zu hohen Prdsen nach andren Plätzen ab- 
zusetzen, anstatt selbst die Mast durchzuführen. So kann man also 
für Baden sagen, daß der Bestand an schlachtreifem Großvieh in 
keinem Verhältnisse zu dem vorhandnen Vidibestande steht. Wenn 
Dörr^ dah«r für den Kreis Mannhdm sagt: 

» In den eigentlichen Gemeinden des Kreises wird 

Mästung von Schlachtvieh nur nebenbei betrieben. Seinen Grund 
hat dies darin, daß bei der ausgedehnten Milchwirtschaft die jungen 
Kalber schon nach einigen Tagen veräußert werden, weü die zur 
Aufzudit erforderliche Milch besser verkauft wird. Was in diesem 
an Fettvieh zum Verkauf kommt, sind abgängige Milchkühe, die 
aufgemästet und verkauft werden, oder fette Rinder, die nebenbei 
aufgezogen und gemästet werden«, so ist diese Feststdlung be- 
züglich des Rindviehes für ganz Baden als zutreffend anzuerkennen 
und, was die Bemerkung über fette Rinder anbelangt, sogar noch 
in ungünstiger Richtung einzuschränken. 

* Der Absau landwirUcbaftUcber Erzeugnisse im Kreise Mannheim iu s Volks* 
wirtsdiaftUdie Abhandlungen der Badischen Hodiscbalen« IX. Band, t. Eig.-Hefl S. 84. 



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7« 



II. Abschnitt. 



Wie sehr die Versorgung Badens mit eigenem Schweinefleisch 
zu wttnschen übrig läßt, haben wir bereits froher betont, wenn 
auch nicht zu verkennen ist, daß sich die badischen Landwirte 
in den letzten Jahren mehr der Schweinemästerei zuwenden, da 
diese einen rascheren Umsatz und schlankeren Absatz des Fto- 
duktesalsandere landwirtschaftliche Betriebszweige bietet. Besonders 
in den Jahren mit niedrigen Futterpreisen nimmt die Zahl der 
• zur Mästung eingelegten Ferkel zu, da dann die reichlich geemteten 
Xartoffeln in der Erzeugung von Schweinefleisch eine bessere 
Verwertung als in direktem Verkaufe finden. In schlechten 
Emtejahren ist dann allerdings der Rückschlag wieder um so 
heftiger, was wir bereits zahlenmäffig festgestellt haben. Jedenfalls 
entspricht das Angebot in keiner Weise dem Bedarfe; selbst in 
den Landgemeinden mit starker Arfaeiterbevölkerung stdit der 
Verinraucfa an Sdiweinefldsdi in großem Mißverhältnisse zu der 
eigenen Produktion, so daß von einer Versorgung der Städte 
überhaupt kdne Rede sein kann. Hier müssen also andere 
Staaten, besonders die norddeutschen, helfend eingreifen. 

Daß der Bezug auf diese weiten Entfernungen verteuernd 
wirkt, kann nicht wohl bestritten werden, wenn auch zuzugeben 
ist, daß der Versand auf den großen Umschlagplätzen, wie 
Berlin, Hamburg und Breslau zu kaufmännisch kalkulierten ge- 
ringen Sätzen in ganzen Wagenladungen erfolgt So berechnen 
z. K die Berliner Viehkommissionshandlungen für Sdiweine in 
Wagenladungen pro Stück 50 Pf. Provision. Die Fracht von Beriin 
nadi Mannheim beträgt in Wagenladungen pro Stück M. 2 — 2.50. 
Bedeutoider sind aber die wdteren prdssteigemden Faktoren. 
Der Lebendgewichtsverlust macht ca. 10% aus, ganz abgesehen 
davon, daß auch das Schlachtgewicht durch diese I.ebendgewichts- 
Verminderung ungünstig beeinflußt wird. Sehr ins Gewicht fallend 
ist bei den weiten Transporten der Verlust durch das Eingeben 
von Tieren, der, besonders in der heißen Jalureszeit, bei einer ein- 
zigen Sendung erheblidi sein kann. 

Die Ziegen- und Schafzucht kommt für die Fleischversorgung 
am wenigsten in Frage. Erstere wird von dem kleinen Manne 
fast ausschließlich nur der Milchgewinnung wegen betrieben. Nur 
im Frühjahre ist die Zahl der geschlachteten Zicklein ziemlich er- 
heblich. IMe Schafzucht ist mit der wachsenden intenäven Be- 
.bauung des Bodens ständig zurückgegangen. Einigermaßen aus- 



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Der Bc/tig und die Verteiluni; des Fleisches. 



79 



gebreitet war sie Ende der achtziger Jahre» als infolge des von 
Frankreich auf lebende Hämmel aufgelegten hohen Zolles die 
Aufzucht und der Export der geschlachteten Ware nach 
Frankreich lohnend war. Heute legt der Bauer der Aufzucht von 
Schafen keine Bedeutung mehr bei, nm so weniger als dn früher 
wichtiges Moment, die Düngung des Bodens, infolge der jetzt 
angewandten künstlichen Düngung in Wegfall gekommen ist 
Einige Schafzuchtsbetriebo befinden sich noch im hinteren Oden- 
walde. 

Daß das Ausland infolge der erlassenen Einfuhrbeschrän- 
kungen nur in sehr untergeordneter Weise an der Fleischver- 
sorgung des deutschen Inlandmarktes beteiligt ist, bildet in den 
letzten Zeiten den Gegenstand so ausgedehnter und heftiger 
Polemiken, daß eine zusammenhängende Darstellung, inwieweit 
Deutschland vom Auslande bezüglich der Vieh- und Fleiscfaein- 
fuhr isoliert ist, von Interesse sein wird. Bemerkt sd, daß auch 
die Einfuhr, soweit sie gestattet ist, gewissen Bestimmungen bzw. 
Beschränkungen unterworfen wird. So werden Wiederkäuer, 
Schweine und Pferde nur dann dngdassen, wenn sie infolge einer 
an den ZoUstellen durch einen beamteten Tierarzt vorgenommenen 
Untersuchung, für welche eine Vergütung^ zu entrichten ist, als 
gesund erklärt werden. Die Einfuhr ist eventuell auf bestimmte 
Stationen und Tage beschränkt und von der Beibringung von 
Ursprungszeugnissen abhängig; soweit sie auf dem Seewege er- 
folgt, sind die eingeführten Wiederkäuer und Schweine, bevor sie 
zur Schlachtung innerhalb oder außerhalb des Hafenortes oder 
für den Verkehr freig^eben werden, einer vierwöchigen Quaran- 
täne auf Kosten der Importeure zu unterwerfen. Nur gegenüber 
Dänemark, Schweden und Norwegen ist die Quarantäne auf 
lo Tage herabgesetzt. 

Sehr scharf ist die Absperrung Deutschlands gegen Ruß- 
land. Die Einfuhr von Rindern (seit 1873), Schafen und frischem 
Schaffleisch (seit 1885), von Ziegen, frisdien Teilen von Wieder- 
käuern und im allgemeinen auch von Schweinen (seit 1889) ist 
verboten. Jedoch darf nach sechs an der schlesischen drrenze 
gelegenen Schlachthäusern ein gewisses Kontingent von Schweinen, 

• Die von dem Importeur /.« tragenden Säl/.c betiagcn /. U. in Preullcn pro 
ScMc: Fflr Pfenle Mk. 3.—, Rinder Mk. 1.50, Jung>'ieb Mk. i.— , Kälber und 
Sdiweine Mk. — .20, Sdiafe Mk. — .10. 



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8o 



IL Abschnitt. 



welches kürzlich von zusammen 1360 auf 2500 Stück pr<:> Woche 
erhöht worden ist, zur sofortijjfcn Abschlachtung importiert werden, 
lyrisches SchweinefUMsch, soweit nicht gargekocht, ist von der 
Einbringung ausgeschlos-sen, dagegen Speck frtMgegeben. 

Mit ( )sterreich-l'ngarn, für die Fleischversorgung Deutsch- 
lands nanientlich durch seine starken Exporte von Rindvieh 
wichtig, wurde ein Viehseuchenübereinkommen getroffen, welches 
seit dem 1. März 1906 in Kraft ist und u. a. folgende Abma- 
chungen enthält. Das von den durch Lungenseuche betroffenen 
Landesteilen, die in gewissen Zeitabständen bekannt zu geben 
sind, stammende Rindvieh ist überhaupt von dem Import ausge- 
schlossen. Im übrigen dürfen Rindvieh und Schafe, sofern die 
Abschlaclitung innerhalb vier Tagen erfolgt, in die öffentlichen 
Schlachthäuser von insgesamt 123 .Städten eingeführt werden. 
Schweine sind nur in ßayern, und zwar in die Grenzschlachthäuser 
zu Passau und Rosenheim (jährhch 25 000 Stück) sowie in .Sachsen 
in beschränkter Anzahl zugelassen, Ziegen über bestimmte Zoll- 
stellen. Die österreichischen Hinterländer sind von der Vieh- 
lieferung v(»llig ausgeschlossen. Frisches Rindfleisch, Kalbfleisch 
und Schweinefleisch sowie .Schaf- und Ziegenfleisch, letzteres auch 
zubereitet, sind zur Einfuhr freigegeben. 

Italien darf Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen überhaupt 
nicht einführen. Bezüglich des frischen und zubereiteten Fleisches 
ist es mit Österreich-Ungarn gleichgestellt. 

Aus der Schweiz dürfen seit 1900 Schweine und .Schafe 
nach .Süddeutschland bzw. Elsaß-Lothringen nicht mehr eingeführt 
werden. Die Einfuhr von Rindern und Ziegen ist seit 19(^0 bei 
Beibringung von Ursprungszeugnissen und unter Voraussetzung 
der Grenzuntersuchung erlaubt. An l'leisch sind dieselben Arten 
wie für ( )sterreich-LTngarn und Italien zugelassen. 

Holland und Belgien dürfen lebendes Scldachtvieh überhaupt 
nicht importieren. Die Einfuhr von frischem Rindfleisch, .Schaf-, 
Ziegen- und Schweinefleisch ist für Holland gestattet. Belgien 
ist die Einbringung frischen Rindfleisches untersagt, da es seiner- 
zeit den Import frischen amerikanischen Meisches zugelassen hat, 

Frankreich ist mit Holland gleichgestellt. Die Einfuhr von 
W'itiderkäuern und Schweinen ist seit Frühjahr 1894 in Süd- 
deutschland, den Reicbslanden und preul^ischen Grenzbezirken 
völlig untersagt. 



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Der Bezug and die Verteilung des Fleisches. 



T)änemark ist die Einbringung' von Rindern auf dem See- 
wege über die Quiirantänestationen mit lotägiger Quarantäne 
g^estattet. Außerdem ist jedoch auch eine J.andquarantäne befugt, 
magere, noch nicht vierjährige Ochsen in festgesetzte»! Monaten 
nach der üblichen Beobachtungszeit zum freien Verkehre zuzu- 
lassen. Auch die übrigen Schhichttiere mit Ausnahme der 
Schweine und deren Meisch (seit 1895) dürfen importiert werden. 

Aus .Schweden und Norwegen ist die Einfuhr von Rindern, 
Schafen, Ziegen und Schweinen verboten, die von frischem Fleische 
mit Ausnahme des Schweinefleisches erlaubt. 

Amerika darf Schafe, Ziegen und Schweine mit viervv()chiger 
(Quarantäne einbringen, der Import von Rindern und frischem 
Rindfleische ist seit 1H94 völlig untersagt. Den Sendungen mit 
Schweinefleisch müssen Untersuchungszougnisse beigefügt werden. 

England darf weder Wiederkäuer noch Schweine impor- 
tieren, dagegen ist das frische Fleisch freigegeben. Der Bedeu- 
tung, welche England für die inländische Viehzucht zukommt, ist 
insofern Rechnung getragen, als Zuchtschafe und -Schweine 
ohne Quarantäne eingeführt werden dürfen, vorausgesetzt, daß die 
Zentralbehörde des die Einfuhr empfangenden Bundesstaates und 
der Küstenstaat damit einverstanden sind. 

Der Pferdeimport ist aus allen vorstehend aufgeführten 
Ländern über bestimmte (irenzstationen gestattet. 

Daß die Einfuhr frischen Fleisches, soweit überhaupt erlaubt, 
an die Erfüllung gewisser Vorbedingungen geknüpft ist, wurde 
bereits in einem früheren Kapitel erwähnt. 

Die Erlaubnis, zubereitetes Fleisch in das Inland einzuführen, 
hängt von der Möglichkeit ab, dasselbe einer Untersuchung auf 
seine Unschädlichkeit zu unterziehen. Deshalb ist die Einbringung 
von Pökelfleisch, sofern das (jewicht der einzelnen .Stücke 
weniger als 4 kg beträgt, Schinken, Speck und Därme ausge- 
nommen, verboten. Vollständig von der Einfuhr ausgeschlossen 
ist Hundefleisch und das zubereitet(^ Fleisch von Pferden sowie 
anderen Einhufern, ferner Würste und sonstiges (remenge aus 
zerkleinertem Fleische. Endlich darf das mit gewissen chemischen 
Stoffen behandelte oder in luftdicht verschlossenen Büchsen ver- 
packte Fleisch nicht importiert werden. 

Diese scharfe Absperrung Deutschlands gegenüber den 
anderen Staaten hat bewirkt, daÜ das Ausland in der Frage der 

Brandt, Die Flrisciivmoriping. g 



82 



II. AlMcbnitt. 



Fleisch versoricung iniincr mehr in den Hinter;^nind i^odränt;"t 
wurdo und heute für die im Herzen Deutschlands ^ele^eneii 
Landesteile überhaupt nicht mehr in Frage kommt 

Nur für die an den Grenzen geleg-enen Staaten, zu deneii 
ja auch Baden und Bayern gehören, ist der Import ausländischen 
Viehes und Fleisches noch von größerer Bedeutung. 

I. Kapitel. 

Die für die Fleischversoiirung wichtigen Produktionslander. 

Die folgende Untersuchung basiert auf den Angaben der 
Schlachthofdirektionen Karlsruhe und Mannhdm bezüglich der 
Herkunftsorte der den A^efahöfen zugetriebenen. Tiere. Man darf 
nicht vergessen, daß das durch den Viehmarktverkehr gewonnene 
Resultat nur in bedingtem Maße brauchbar ist, um sich von der 
Wichtigkeit der einzelnen Länder für die Fleischversorgung der 
Stadt ein Bild zu machen. Denn einmal sind in den ermittelten 
Prozentzahlen die dem Schlachthofe unter Umgehung des Vi^<* 
hofes zugeffihrten Tiere Oberhaupt nicht enthalten. Von ihnen 
kann man allerdings mit Sicherheit annehmen, daß sie durchweg 
aus der näheren Umgebung stammen. Anderers^ts tritt durch 
die vom Viehhofe direkt nach anderen Bezirken ausgeführten 
Schlachttiere, die in den Ptozentziffem inbegriffen dnd, ffir die 
Versorgung der Stadt aber gar nicht in Frage kommen, eine 
Trübung des Bildes ein, die um so größer sein wird, je wichtiger 
die Stadt selbst für die Versorgung der umliegenden Städte und 
entfernterer Landesteile ist. 

• Immerhin gewährt die j^'-ekenn/cichnete Methode einen höchst 
interessanten Überblick, der genügen muß, solange nicht eine 
Herkunftsstatistik über das im Schlachthofe getötete \'^ieh, die 
allerdings auf außerordentliche Schwierigkeiten stoßen würdt-, 
geführt wird. 

1. Karlsruhe. 

Die Bedeutung der einzehien iJinder für die A'ersorguni^' 
des Karlsruher \'iehmarktes führt folgende Tabelle vor Augen: 



Der Bezug und die Verteilung .des Fleisches, 
eu (iroiJvieli. 



83 





1901 


igo2 


1903 


1904 


1905 


St 




St. 




St. 




St. 




St. 


o/o 


Baden ...... 




40.65 


2831 


2<>3 




21.(1 


2054 


2I.(> 


2653 


30.29 


WOrttembeii; .... 




1 9.66 


1688 






14.8 


(.44 


6.K 


1204 


I3-75 


Bayern 








M 


444 


4-.> 


4,S.> 


4-^ 


1 2(.8 


14.4S 


Rhein[)fal/ .... 










->4 


2. 1 


1') 






3.01 


Elsali-Lüthi inycii 




0.1 1 


1 3 


0. l 


1) 


0. 1 


3 


O.I 


iOl 


'■>5 


Norrideutsdkland . . . 




0.23 




0.7 






■ - 








Österreidi-Ungam . . 




3». 70 


5447 


50.6 


5»86 


57« 


6121 


64.4 


3269 


373» 



Baden liefert also noch nicht einmal die Hälfte des auf- 
getriebenen Rindvi^es» ein Beweis fQr den Mangel an schlacht- 
fähigem Grroßvidi, der durch die Geringwertigkeit der zum 
Verkaufe gebrachten Tiere noch verschärft wird. Besonders un- 
günstig sind die Jahre 1902 — 1904, während 1905 eine Besserung 
Antritt. 

Den I.owcnaiitoil an dor Ik'schic kunj*" des Marktes nimmt 
( )stfTreich-Uni.j"arn in Ans])riK h, das im Jahrr i(>()4 nicht wonijjfer 
als 64.4",,, liofcrlc. Im Jahre trat ein erh(>blieher Kückgan^u' 

ein, welcher eine ganz spezielle Ursache lialLe: 1^04 herrschte 
nämlich in l'ngarn die Maul- und Klauenseuch(\ Sie wurde durch 
A'i(^htranspürte nicht nur nach Karlsruhe, .sondern auch nach einer 
großen A nzahl ander<T süddeutscher Schlachthetfe, wie z.B. Pforzheim. 
H(ndell:)( rg. Mannheim, Ahiinz. Stuttgart usw.. einges<?hleppt und 
.setzte allen 'rilgungsN ersuchen hartnäckigen Widerstand entgegen. 
Aus diesem (irunde wurde zur I^'kämpfung der Seuclu ngefahr 
vom (iroßh. Ministerium des Innern für das aus ( ).sterreich-ITngarn 
eingeführte A^ieh (Mue Abschlachtungsfrist \on 4 Tagen festgesetzt. 
Ohne ZwiMfel hängt di(^ .starke Ahnalmic der Tmportziffern im 
folgenden Jahre mit diestT ATaßregel zusammen. Noch ungünstiger 
gestaltet sich die Lage im Jahre 1906 unter tler Ägide der neuen 
I landelsx (Tträge. Sie haben geradezu zur .Xusschaltung ( ).sterreich- 
Ungarns vom Markte geführt. Wie groß infolge der veränderten 
Einfuhrbedingungen der Ausfall an Vieh auf dem Karlsruher und 
Mannheimer Markte i.st, mögen einige Zahlen illustrieren. 

6* 



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8^ 11. Abücbniu. 

Die Einfuhr von GroBvidi aus Osterreich-Üngarn gcstaltefte 
sich vor und nach den Handelsverträgen^ folgendermaBen: * 

Einfuhr vor den Handels v ertrlgen. 



Karlsruhe iqo^. 



AI o n a t 


Ochsen 


Kühe 


Kinder 


Farren 


März 


1.S4 


15 


40 


2i) 






34 


42 


41 


H»i 


124 


-/ 


4« 


72 




54i 


;6 


130 


142 



Zusammen = 891 Stuck. 



Mannheim 1905. 



Monat 


Ochsen 


Kühe 


Rinder 


Farren 


Summe 


März 






















248 


Hai 










295 



Zusammen = 756 Stück. 



* Bdamatlidi hat der nene Handebvertn^ vom i. Mine 1906 fflr unportierte 
Tiere GewiditaiOUe an SteUe der StOdulllle und damit eine erhebUdie Mebrbdastmg 
des Viehes gebracht. 





Einfuhrz 


üile nach 


ifchrzoll 
für die 
Zuicunft 


dem alten Tarif 


dem Tarif v. I./IIL 1906 


Ochsen ... 


25.50 ./i pro Stadt 


8. — JS pro 100 leg 


30.50 Jf 


Rinder midKtÜie 


9.— » » » 


8.— » » » 9» 


23— > 


Sdiwdae . . . 


5. — » » > 


9. — » » » » 


8,— » 



Dabei lind Ochsen & kg 700, Rinder and Kühe & kg 400, Sdiweine & kg 150- 

ai^ienommen. 

- Vcij;!. Eingabe des Voi.standes des Lkviiksvercins Baden-Pfalz im deadcfaen 
Fieiücbcrverband an das Großh. Ministerium des Innern, Karlsruhe. 



Digitized by Gt) 



Der Bezug und die Verteilung des Fleucbes. 
Einfuhr nach den Handelsvertragen. 



Karlsruhe 1906. 



Monat 


Ochsen 


KOhe 


RJnder 


Farren 




21 


1 


3 


i 


April 










Mai 












21 


I 


3 


I 



Zusammen = 26 Stück. 



Mannheim 1 906. 



Monat 


Ochsen 


Kflhe 


Rinder 


Fan«n 


Summe 












92 












66 


Mai 










35 



Zusammen =193 StQck. 



S(> ergibt sich also für das crsto A'itTU'ljcilir cUs nfut-n Tarifcs 
gegen die gleiche Zeit des Jahres i()o^ für Karlsruhe ein Minus 
von 865. für Maniüieim von 56;^ Stück Großvieh. Und selbst 
diese so rapid gesunkene Einfuhr konnte nur infolge der unnatürlich 
gestiegenen Inlandspreise aufrecht erhalten werden. Ks ist höchst 
bediiiK rlich, daß gerade Österreich-Ungarn, welches früher so hervor- 
ragend« mi Anteil an der regelmäßigen Lieferung \on (iroßvieh — 
und zwar durchschnittlich von guter Qualität - hatte, durch die 
gegenwärtigen A^'erhultni.sse xoni Markte V(Tdrängt wird. Kin Ersatz 
dieses Ausfalls aus anderen, deutschen Staaten ist nicht wohl an- 
zunehmen, so dal*» ein noch größ<Ter Mangel an (iroPivieh und 
damit Hand in Ifand ein weiteres Steigen der Preise die natürliche 
Eolge sein dürfti». 



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86 



11. Ab&clmiu. 



An dritter Stelle in der Beschidcung des Marktes mit Grroßvidi 
steht WflrtfcembiTg, allerdingsmit von Jahr zu Jahr geringer werdenden 
Quoten. Der Anteil Bayerns tritt nur im Jahre 1 905 starker hervor. 
Norddeutschland kommt überhaupt kaum in Frage. Audi die 
Rhdnpfalz und Elsafi-Lothringen nehmen an der Versorgung nur 
in besdiddenem MaJSe teil. 

b. Kleinvieh mit Ausnahme der Schweine. 



An der Lieferung von Kälbern, Schafen, Ziegen und Kitzlein 
beteiligen sich die folgenden Staaten: 





I9OI 


1902 


»903 


1904 


1905 


Stück 




Stück 


«0 


Stück 




Stück 




Stück 




Madfii .... 






I 2 ~(\2 


70.00 






1 1 ;2S 






6(),44 


Würtiemberj; 








2.4 


')4.S 






\'7 




4.0^ 


Bayern . . . 




»9.15 


412 


2,3 




".7 


17 


0,1 


4S 


0,25 


Rheiapfalz . . 






3835 


21,00 


4019 


22,3 


4276 


24.7 


4 «55 


23.65 


EliB0>LodiriB^Tt 










196 


j,i 


108 


0,6 


297 


1,68 


Norddeutschland 






731 


4,00 


859 


4.8 


546 


3.2 


583 


3.31 




















2 


0,01 


Ustcrieich-Ungarn 






33 


0.3 




0., 


(1 


0,1 


2 


0,01 



Das Ausland, besonders Osterreich-Ungam, scheidet hier fast 
vollkommen aus; auch die entfernteren deutschen Landesteile stellen 
nur ein kleines Kontingent Der Grund hierfOr ist in den bei 
dem Kletnvidi sehr ins Gewicht fallenden Transportkosten und in 
den Grefahren des V^-sandes, die vorzugsweise bei Kälbern erheblidi 
sind, zu sudien. An unbestritten erster Stdle steht Baden sdbst, 
welches eben infolge der geschilderten Verhaltnisse bessere Vor- 
bedingungen für die Broduktion von Kleinvieh, insbesondere Kälbern, 
als fOr die Au&ucht und Mästung erfüllt Gerade der Kleii)betrieb 
stellt die große Masse der Kälber, die nur die unumgängh'ch not- 
wendige Zeit im Stalle bdialten und dann zur Schlachtung abge- 
stoßen werden. Die Zahl der zugetriebenen Sdiafe und Segen ist 
so gering, daß sie den Kälbern gegenüber nicht ins Gewicht fällt- 
Hauptsächlich sind es die Taubergegend, das Bauland, Neckartal, 
der Odenwald, der Pfinz- und Kraichgau, welche die meisten Tiere 



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Der Beziig und die Verteilung des Flei&ches. 



^7 



stylen. Sehr oheblidi ist auch die Zufuhr der ■. nahe gelegenen 
Rheinpfalz, v^Shrend Bayern mit Ausnahme des Jahres 1 90 1 ( 1 9. 1 5 
immer mehr zurQcktritt Württemberg beteiligt sieb nur mit einem 
kleineren, ziemlich stabile Kontingente. Im allgemeinen kann man 
sagen, daß fOr die Versorgung des Karlsruher Marktes mit Kälbern 
— :denn um diese handelt es sich bei der Bezeichnung »Kldnvieh« 
fast ausscfaliefflich — nur nahe gelegene Grebiete in Frage kommen 
können. 

c. Schweine. 



"Die Besdiickung des Marktes mit Schweinen zeigt folgende 
Tabelle: 





igoi 


1 902 


»903 


1904 


»905 


Stück 


i 


Stock 




Stttck 




StQck 




Stock 




Baden .... 




53.29 


14 103 


4<>.7 


10089 




V» 37/ 


20,5 


14450» 


39.ao 


\Vürttenib«]g 




1 2,2() 


3 54» 




2 914 




''S' 


2.5 


1399 


3J9 


Bayern .... 




5,00 


() 960 


23,00 


7 246 


H>,0 


4 020 


8,8 


2 227 




Rheinpfalz . . 


- 




(.85 


2,3 


505 


IJ. 


881 


2,0 


■)49 


2.57 


EIbaB- Lotfarii^en 




0,4^ 


69 


0.2 


801 


1 


«35 


1,8 


>5>5 


4»ir 


Hohcnxollero . . 






": 




181 


< >. ^ 










Norddeutschland 




25.42 


4625 




i() 231 


42.7 


29 436 


64.3 


16033 


4349 


Luxemburg . . 





3.54 


229 


0,8 






5« 


0,1 


»93 


0.79 



Mdir als bei den anderen Tierarten fällt hier die Unregel- 
mftBigkeit in der Höhe der von den einzelnen Ländern zugefQhrten 
Kontingente auf, woraus sich als natürliche Folge die schon beob- 
achteten großen Schwankungen in den Scfalacfatresultaten ergaben. 
Die Differenzen in den Rrozentzahlen der dnzelnen Jahre, wie z. B. bei 
Baden (hödiste Zahl 1901 = 53*29 <'/o, niederste Zahl 1904 = 20.5*^/0) 
oder bei Norddeutschland (höchste Zahl 1904 = 64.3^/0. niederste 
Zahl 1902 s i5*3%)t sind außerordentlich. Diese beiden Länder 
sind die hauptsächlidi in Betracht kommenden Lieferanten, und zwar 

Für dieses Jahr ist eine Spczialisiciuiij^ ilurchgeführt. Es haben nünilich 
geliefert: Schwai/.wald 3784 Stück = 10.260 0 

Odenwald 752 » s 2.04 °o 

aonsüge badisdie Gegenden 9914 » = 36.900^0 

14450 Stade = 39.300/0 



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88 



II. Abfldinitt. 



derart, daß Norddeutschland dann cinigermaßen ergänzend an erste 
Sti'll(> tritt, \v(>nn (H(> badische Produktion gar zu sehr hinter dem 
Bedarfc zurückbleibt. 

Im Jahre 1901 ließ sich im Vergleiche zu den X'orjahren fest- 
stellen, daß sowohl bei den Rindern als auch besonders bei dcai 
Schweinen ein größeres Angebot als frühcT aus dem badischon 
Lande vorhanden war. in den folgcntien Jahren machte sich aber 
starker Rückgang in der Zufuhr badischer Schweine bemerkbar, 
und erst in letzterer Zeit wird dieses Mißverhältnis z wischen Produktion 
und Verbrauch durch die erhöhte Aufmerksamkeit, wdchc die 
Bauern der Schweinezucht zuwenden, etwas gemildert Es unterliegt 
keinem Zweifel, daß dieser Betric V)s^weig bei den gegenwärtigen 
Preisen durchaus rentabel ist und es ist einigermaßen verwunderlich, 
daß das eigene I.and bei dem zur Schwei neproduktion wie ge- 
schaffenen Kleinbetriebe und bei den besonders günstigen Vor- 
bedingunüfon . welche einzelne Teile bieten, eine verhältnismäßig 
so wenig bedeutende Rolle spielt. Allerdings ist zu berücksichtigen, 
daß im Jahre 1904 di( Preise für Ferkel und Mastschweine äußt^rst 
niedrig waren, während die Futterpreise hoch standen. Die Landleute 
kamen daher bei tlir^tem ^'orkaufe der Kartoffeln in die Städte 
besser auf ihre Rechnung als durch die Verwendung zur Schweine- 
mast Die damalige Reduzierung des Schweinebestandes wirkt 
naturjjemäß auch unter veränderten Verhältnissen noch nach, zumal 
da der Bauer bekanntlidi viel zu konservativ ist, als daß er eine 
veränderte Marktlage rasch erfassen und zu seinen Gunsten aus- 
beuten könnte. Der Einwurf, daß eine derartige veränderte Be- 
triebsweise einen größeren Zeitraum zur Erzielune ^ f n Resultaten 
bedinge, trifft beim Schweine weniger als bei den anderen Schlacht- 
tieren zu. Denn gerad(> dieses ist schnell vermehrbar und innerhalb 
weniger !Nfonate schlachtreif. 

Die Bedeutung Norddeutschlands bezüglich der ^\'rscM:gang 
mit Schweinen haben wir bereits gekennzcMchnet. Daß es eine 
Verringerung der Zufuhr eintreten läßt, sobald Baden selbst wieder 
leistungsfähiger geworden ist, läßt sich daraus erklären, daß es 
selbst mit derselben Kalamität wie Baden — knappen Futtermitteln 
und Verringerung der Schweinebestände — zu kämpfen hatte. ^ 



* Veisl. Verwaltui^beridit der Sdiladit« und Viefabofverwaltang StrafUjuij i. E. 
1905 S. 7. 



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iJer Jkzu^ und die Vciteilung des Fki:»cheü. 



«9 



Von den übrigen iJlndem treten eigentlich nur Württemberg 
und Bayern, im Jahre 1905 £lsaß-Ix)ihringen etwas hervor. Die 
beiden ersteren jedoch« von denen besonders Bayern in den Jahren 
1902 und 1903 einen größeren Prozentsatz stdlte, zdgen in den 
letzten- Jahren ständig abnehmende Zahlen. Die Rheinpfalz und 
das Ausland, nämlich Luxemburg, beteiligen sich nur mit einer 
besdieidenen Quote. 

Das Ergebnis der obigen Untersuchung wäre in kurzer Zu- 
sammenfassung, tlal^ Baden nur bei der J.ieferung von Kleinvieh 
(mit Ausnahme» der Schweine), vornehmlich Kälbern, d\r ihm von 
Rechts wegen zukommende erste Stelle einnimmt. Bei Großvieh 
war bisher ( )sterreich-l'ngarn, bei Schweinen meist Xorddeutsch- 
land der ausschlaggebende Versorgimgsbezirk. Von den Baden 
zunächst liegenden Gebieten Württemberg, Bayern, Rheinpfalz und 
Elsaß-Ix)thringen beteiligen sich nur Württemberg und im h^tztt^n 
Jahre Bayorn in Großvieh, die RheinpftUz in Kleinvieh (^twius 
lebhafter an der Beschickung des Karlsruher Marktes. Die übrigen 
deutschen Staaten kommen gar nicht in I^Vage. Die Anteilsquote 
des Auslandes ist, wenn wir von Osterreich-Ungam für Großvieh 
absehen, für lebende Tiere äußerst dürftig. 



d. Frisches Fleisch. 

In zweiter Linie wären die Verhältnisse in der Einfuhr ge- 
schlachteten Viehes etwas näher zu untersuchen. 

Die Einbringung frischen Fleisches wuxl sehr häufig als 
vorzügliches Mittel zur Undening der bestehenden Fleischnot 
gepriesen, wobei man ganz die schweren Bedenken übersieht, 
welche gegen sie sprechen. Ganz abgesehen von der Tatsache, 
daß sich unter dem eingeführten Fleische viel minderwertiges 
befindet, sind drei Grründe für die Befürwortung der Einschränkung 
anzuführen. Erstens sind die Transportkosten und sonstigen 
Spesen so bedeutend, daß das Argument der Billigkeit stark 
anzufechten ist So wird z. B. das Auslandfidsch, den Zoll eingre- 
rechnet, um etwa 22 — 23 Ff. pro Pfund verteuert Dann fällt 
ins Gewicht, daß die Quantitäten des eingeführten Fleisches in 
den einzelnen Monaten stark schwanken und daß die Einbringung 



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qo 



II. Absdinkt. 



hauptsächlich auf die kältere Jahreszeit beschränkt ist,^ so daß 
von einer dauernden Unterstützung; des heimischen Angebotes 
niclit die Rede sein kann. Daß die Qualität des Fleisches stets 
durch vStaub und Ruß leidet, sei nur nebonbei erwähnt. Der 
dritte und hauptsächlichste (irund ist abt r der, daß der Metzger 
zur Verarbeitung des Ilcisches der frischen Eingeweide, des 
IMutes und des Innenfettes bedarf inid. da diese Teile beim In- 
landfleisch gewöhnhch niclit mitgeliefert werden und beim Aus- 
laiidfleische oft verdorben sind, vielfach überhaupt auf den Bezug 
derartigen Fleisdies verzichtet. So ist besonders in Ludvvigshafen 
die Beobachtung zu machen, daß die Einfuhr von frischem Fleische 
sdhr geringfähig ist, da eben das sogenannte -Gerebec fehlt.* 
Auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkte, der die intensive 
xVusnutzung aller Nebenprodukte fordert, ist deshalb einer Be- 
günstigung der Fleischeinfuhr nicht das Wort zu reden; auch die 
Stadt Karlsruhe hat sich dieser Auffassung angeschlossen, indem 
sie vor einigen Jahren die Beschaugebühr von i auf 2 Pf. pro kg 
erhöhte. 

Rindfleisch, Kalbfleisch und Schweinefleisch wird haupt- 
sächlich aus dem Bezirke Durlach, ferner aus Ettlingen, Rastatt, 
Bruchsal und Eppingen eingeführt. Das Hammelfleisch stammt 
größtenteils aus Ettlingen. Von Auslandfleisch wird in frischem 
Zustande fast ausschließlich nur Schweinefleisch, und zwar aus 
Holland und Frankreich importiert Als ausländische Herkunfts- 
bezirke für zubereitete Fleischwaren wären noch zu nennen: 
England. Österreich-Ungarn, Schweiz und PVankreich für Schinken, 
Italien, Österreich-Ungarn, Schweiz und Frankreich für Speck, 
Rußland und Ungarn für geräuchertes Fleisch, Belgien imd Oster- 
reich für sonstige Fleischwaren. 

Die nadistehende Tabelle veranschaulicht die Quantitäten 
des eingefDlirten, aus der Umgebung und dem Auslande stam- 
menden und im Schlachthofe zur Besdiau gelangten Fldsches. 
Jedoch ist zu berücksichtigen, daß diese Ziffern nur den größeren 



' So i)cUiig z. B. tlie Einfiibi frischen und geiüucheiun l'lcisclies in Karlsruhe 
in den bdden am meiatai voneinander abwdchenden Monaten des Jahre« 1905: im 
Juli: 64930 kg^ im November: 181.354,20 kg. "Vtr^ Stat MonaOberidiM der 
Hanpt- und Residenzstadt Karlsrahe, V. Jahrg., Jan. De/. 1905. 

* Laut mündlicher Mitteilung des Dirdcto» des dortigen Schlachthofes. 



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Der Bezug und die Yerteilui^ des Fieisch«. gi 

Teil der tatsächlich in den Stadtbezirk eingebrachten Fleischmenge, 
die nur durch das Oktroi zu vermitteln ist, repräsentieren.^ 





Rrnd- 


Kalb- 


Schweine- 


Hammel- 




Jahr 


fleiflcb 


fleisdi 


fleiadt 


fleisch 


Summe 




kg 


kg 


kg 


kg 


kg 


1901 


602 338 


38820 


318991 


4; 352 


997 501 


1903 


496437 


29395 


376965 


48761 


851 558 


1903 


474 »67 


»9 349 


191 265 


39 «94 


723 975 


1904 




1 1 704 


1 74 r>8<) 


40.^5« 




»905 


447 <»73 


16866 


33« »30 


36 964 


839 ^33 



Das aus dem Auslande stammende Schweinefleisch war in 
vorstehenden Summen mit folgenden Quantitäten vertreten: 1901: 
1.54863 kg, 1902: III 023 kg, 1903: 1 1 997 kg, 1904 — 1005: 
195 172 kg (davon 15 127 kg aus Frankreich, 180045 |kg aus 
Holland). 

Die Einfuhr frischen Fleisches hat mit Ausnahme des Jahres 
1905 von Jahr zu Jahr stark nachgelassen, eine Tatsache, die im 
Sinne des oben Gesagften nur zu begi üßen ist Die sprunghafte 
Steigerung im Jahre 1905 ist auf die forcierte Einbringung ge- 
schlachteter Schweine aus dem Auslande zurückzuführen und 
diese findet in den Verhältnissen des Jahres 1905 (Abnahme des 
Schweineauftriebes gegen 1904 = igA^/o) ihre Begründung* 

2. Mannheim. 

Bei der Untersuchung der Herkunftsbezirke für das Schlacht- 
vieh des Mannheimer Marktes schiebt sich ein weiteres Moment 
störend ein» nämlich der Umstand, daß die aufgetriebenen Nutz- 



' Die Fleiadieinfuhr belief sich im guuen: 

1901 auf kg I 259 306,— 

1902 » » I 1 10 949,— 

1903 » ^ <)77 979,50 

1904 » 910 540,— 

1905 » »1 124854,50 



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92 



n. Abschnitt. 



tiere, wie Milchkühe und Zucfatfarren, in die prozentuale Berech- 
nung einbezogen sind. Auch ist die Durchführung der Statistik 
für die Jahre 1904 und 1905 in der bei der Besprechung des 
Karlsruher Marktes gehandhabten Weise unmöglich gemacht, da 
die Verwaltungsberichte für diese beiden Jahre in anderer und 
sehr verkürzter Form herausgegeben wurden. Wir beschränken 
uns daher auf die drei vorhergehenden Jahre, welche immechin 
ein anschauliches Bild ergeben. 

Die für die Vidiversorgung Mannheims und also auch Lud- 
wigshafens hauptsächlich in Frage kommenden Länder beteiligten 
sich prozentualiter folgendermaßen an der Beschickung: 



a. Großvieh. 





1901 


1902 


1903 








Baden 


47*04 


35.4 


31.3 


Rheinpfalz 


10,97 


11.50 


11,6 


Bayern ....... 




/ '47 


'■».5 


\\ ürLicuibcrg 


30,02 






Hcnm ....... 






4,6 


Österreidi-Uiigarii .... 


4,06 


0,40 


?.9 



Baden nimmt in den beiden ersten Jahren die führende 
Stellung ein, während ihm im Jahre 1903 das sich mit steigenden 
Ziffern beteiligende Württemberg den Rang abläuft. Auch die 
durch die Nähe begünstigte Rhdnpfalz stellt ansehnliche Quoten. 
Noiddeutschland kommt für Großvieh, ebenso wie in Karlsruhe, 
kaum in Frage. Die Zutriebe aus Brandenburg, Mecklenburg, 
Schlesien und Schleswig-Holstein sind unregelmäßig und unbe- 
deutend. 

Am auffallendsten ist auf den ersten Blick die prozentualiter 
schwache Quote des Österreichischen Viehes, welches doch auf 
dem Karlsruher Markte in den letzten Jahren vielfach geradezu 
ausschlaggebend war. Diese sonderbare Erscheinung erklärt sich 
aber sehr natürlich und hängt mit dem großen Obergewichte 
zusammen, welches Mannheim unter den süddeutschen Handds- 



Der Bezu^ uiul die Verteilung des Fleisches. 



93 



plätzen behauptet Die eigenen Bestände des Landes sowie die 
fiberschüssigen Viehmengen der Nachbarataaten strömen in erster 
Linie nach Mannheim, wo sich die Händler von nah und fem 
ein SteHdichein geben und wo die großen Umsätze stattfinden. 
Deshalb ist Mannheim nicht in dem Maße wie Karlsruhe auf den ' 
Bezug von österreichischen Tieren, die neben dem TranqKMrtriako 
höhere Spesen mit steh bringen, angewiesen. Karlsruhe dagegen 
wird von dem eigenen Lande und den Nachbarstaaten viel qiär- 
licher bedacht^ und mnß deshalb zufirieden sein, wenn Osterrdch- 
Ungam mit den unumgänglich notwendigen Quantitäten helfend 
dnspringt. 

Der llaiiptunterschicd zwischen dem Mannheimer und dem 
Karlsruher 3»Iarkte liet^t also, von den (irößenverhältnissen ganz 
abgesehen, darin, daß Mannheim seinen Bedarf an (xrolUieh sozu- 
sagen ausschließlich im Inlande decken kann, da es von Baden 
und 6on näherlieiJ-enden Staaten auch \'erhältnismäßig größere 
Auftriebe als Karlsruhe erliält. Daraus ergibt sich, daß Mannheim 
durch die infolge der neuen Handelsverträge geschaffene verän- 
derte Lage hinsichtlich des (xroßviehbezuges aus Österreich-Ungarn 
nicht annähernd so hart getroffen wird wie Karlsruhe. 



b. Kälber und Schafe. 

Die Ziegen, welche auf die Grestaltung der Fleischversorgung 
keinen Einfluß haben, stammen fast ausnahmslos aus Baden, die 
Feikel auch vornehmlich aus Baden, dann Hessen und der Rhein- 
pfalz. Wir können deswegen von einer eingehenden Untmuchung 
absdien. Ffir die Lieferung von Kälbern und Sdiafen sind die 
folgenden Länder von Bedeutung: 



* Z. B. erhidten im Jahre 1905 an Großvidi: 

KMrIsndie 

voa Bayern 

» Reinpfalz 
» Würtlembeig 
* Baden 

» dsteneidi-Ungam 



Mannheim 

St. 444 ( 4>3M ca. St. 3090 ( 6,$ »/o) 

» » 5576 (t 1,6 o/o) 

> > 17222 ( 360/0) 
» . 15000 (31,30,0) 



» 214 ( 2,10/0) 

» 1523 (14.8 0/0) 

> 2232 (21,6 » o) 

» 5886 (57. 1 (o/o) 



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94 



n. Absdanitt. 





Kälber 




oc aai 


e 




1901 


1903 


1903 


1 901 




1903 , 








% 




«/o 




Baden . . , , . . . 


42,07 


3S*4 


38,« 








35*8 


lÜiciopCilz • . . . 


4.07 


ii«6 


«5.« 










Bayern 


2.24 


1.7 


0,9 




100 


28,14 


26,58 


W ürttembeig .... 


16,18 


»3,« 


10,7 






47.53 


45.42 


Hessen 


18,29 


'7.3 


.7.9 






0,91 


1.03 


Rbeinpiovinx .... 


6,64 


7.4 


(),« 








Meddenbmg .... 




8,5 


r.« 








Osterretdi-UngMii . . 




ta 


©♦4 









Auch auf dem Mannheimer Markt stellt Baden die Haupt- 
summe der zugetriebenen Kälber. An zweiter Stelle steht Hessen, 
dem sich die Rheinpfalz mit jährlich steigender Zufuhr anschliefit 
Der Beitrag Bayern ist gering und im Jahre 1903 auf ein Minimum 
herabgesunken. Württemberg spielt nicht annähernd die Rolle 
wie bei der Großvichversorgung. Von norddeutschen Staaten 
beteiligt sich nur Mecklenburg mit einer nicht großen, aber ziem- 
lich konstanten Ziffer. Dasselbe gilt von der Rheini»ovinz 
Österreich-Ungam ist zu sehr entfernt, als daß sich Kälbertrans- 
porte in größerem Maßstabe durchführen ließen. Es liefert wie 
in Karlsruhe nur eine gferinge Anzahl. Man kann verall- 
gemdnemd sagen, daß nur Baden selbst und die zunächst 
gelegenen Landesgebiete auf die Grestaltung des Kälbermarktes 
Einfluß haben und daß die Bedeutung der einzelnen Tender mit 
der Entfernung abnimmt 

Von den Schafen stammt ungefähr der vierte Tdl aus dem 
badischen Lande. Sehr wichtig für die Zufuhr sind Bayern und 
vor allem Württemberg. Wie uns dn größerer Mannheimer 
Hammelmetzger mitteilt, der auch ab und zu Eiiemplare an 
Heidelberger Creschäftsfreunde abgibt, bezieht er seinen Bedarf 
zum größten Teile aus Bayern und Württemberg, da dort die 
Wetdeverhältnisse günstiger und rentabler als in Baden wären 
und da es. dort auch dem kleinen Schäfer noch möglich sei, seine 
Schafe auf der Weide fett zu machen. In der Nähe Mannhdms 
besitzt der erwähnte Geschäftsmann grr>ßere Weideflächen, jedoch 



Der Bc/iijj und die Verteilun<{ des Fleisdief. 



95 



nur für seine Schlachthämmel, nicht zur Zucht. Er hält zwar 
selbst in der Umgregend von Mannheim Schafzucht für möglich 
und erklärt die Weideverhaltniase für nicht ungOnstig. Dagegen 
hebt er mit Recht hervor^ daß die örtlichen Bedingrungen des 
flachen Landes, wie billige Stallung und die niedrigeren Preise 
für das in Heu, Stroh und Rüben bestehende Winterfutter der 
Muttertiere, einem derartigen Betriebe doch mehr entgegenkommen. 

c. Schweine. 

Pür die Versorgung des Mannheimer Marktes kommen 
folgende Länder in Frage: 





IQOI 


IQ02 


1903 






0.0 




36,60 


19.2 


17.3 












5.99 




3.6 




1 ,22 


2.0 


3.3 








12.S 




26,7 


32,00 


25,00 


Sdileiw^Holstein .... 


8,6 


14,00 


15,00 


Bfandentnug 


4,66 


1.9 


0.5 




7»»6 


6.8 


".3 


Posen 


2,83 










2,00 


4,00 






3>5 


5«5 



Wir finden auch hier die sdion bei Besprechung des Karlsruher 
Marktes hervorgehobene Tatsache, nur noch in verstärktem Maße, 
daß nämlich Baden in der Lieferung von Schweinen von anderen, 
zum Ten entfernt liegenden Staaten überflügelt wird. Ja, es s^nelt 
in den Jahren 1901 bis 1903 eine verhältnismäßig so untergeordnete 
Rolle, daß auch die in den letzten Jahren Angetretene erwähnte 
Besserung noch lange nicht ab ausreichend anerkannt werden kann. 
Auch die übrigen in der Nähe liegenden Staaten, wie Bayern 
Württemberg und Hessen, betdligen sich ziemlich lässig an der 
Beschickung. Die Retter in der Not sind die norddeutschen Gebiete, 
vor allem Mecklenbui^, wdches »/s bis V4 des Gesamtauftriebes 



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96 



II. Abschniu. 



Stellt. Auch Hannover, Pommern und Schleswig-Holstein liefern 
ansdmlicfae Bdträge, während Posen» Ost- und Westpreulien, auch 
Brandenburg nur temporar und mit Ideinen Quoten partizii»eren. 

Aus dem Vorstehenden ergibt sich zur Genfige, welchen 
wichtigen Faktor bei der Volksernährung das norddeutsche Schwein 
zumal bei der ständig stark zunehmenden Fabrikbevölkerung, bildet 
und wie die Schweinenot noch ungleich heftiger in Erscheinung 
treten würde, wenn nicht die ausgezeichneten Verkehrsverhältnisse 
mit verhältnismäßig nur geringen Transportkosten einen gewissen 
Au^leich zuwege bringen würden. Eine Ausschaltung des Zwischen- 
handels in lebendem Vidi, wie sie oft erörtert wird, wäre in Baden 
unter den bestehenden Verhältnissen auf kdnem Grebiete weniger 
als dem der Schweineyersorg^ng möglich. 

Überblicken wir noch einmal kurz die für den Mannheimer 
Markt als Herkimftsbezirke fOr lebendes Vidi widitigen Länder, 
so fällt uns vor allem die relativ geringe Beteiligung von Baden 
selbst auf. Sie beträgt im gfinstigsten Falle kaum mehr als '/s 
der Gesamtzufuhr. Deshalb müssen die anderen Länder zur Deckung 
des Bedarfes in allen Tierarten kräftig beisteuern, in Großvieh imd 
Kälbern hauptsädilich die umliegenden Gebiete, in Schwdnen die 
norddeutsdien Staaten. Das Ausland fällt bis auf einen geringen 
Beitrag in österreichischem Großvieh sozusagen ganz aus. 

Interessant ist dn Vergldch der für Karlsruhe und Mannhdm 
erhaltenen Ergebnisse mit den hinsiditlicfa der Fleischversorgung 
in anderen Städten herrsdienden Verhältnissen. So ergibt sidi 
z. B. für Magddburg, daß die Vidilieferung in ganz überwiegender 
und ständig wachsender Wdse von dnem Distrikte übernommen 
wird, der politisch ungefähr mit dem R^erungsbezirkeMagddmrg 
zusammenfällt. Es ist also die nähere Umgebung — und zwar 
bei völliger Isolierung des Vosargungsgebi^es vom Auslande — , 
welche infolge außerordentlich günstiger Vorbedingungen sozusagen 
alldn die Versorgung regelt^ 

' Neugebauer a. a. O. S. 23. 

Der Stadtkreis Magdeburg, die angrenzenden J^dkreise und die Altmark 
lieferten in Procenten dei Gcwntanftriebes: 

I «»02/03 = 7S-50 
1905/04 = 76.80 
1904/05 = 82.33 



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Der Bezug und die Verteilung des Fleisches. 



97 



d. Frisches Fleisch. 

Das in Mamihdm cingefflhrte frische Inlandfleisch stammt 
durchweg aus Baden und der Rheinpfals. Hammelfleisch wird 
in den letzten Jahren wenig eingebracht Ffir Rindfleisch sind 
vonnigsweise die Bezirke Mannhdm, Ludwigshafen und Germers- 
heim, fOr Kalbfleisch der Bezirk Mannheim die Lieferanten. Das 
Sdiweinefldsch wird in der Hauptsache von den Bezirken Mann- 
heuD, Mosbach nnd Buchen dngeführt Vom Auslande kommen 
Iflr frisches Fleisch in Frage: Holland fOr geschlachtete Rinder, 
Kalber und Schweine, Frankreich und Ostoreich gleichfalls ffir 
Schweine. Schinken gelangen fiemer aus Osterreich, Amerika, 
Italien, Schweiz und Böhmen zur Einfuhr. 

Die Einbringung imtersuchten, frischen Inlandfleisches ge- 
staltete «ach folgendermaßen (bei Zicklein in Stück, bei den übrigen 
Tierarten in Vierteln): 



Jalir 


Ochsen 


1 

Farrcn ' 


Kühe 


Rinder 


Kälber 


rS 


Ziegen 


V 

1 


Pferde 


Zicklein 


1901 


8 


6 


488 


•558 


1172 


835 


»5 


2749 


44 


1507 


1903 


35 


4 


374 


1064 


854 


352 


8 


4265 


47 


«45 


1903 


10 


6 


194 


690 


569 


240 


65 


3180 


38 


«473 



In den Jahren 1904 und 1905 betrug die Gesamteinfuhr 
60603 kg bezw. 91 823 kg. 

Auch Mannheim sucht der übermäßigen Einfuhr geschlachteten 
und vid&cfa minderwertigen Fleisches im Interesse des Marktes und 
der einheimischen (zewerbetreibenden durch geeignete Prdiibitiv- 
mafiregeln — entsprechende Festsetzung der Gebührensätze und 
eine strenge Fleischbeschauordnung — entgegenzuwirken. Im 
Jahre 1901 war eine starke Mebrdnftihr von geaddaditelen Kfkhen 
zu beobachten, die aber eine ganz lokale Ursache, das Auftreten 
einer heftigen Maul- und Klauenseuche in Heddesheim, hatte. 
Infolgedessen mußten die dörtigen Landwirte vi^ Kühe und 
Rinder notschlachten, die sie alsdann, um nicht von den Handds- 
leuten übervorteilt zu werden, der Schlachthofverwaltung zur Ver- 
wertung übergaben. 

Brandt^ IM* F W w Hivem w g i i Bf. 7 



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96 



n. Abiduiitt. 



Der Rackgang in den Summen des eingefOhrten Kalb- und 
Hammelfleisclies ist auch auf den Umstand zurfickzufflhren, daß 
der Mannhdmer Markt rdchfidi Gelegenheit zur Deckung des 
Bedarfes in Lebendware bietet und öaSi die aus der Umg^jend 
VOR Mannhdm stammenden Hämmel jetzt dem Schlachthofe lebend 
zugeführt werden, weil die ScMaditgebtthren sidi unter der Fleiadi- 
beschaugebOhr fOr geschlachtete liere halten. Die letztere wurde 
für Scklein im Jahre 190 t von 10 Pf. auf 40 Pf. pro Stdck, den 
Betrag der SchiacfatgebOhren, eriiOht, weil der frohere niedrige 
Satz eine ungerechtfertigte Benachteiligung der Stadtmetzger in 
sich sdiloß. 

Die Sdilachthofverwaltung ist der Ansicht, daß an dnem 
Platze wie Mannh^m, der die günstigste Einkauf^elegenhdt fOr 
ialie Qualitäten Fleisch bietet, der Import gesdiladiteleii Vidies 
im Bdteresse d^ Gr ewe rbetreibenden wie audi der Konsumraten 
ganz unterbleiben sollte. Allerdings wird die Forderung in diesem 
Um&nge und bei dem geigenwärtigen Stande der Fldschfrage 
vorläufig nur ein frommer Wunsch bleiben, zumal der Viehmarkt 
gerade in dem wichtigsten Artikel, dem Schweinefleische, durchaus 
nidht immer <jUe Nachfrage befriedigen kann. In einem solchen 
Falle ist die Fleischeinfnhr durchaus berechtiget und das einzige 
Mittel, «nen gewissen Ausgleidi zwischen Nachfrage und Angebot 
zu scliaffen. 

2. Kapitel. 
Konsumberechnuog. 

Die Verteihifflg der indst im GroAveckefaFe herbdgeadnttieia 
und wr Veaebnang fenig gestellten FldKhmengen erMgt durch 
den Melsger im LadengeKfaafte oder auf dem Wocfaeomaflole« 
soweit es sich um minderwertiges Fleisdi handelt, dusch eisen 
von der Stadt aagotelkien Vetkäaier auf der Fieihank. Aberaudi 
andere Gewerbetreibende^ v oc n eüwfich Gaatwiite und Viktanlien- 
hMier, sind in dieser Badktuag in eriieUicher, zif emnättg idler* 
dings xnbht zu erhosender Weise tätig. 

Wie für ein gances Land, so ist auch für efaie eiaahie Stadt 
die Ermittluag des aheohiten nod nfadjren FleiaohveArattches 
von h<^em Interesse, da sie uns einen Einblick in die Emikrang«- 



Der Besug und die Verteiltine des Flebches. 



99 



weise der Bevölkerung venchaHl: und Symptome zur Beurteilung 
des Wohlstandes bietett der nidit nur in der Höhe des aiif den 
Kopf entfallenden Quantums, sondern auch in der Wahl der 
eänzelnen Fleischsorten zum Ausdruck kommen winL Allerdings 
sei hier betont — und das ist gerade für die Beurteilung unserer 
Städte wichtig — daß eine Abnahme des rdativen Fleisch- 
verbrauches nodi nicht a priori auf eine Verminderung der Lebens- 
haltung gerade der unteren Klassen hinzudeuten braucht. Gerade 
in Städten mit rasch zunehmender Arbeiterbevölkerung und 
sinkenden Konsumziffem ist es denkbar, daß der immerhin noch 
behäbig lebende Mittelstand seinen Fleischverbrauch einschränkt 
und der Arbeiter sein an sich schon bescheidenes Fleiachquantum 
weiterbezieht 

Die Konsumberechnung einer Stadt hinsichtlich des verzehrten 
Fleisches kann stets nur eine annähernde sdn, da sie immer nicht 
zu umgehende Fehlerquellen in sich bergen wird. Diese können 
aus lokalen Eigentümlichkeiten, z.B. aus starkem Fremdenverkehre, 
herrühren, sie werden aber auch — und das ist allen Berechnungen 
gemeinsam — in ihrer Höhe davon abhängen, wie weit es gelingt, 
das wirtschaftliche Gebiet der Stadt von dem politischen zu trennen. 
W&in liegt eine Schwierigkeit, die meist überhaupt nicht bdioben 
worden kann. Denn eine Koostatierung, in wddicHn Grade die 
uflfltegenden Ortschaften an dem Verbrauche der für das Stsdt- 
gehiet befiechneten Fleiscfamengen teflndbmen und dadurch das 
gewomiene BUd trüben, wird überall da umnögUch seui, wo nicht 
ein Oktpoi — bei unseneo drei Städten nur in Karisruhe — die 
Quantitätien des aus dem Stadtgebiete aus^eftlhiten Fleisches 
fiegMiert. Auch die genaue Höhe des eingeführten Fleisiciies 
kami nur durch Oktisoi edeSt weiden, da mxh die Floschbeschau 
nicht auf die von privater Seite eiogufillirten Flcsschmffngeq er- 
streckt An die Tatsache, daß Schlachtzwang und F]«schb«Bcliau, 
dsniat also die Regiatrierung, auf die ioxierhalb der Stodt von 
Privaten geschlachteten Tiere nicht ausgedehnt sind, siri nur 
nebenbei erinnert 

Wir sehen also, daß die errechne^sen Konsmpziffpm mit 
einer gewissen Reserve aufzunehmen sind. Aber einen gewissen 
Atilialt gewähren sie ohne Zweifel Vor allem werden sie bei 
Zusammenstellung für mehrere Jahre die Tendenz der Zunahme 
oder der Abnahme der im ganzen verzehrten Fleischmengen zum 

7* 



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lOO 



II. Abschuilt. 



Ausdruck bringen, da dann die bestehenden Fehlerquellen als 
konstant angesehen werden können und nicht beracksichtigt zu 
werden brauchen. Ein Vergleich verschiedener Städte unter- 
einander führt leicht zu Fdlschlflssen, da die Methoden der 
Konsumberechnung zu verschieden ^nd. 

Bescliränkcn wir die Fleisch Versorgung nicht auf den engeren 
Sinn des Wortes, nämlich die \''ersorgung mit dem frischen Fleische 
unserer Haustiere, so wäre die Untersuchung auch auf andere 
Fleischarten, namentlich geräuchertes und konserviertes Fleisch, 
Wurstwaren, Wildbret, (ieflügel und Fische auszudehnen. Auf 
diesem Gebiete ist allerdings das Material so dürftig, daß es zu 
einer einigermaßen befriedigenden I'^bcrsicht von wissenschaft- 
lichem Werte nicht ausreicht. Denn eine zentralisierende Stelle, 
wie wir sie für unsere eigentliche Untersuchung in dtm Schlacht- 
höfen besitzen, fehlt in diesem Pralle vollständig. Wir müssen 
uns deshalb mit einigen wenigen Daten begnügen. 



1. Karlsruhe. 

Man berechnet den Verbrauch einer Stadt, indem man zu- 
nächst das Gesamtgewicht der im Sddachihofe getöteten Tiere 
vermöge der durclischnittlichen Schlachtgewidite feststellt Diese 
Durchschnittsgewichte werden in Karlsruhe auf Grund der in dem 
betreffenden Jahre erfolgten Regungen ermittelt. Die Innenteile, 
wie Eingeweide, Lungen, Lebern, femer die Köpfe und FOfle 
sind darin nicht enthalten und mOssen durch besonderen Auf- 
schlag in Anrechnung gebracht werden. Zu der so erhaltenen 
Summe ist das eingeffihrte Fleisch zuzuzahlen und von dem 
Gesamtresultate das ausgeführte Fleisch und die Konfiskate in 
Abzug zu bringen. 

Fflr das Jahr 1905 ergibt sich als Gesamtschlachtgewicht 
der im Schlachüiofe getöteten Tiere: < 



* Die daidMdinitUidieii SdikdilgewidUe ffir da» Jahr 1905 lind folgende 

fin k^: 

Ochsen, Kühi-, Rinder, Karren, Kftlber, 

I II III II III I II III II III 

329 234 186 254 181 282 230 182 363 180 38,5 
Sciiwdiie 64,5, Hamm«! und Ziegen 25, Pferde 300, Ritdem und Pferde 3, — . 



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Der Bezug und die Verteilung des Fleisdies. 



lOI 



2 020 Ochsen I. Schwere kg 664 580, — 

1751 » II- » * 409734 — 

1035 » in. » » 192510,— 

1 359 Kühe IL » » 345 186,— 

2372 » ni. » » 429332.— 

6 Rinder I. » » 1 692, — 

569 » II. X » 130870, — 

1837 > m. » > 334334.— 

1352 Farren II. » » 490776, — 

302 » ni, s » 54360,— 

21 157 Kalber » 814544, — 

36 037 Schweine »2 324 386, — 

2 282 Hammel und Ziegfen » 57 050, — 

2697 Kitzlein und Ferkel » 8091, — 

395 Pferde > 79 000, — 



Reines Fleischgewicht kg 6 336 445, - 

Dazu: 

5"/o des Gewichtes für Geschlinge usw. . » 316822,25 
Gewicht der vor der Wiegung entfernten 



Nieren mit Nierenfett » 135 460.- - 

kg 6 788 727,25 

Ferner kommt hinzu: 

Das eingeführte Fleisch ^ 927 »73.25 

kg 7 715900,50 

In Ahzuj^- zu bringen sind: 

Das ausgeführte Fleisch, kg 215 760, — * 

Die Konfiskate . . . s 23 786, — 23g 546. — 

kg 7 476 354.50 



Diese Zahl wOrde also die Menge frischen Fleisches, die 
1905 zur Verz^krung gelangte, repräsentieren. Bd einer mittleren 
Einwohnerzahl von 1 10 173 ergibt sich pro Kopf ein Verbrauch 
von 67,86 kg frischem Fleische.* 

' In dieser Summe ist auch geräuchertes Fleisch enthalteo, dessen Meng^ aber 

nicht festzustellen ist. 

'• Die amtliciien Bcricbte. in denen jedoch ihis cint;e/ühi ic bearbeitete t'lciüch 
und die Wnrsiwaren berücksichtigt sind, kommen /ai folgenden Ergebnissen: 1901 
75J8 1^, 1902 72,66 kg, 1903 74.38 kg, 1904 74,96 kg, 1905 69,65 kg. 



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102 



II. Abschnitt. 



Eine genaue Berechnung, wieviel von den einzelnen Fleisch- 
sorten auf den Kopf entfaUcn, ist nicht möglich, da die dies- 
bezügliche Zusammensetzung des eingeführten und ausgeführten 
Fleisches nicht festzustellen ist. Jedoch gibt das reine Fleisch- 
gewicht der im Schlachthofe getöteten Tiere, welches ja weitaus 
die Hauptsummc ausmacht, einen ziemlich sicheren Anhalt zur 
Beurteilung der prozentualen Zusammensetzung. 

Das aus dem Schlachthofe in den Jahren 11J04 imd i<)OS in 
in den Verkehr gelangte l'leisch bestand in Prozenten aus 
folgenden Sorten: 





1904 


»905 


RindfleiMh 


44.14 


4«.»9 


Kalbflendi 




12.85 




42,48 


36.38 


Fletek TOD Hiaunein, Ztag^n, Kltddn «id 








0,87 


I4>3 


Pfcfdeflcisdi 


■ ■ > - 


■ , _ 




100 


100 



Rhidfleiach und Schweinefleisch bilden den ttberwiegenden 
Bestandteil der Fleiacfanahrungf, die anderen Arten folgen ent in 
weitem Abstanda Leider erobert sich unter diesen das Pferde- 
fleisch ein immer gr<k0eres Tenrain. 

Man kann jedenColls sagen, daft die für Karlsruhe erhaltenen 
Konsumziffem an und fOr ndi ziemlich richtig sein mfi8s«*-n, da 
durch das Oktroi eitle genaue Abgrenzung der konsumierenden 
Bevölkerung ermöglicht ist FOr Mannheim und Ludwigshafen 
Degen die Verhftlttiisae anders. Deshalb ist ein Vergleich der 
Zahlen schon aus diesem Grunde nidit angängig. 

Die Einfuhr von zuberdtetem Flasche und Wurstwaren be- 
trug im Jahre 1905 197681,25 kg, der Konsum von anderen 
Fleischarten und Fischen war in dem Zeiträume 1901 bis 1905 
folgender: ^ 

' S. die betr. Jsiug. der Statistischen Mun&tsberichtc der Haupt- und Residenz- 

sudt Karlsruhe. 



D«r Besag und die Vort^mig des Flciadies. 



■ i 

« 


19OI 


T902 


1903 


1904 








Wildbret 






Einlnhr . . 


St 39426 


St 31 415 


St 24 933 


St 28 420 


St 38981 


Anshihr . . 


o<io 


2811 


' 745 




2 033 


Konmni . 


St. 26 336 


St 38604 


St 23 178 


St 27 186 


St 26 948 




Ptetach von Wildbret und GeflttgcL 




Ehrfiilir . . 


kB «595 


kK 9^880 


kg 8 143 


kg 7 903 


kg 7 661,50 


AMfnir . . 


» 279 


» 456 


» 334 


» I 891 


• 345.«» 


Konsum . . 




kg y 424 


kg 7 «>i8 


kg 6012 


kg 7 3»6,50 






GeflOgeL 






Snfiihr . . 


St. 135 136 


St 131 981 


St 136607 


St 147 501 


St 149491 


Ansfiihr . . 


> 8366 


7476 


7839 


» 10314 


» 938« 


Kcmstun . 


St. 126 770 


St 134505 


St 128768 


St 137 187 


St 140 1 10 






Fische und Krebse. 






Kinfuhr 


kg 80 (»07 


98 259.-5 


H '«4 3.5 '..SO 


k«,' 122 4i*>,!;o 


kg 14; 414,50 


Ausfuhr . 


793 


> 1 518,10 


» 2 I75t50 


» 4 037.00 


» 3 639,30 


Koonim . . 


kg 79 «»4 


kg 96 741,65 


kg 102 356,00 


kg II« 379.50 


kg 143 775.«» 



Während Wildbret und Geflagel infolge des hohen Preises 
fflr die weniger bemittelte Bevölkerung als Nahrungsmittel nicht 
in Frage kommen und auch in den einzelnen Jahren keine sehr 
erhebliche Schwankungen aufweisen, zeigt die Rubrik »Fische und 
Krebse« eine anhaltende und starke Steigerung. Der Grund ist 
in der ständig zunehmenden Nachfrage nach den tülligeren See- 
fiscfaarten, wie Schdlfisdi, Stockfisch, Scholle usw., zu suchen. 



II. Abidiiiitt. 



welche auch für den bescheideneren Haushalt erschwinglich sind 
und sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Ohne Zweifel wirken 
die technisch vervollkommneten und verbiUigften Veik^rsein- 
richtungen außerordentlich gQnstig auf die Konsumeriitdiung. 
Eine Steigerung der Einfuhr dieses gesunden und relativ wohl- 
feilen Nahrungsmittels ist um so erfreulicher, als darin ein gewisses 
Gegengewicht gegen die volkswirtschaftlichen Schäden der hohen 
Fleischpreise zu sehen ist 

2. Mannheim. 

In Mannheim ist eine genaue Abgrenzung des wirtschaft- 
lidien Gebietes nicht möglich, da das Oktroi am i. Januar 1899 
aufgehoben wurde. Unter Berflckalchtigung des eingeführten 
Inhmdfldsdies und nach Abzug der Konfiskate stand im Jahre 
1905 folgende Fleischmenge fOr den Konsum zur Verfügung: 



Stade Gesamtgewicht in kg 

I 941V4 Oclisen 699030, — 

I 700 Fairen 663 000, — 

3459'.., Kühe 830220,-- 

8 942 Rinder 2 056 660, ~ 

638 Pferde 127600, - 

21 Ol 8', j Kälber 893509, — 

607293/^ Schweine 3947427.— 

3095 Schafe 77 374--- 

869' , Ziegen 13043,— 

I 595 Zicklein . 3 190, — 

kg 9 31» 053 — 

Zuzüglich: 

5 °/o des Gewichtes für ( reschlingc usw. 465 552,65 
des Gewichtes der vor der Wiegung ent- 
fernten Nieren mit Mieren fett . . . . 182 700,— 

9959305.65 

Hierzu das vom Auslande eingeführte 

Fleisch.^ 248718, — 



kg 10208023,65 



' Das cii^efiihrie Auälandfleiscb wird in deu berichten nicht ang(^eL>€n. Obige 
Summe resultleit Mit einer Zusammenstenai^ au den betr. BOcfaern des Sdilachthofei, 



Der Benig und die Vertettitng des Flendies. 



«05 



Bei einer mittleren ortaanwesenden Bevölkerung von 160534 
(Ende Juni 1905) ergibt siebt somit ein Jahresverbrauch von 
63*50 kg pro Kopf.i 

In den einzelnen Fleischsorten stellte sich der Konsum, wenn 
wir von den Aufschlägen für Greschlinge und Nieren absehen: 





pro Kopf der 
Bevölkerung 


in 0/0 des 
Gesaint- 
verbraviches 






kg 


26.50 


44.5 ' 


» Schweincfleiacb .... 


> 


» 


26,09 












V-37 


» Hammelfleisdi .... 


;» 




0,48 


0,81 


» Ziegen- und Ziddeinflebdi 


> 




0,10 


0,16 




» 




0*79 












100,00 



Auch hier stehen Rind- und Schwdnefleisch weitaus an erster 
Stdle, während die anderen Fleischsorten von geringerer Be- 
deutung sind. 

Von anderen, für unsere Untersuchung in Frage kommenden 
Nahrungsmitteln wurden im Jahre 1898, dem letzten Jahre, welches 
eine statistische Aufetdlung ermöglicht, eingefOhrt: Wildbret 
26 057 St, Fleisch von zerlegtem Wild 1 92 2 kg, Greflügel 1 46 348 St., 
Fische und Krebse 29 278 kg. 

Analog der Karlsruher Feststellung kann man jedenfalls be- 
haupten, da£ die Einbringung von Fischen — und zwar haupt- 
sächlich Sedischen — in den folgenden Jahren eine bedeutende 
Steigerung erfahren hat 



die niM von Herrn Obertierarxt Malier zu diesem Zwecke gütigst zur VerfOgung ge- 
stellt wurden: 

Schwehiefleiidi ans Frankreich kg 4 130 — 
-> » Holland • 237 «35. — 

Rindfleisch » » »5 850. — 

Kalbfleisch » » > 903. — 

kg 248718.- 

* Die Schlacbthufbcricluc kummeu ohne Berücksichtigung der AulüchUlge für 
GesdiUnge und Nieren sowie des Aoslandfleisdies zu folgenden Ei^ebnissen: 1901 
63,7 kg. 1902 60,59 kg. 1903 61,68 kg^ 1904 63,05 l<Et 1905 5S*<>3 



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II. Al>scbnitt. 



3L LudwigshafiBn. 

Auch in LuchvigshiitVn or^L^ibt sich bei BtTcchnung clcs Konsums 
diesolbf' vSrhwioritfk«Mt wie in Mannheim, da ein Oktroi nicht be- 
steht und infolgedess<'n nieht nachzuweisen ist, in welchem (rrade 
die Bex Alkerung d(T iimh*eg(nden ( )rtschaften an der Verzehrung 
der für ! Aidwigshafen bere c hneten Reischmcngen teihiimmt. Er- 
fahrungsgemäii sollen die Quantitäten, di(^ von der in d(T Stadt 
beschäftigten, in der Umgegend ansässigen Arbeiterschaft nach 
Hause mitgenomnien werd(>n, recht erheblich sein. 

Der 1'1( ischverbrauch im Jahre 190.5 läJit sich ungefähr fol- 



gendermaßen berechnen: 

Stück kg 

660 Fassel a 350 kg 23 1 000, — 

491 Ochsen » 300 » 147 300, — 

488 KObe » 250 » 122 oüo, — 

3 564 Jungrinder » 250 » 891 000, — 

297 Pferde » 300 » 89 100, — 

5 654 Kälber » 33 » i97 890.— 

19215 Schweine » 75 * 1441 125, — 

194 Schafe » 20 » 3880,— 

196 Ziegen » 20 » . . . . . 3 920. — 

kg 3 127215.— 

Dazu: 

5«/o für Geschlinge usw 156360,73 

Gewicht der vor der Wi^gung entfernten 

Nieren mit Nierenfett . ,59 900, — 

kg 3 343 475*75 

ZuzQglidi: 

eingebrachtes Pferdefleisch kg 3750. — 

» anderes Fleisch ^ 13 480.— 17 230. — 

kg 3360705,75 

davon ab das konfiszierte Fleisch . . . g 693, — 

kg 3351 2,75 



D(>r Meischverbrauch wäre darnach 1905 ungefähr 4641 kg 
pro Kopf der Bevölkerung gewesen.^ 

* Die auf anderer Basis beruhenden Hcrechniingen des Schlachthufes kommen 
zu folgendem Resultate: 1903 51.79 kg, 1904 47, — kg, 1905 40, — kg. 



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Der Bezug und die Verteilung des l'lci&chcs. 



Im Vergleiche zu Kailsruhe ersdidiit die verzollte Fleisch- 
menge sehr gering, zumal wenn man berflcksiditigt, daß die Be- 
völkerung der umliegenden Orte in nicht näher abzugrenzender 
Weise an dem Konsum teilndunen. Immerhin darf das Ergebnis 
im Hinhlidc auf die starke ArbeiterbevOlkerung nicht flberraschen. 
Auch hier machen Rind- und Sdiweinefl^sch den ganz aber- 
wiegenden Ten der Fleischnahrung aus. 

Die amtlichea Berechnungen aller drei Städte weisen in den 
letzten Jahren dne starke Abnahme des Flelsdiverbrauches nacb. 
Es wurde berdts hervorgdioben, daß hieraus noch nicht absolut 
eine Versdilediterung der Lebendialtung der arbdtenden Klassen 
zu folgern ist. Aber es liegt doch die Annahme nahe, daß sich 
die Fdgen der geschilderten Fldschverfaaltnisse lüdit nur in einer 
Abnahme der überdurchsdinittlichen Konsuraziffem des Mittd- 
standes bemerkbar madien werden, sondern daß sie auch in dner 
Verringerung der für die am wenigsten zahlungsfähigen Volks- 
klassen zur Verfügung stdienden Fldsdmiengen zum Ausdruck 
gelangen. 



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III. Abschnitt. 



Die Entwicklung der Vieh- und Fieischpreise 

mit Preisstatistik. 

Die Schilderung der A'erhältnisse in der Pleischversorgimg, 
wie wir sie in den vorhergehenden Kapiteln versucht haben, wird 
am besten durch eine Untersuchung der Preise ergänzt. Denn 
diese basieren in ganz hervorragendem Maße auf Angebot und 
Nachfrage oder, präziser ausgedrückt, auf dem Umfange der Vieh- 
produktion und demBedarfe bezw. der Kaufkraft der Konsum ent«i. 
Natürlich spielen auch noch sekundäre Momente, unter denen 
besonders Preissteigerungen im Auslande zu nennen wären, herein. 

Aber der springende Punkt wird bei der fast völligen 
Isolierung Deutschlands vom Auslande doch der sein, ob die 
deutsche Landwirtschaft imstande ist, den durch die rasch wach- 
sende BeN'ölkorung und die gesteigerte Lebenshaltung ständig 
höher WCTdendeii Ansprüchen in der \'iehproduktion zu folgen. 
Xon Seiten der Produzenten wird diese Frage entschieden bejaht 
Sic weisen, da, wie wir bereits in der Einleitung gesehen haben, 
ein durch eine numerische Zunalime des Viehbestandes begründeter 
Beweis auf keinen Fall zu erbringen ist, nachdrücklich auf den 
»inneren Zuwachs« der Bestände hin. Dieser wirke auf eine 
Zunahme der Fleischmengen, selbst bei gleichbleibender Stückzahl, 
hin und sei namentlich in vier Faktoren zu suchen: in dem raschen 
Wechsel des Bestandes, in der Zunahme des Lebend- und Schlacht- 
gewichtes, in der Zunahme der Schlachtprozente und endlich in der 
Erhöhung des Fleiscbgewichtes zu Ungunsten der Fettproduktion. ^ 

*■ Denkidirift dn dentidien Landwirtschafisrats aber die Fleiachireraoisnng der 
deiitsdien Bevfllkerung 1905, S. 14. 



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Die Entwicklung der Vieii- und Fleisctipreisc mit Preisstalistilv. 



Es ist unzweifelhaft richtig, daB sich der Landwirt heutzutage 
fast ausschliefliich auf die Zflditung von Fleischrassen verlegen 
mu£, einmal, um sich dem veränderten Gesdunackeder Konsumenten, 
die mageres oder durchwachsenes Fleisch bevorzugen, anzupassen, 
dann aber auch, weil er die Konkurrenz mit den billigeren amerika- 
nischen Fetten nicht aufnehmen kann; auch das auf eine Erhöhung 
der Fleischmengcn günstig einwirkende Moment, welches in dem 
raschen Wechsel des Viehbestandes liegt, ist anzuerkennen. Die 
Behauptung aber, daß eine Besserung der Qualität und eine Er- 
höhung der Lebend- und Schlachtgewichte Angetreten sei, läßt 
sich bei näherer Untersuchung nicht au&echt erhalten. Gerade 
dieser Punkt aber ist bei Beurtdlung der Frage von großer 
Wichtigkeit 

Nach den Berichten der Schlachthofdirektoren und den Aus- 
sagen von Händlern wie Metzgern kann es nidit zweifdhaft sein, 
daß der Mastzustand des Sdilachtviehes in den letzten Jahren 
immer mshe zu wünschen übrig ließ. Diese Tatsache kommt auch 
darin zum vollen Ausdrui^e, daß vielfach die Notierungen für 
prima Qualität unterUeiben mußten, da kein Angebot in dieser 
Ware stattfand. 

In Mannheim werden auf dem Viehhofe bei Kälbern und 
Schweinen Wägungen zwecks Ermittlung des durchschnittlichen 
Lebendgewichtes vorgenommen, die folgende Resultate ergaben: 





Kälber 


Schweine 


Jahr 




Gesamt- 


Dttrcbadmitd. 




GCMMllt- 


DarduduiittL 


Stück 


gewicht 


Lebendgewidit 


Stack 


gewidit 


Lebendgewicht 












kg 


kg 


1901 


7454 


554 272 


r4.3<i 


67 201 


5 536 825 


82.39 . 


1902 


8115 


6 1 7 490 


76,09 


71 182 


6 186616 


86,91 


1903 


7373 


561 656 


76,18 


103006 


8 890 184 


87.15 


1904 


10863 


858395 


79.01 


131 153 


10 130077 


«3.53 


»905 


8819 


6733" 


76.35 


99894 


8 159 073 


81,67 



Bei den Kälbern hat nach einer Steigerung in den Jahren 
1902, 1903 und 1904 im Jahre 1905 ein sehr beträchtlicher Rückgang 
im durchschnittlichen Lebendgewicht stattgefunden. Die Schweine 
haben eine ähnliche Entwicklung durchgemacht, nur mit dem 



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I 10 



III. Abüchnilt. 



Uofeeradiiede, daß der Rückschlag t^edeutend scbArfer ist und daß 
das Lebendgewicht des J^ures 1905 noch unter das des Jahres 
190t sinkt Wie sehr das erstere unter dem normalen Maße steht, 
ist am besten daraus zu ersehen, daß der Mannheimer Markt an 
4 — 6 Monate alte Schweine, das Durchschnittsalter der gescldaditelen 
Tiere, dgentUch die Anforderung eines Gewidites von 85 kg 
stellt ^ Worden beim Gfoßvieh ähnüdie Untersuchungen auf Grund 
von amdicfaiBi Wägungen angestellt, so würde man statistiBcfa 
ohne ZwdM zu demselben Ergebnisse, der Abnahme des Gewichfces, 
gelangen. Denn »der Rückgang im Handel mit fetten Ochsen 

ist schon seit Jahren zu bemerken Dadurch sind die 

Metzger gca: wungen, nur mittelm^Lßig gcmAsteteXiere zu schiadsteo.«' 
Von landwirtsdbafdidier Seite wird der Zwischeidiandet für 
die ungünstig hohe Gestaltung der Preise verantwortlich gemacht; 
es iüt j^>doch bisher trotz mannigfaltiger Versuche bei der Schwierig- 
keit einer derartigen Untersuchung nodi nicht gelungen, einen 
vollgültigen Beweis in dieser Rlcli^ung zu führen. Wie weit die 
Händler in Frage kommen, entzidit sidi bei dem Fehlen jeglicher 
Anhaltsfninkte einer genaueren Einsicht, aber Wahrsdieinlichkeiis- 
grOnde spredien dafür, daß eine Fteistreibung, vorausgesetzt, daß 
sie zur DurchfÜlfaning einer soldien bei der irnmeihin noch mangel- 
halten Organisation des Handds überhaupt imstande wflren, gar 
nicht in ihrem Interesse liegt Denn hohe Firelse beeInCfAchtigen 
den Konsum, damit den GreschAftsumsatz und den Gewinn. Auch 
ist wöbl- anzunehmen, daß der Handler auf billiges Vidi einen 
höheren Gewinnaufschlag machen kann und sich bei gesteigerten 
Preisen mit einem geringeren Profit begnügen muß, da sich sonst 
sein Risiko, seinen VieMbestand übeihaupt nicht losschlagen zu 
können, vei^größert Das Bestehen von Handlervereinigungen und 
Ringen konnte bisher noch nicht einwandfrei nadigewiesen werden 
uiid whrd audi von unparteiischen Sadmeratandigen beatritten. 
Das Material, welches in dieser Richtung z.B. der Deutiche Land- 
Wirtschaftsrat bringt, ' ist ohne nähere Angabe der Gewährsmänner 
als wissenschaftlidi nicht beweiskräftig anzusehoi. Daß an einigen 

' Verwaltungsbericfat über den Schlacht- und Viehhof in Mannheim für das 
JAr 1900, S. 20. 

* Desgleichen vom Jahre 1901, S. 10. 

* «. a^O. S. 101 — 1«$. 



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Die Entwicklung der Vidi- und l^^leiscbpreise mit Prelsstatisiik. 1 1 1 



großen Märktf'ii dor Zwischcnlicndcl hin und \vi('d(T. <lur(h die 
jstarken Pr<*issch\vankiing(Mi Ix'jj^ünstij^, ungesunde sp<'kulati\e 
Formen :ingenoinnien hat, ist ohne \veit<Tes zuzugeben. Ab<T 
diese Tatsache berechtigt nicht zu dem Schlüsse, daß damit die 
Händler als die eig(mtlichen I'rheber dtn* TeufTung anzusehen stnen. 

Die H<Mdelb<Tger l^ leisch« rinnung liat xor (Mniger Zeit versucht, 
das HändU^rtum durch genossenschaftliche Schlacht\ ieheinkäufe 
auszuschalten, mußte alxr bald diese Bestrebinigen aufgeben, da 
eine Verbilligung des Schlachtvieh(^ dadurch nicht (Treicht wurde. 
Auch <*in z\veit<T ähnlicher A'crsuch. auf einer ^'ereinbarung 
zwischen di^n heldischen 1 Kiuermcrcine und den Metzgerin nin igen 
liadens beruhend, st4ieit<Tte aus demselben (rrunde, da das Ange-bot 
ein äulkrst gi'ringfügiges war — im Monat März it^o^j nur 73 
Tiere aus kj^ Ortschaften mit Mitgliedern — und die Land- 

wirte nun auch noch die Spesen und den (iewinn des Händlers 
einstecken wollten. Denn die geforderten Preise wari'n lo<^() Stall 
per Zentner Schlachtgewicht oft um 2 — 4 M.höh^ als die jeweiligen 
Alarktpreise ! • 

Daß die Metzger nicht für die ungünstige Preisentwicklung 
verantwortlich gemacht werden können, wenn aucli die erhöhten 
Spesen im Metzgereigewerbe als preissteigerndes Moment voll 
anzuerkennen sind, haben wir bereits in einem früheren Kapitel 
darzulegen versucht. 

\ou Händlern. Metzgern und Konsumenten wird als wichtig 
mir Beurteilung der Teuerung auf die (rcstaltung des \'ieh- und 
Fleiscliimportes aus d«^m Auslande hingewiesen, der unter der 
Wirkung der im letzten Jahrzehnte getroffenen MaßrtM^'■eln für 
die Ernährung des deutschen Volkes nur noch von untergeordiu^U^r 
Bedeuttuig ist. l'nter den Bestimmungen, die in erster TJnie 
zu einer Beschrankung der Einfulu" geführt haben, sind neben 
den zahlreichen \'icheinfuhr\ erboten vor allem das (ites<'tz betreff<'nd 
die Schlachtvieh- und Fleischbeschau (3. Januar iqoo^, die Fleisch- 
bescliaiLzollordnung (5. Februar 1903) und die P>ekanntma( hungen 
des Reichskanzlers vom 27. Mär/, lqo^ uiwl <). Mai 1904 nebst 
<k?n Kugeliorigen Ausführungsbestiinmungen zu nennen. 

Uber die Notwendigkeit des geifliindh<-itli("hen Schutzes unseres 
A iehbestandes gegenüber anderen Ländern, die in dieser Hinsicht 

* Vergl. Eingabe des V^orstandcs des Bezirksvereins Baden-Pfai/. usw. S. 7. 



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I 12 



III. Abschnitt. 



hinter Deutschland zurückstehen, hemcht nur eine Meinang. 
Sobald aber derartige vetermAre Maßr^[dn über ihren eigentlichen 
Zweck hinausgehen und andere politische Ziele in sich schließen, 
wie es bei uns offensichtlich der Fall ist, muß auf die bedenklichen 
volkswirtschaftlichen Folgen hingewiesen werden. 

Einer erweiterten Öffnung der Grenzen bezw. einer MUdening 
der Importvorschriften, wobei die sanitären Vorsichtsmaßregeln 
durchaus nicht außer acht gelassen zu werden brauchten, wäre 
deshalb wohl das Wort zu reden. Sie könnten in der Weise 
durchgeführt werden, daß die Erriditung weiterer Grenzscfalacht- 
häuser. die Erhöhung der Einfuhikontingente fOr lebendes Vieh 
und die sonstige Eiieichterung des Importes durch Herabsetzung 
der Quarantänezeit usw. ins Auge gefaßt würden. Besonders 
ein Vorgdien in ersterer Riditung würde sich bald günstig 
bemerkbar machen; denn gerade die Einfuhr der für die Völks- 
cmährung so wichtigen Schweine ist kontingentiert und kann 
deshalb in Teuerungsjahren erst recht nicht gesteigert werden. 
Unter den obigen Voraussetzungen wäre teÜs eine absolute Er- 
höhung der importirten Vieh- und Fleischquanten, teils wenigstens 
eine solche der Lebendware auf Kosten des Fleisches aus den 
für uns vor allem in Frage kommenden Ländern Dänemark, 
Niederlande, Frankreich und Amerika zu erwarten. Zu wünschen 
wäre auch, daß die Vertragsverhandlungen mit Amerika den 
Import amerikanischer Rinder in die Wege leiten würden. Für 
unseren Westen ist jedoch die Zufuhr von Schweinefleisch in 
erster Linie anzustreben. Sie könnte aus den dafür vorzugsweise 
in Frage kommenden Indern, Frankreich und Holland, in der 
Weise verwirklicht werden, wie sie dem Osten, wenigstens in 
beschränktem Maße, durch die Zulassung von besthnmten Kon- 
tingenten in lebender Ware aus Rußland und Österreich-Ungarn 
bereits zugestanden ist. 

Es ist nicht zu verkennen, daß zur Schaffung der Lage, wie 
sie bis gegen Ende des Jahres 1906 geherrscht hat,^ eine Rdhe 
von ungfünstigen Momenten zusammengewirkt haben, die t^weise 
lokaler oder periodisch auftretender Natur — so die schledite 
Ernte des Jahres 1904 — gewesen sind. Aber immer wieder ist 



* Der Anfang des Jahrei 1907 hat eine tcflwdie Veiindeniof der Sitnation 
gjdandkti ihrer ist im Sdihifiworte Erwlhmuig getan. 



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Die Entwicklung der Vieh- und Fleischpreüie mit Prcisstaiistik. 

darauf hinzttwdsen, daß als dner der hauptsächlichsten Gründe 
für die beunruhigende Aufwärtsbewegung der Vieh- und Fleisch- 
preise der Mangel an schlachtreifem Vieh im Inlande, dem das 
Ausland infolge der ausgedehnten Absperrung nicht steuern kann, 
zu betrachten war. 

Die Preise für lebendes Vidi werden in Karlsruhe und Mann- 
heim nach Schlachtgewicht notiert In Ludwigshafen werden die 
Einkaufspreise, da ein Viehmarkt nicht besteht, nicht ermittelt. 
Wie bereits erwähnt, kaufen die Ludwigshafener Metzger den 
größten Teil ihres Bedarfes auf dem Mannheimer Markte ein; 
auch fOr die anderwärts betätigten Geschäfte sind die Mannheimer 
Marktpreise maßgebend. 

Die Notierung nach Schladitgewicht erfolgt aus dea. früher 
dargelegten Grründen und nicht etwa, um dem Landwirte die 
Kenntnis von den tatsäcfalidi erzielten Freisen unmögHch zu 
machen, wie es Levy von Halle ^ für den Berliner Markt annimmt. 

Die für Vieh gezahlten Prdse werden in Kartsruhe durch 
die Direktion des Schlachthofes unter Zuzug von Händlern und 
Metzgern cAme Bildung einer Marktkommisaon festgestellt. Den 
von der GroBb. Regierung auf Veranlassung des Badischen 
T^dwirtaciiaflanites gemachten Vorschlägen, beim Viehverkaufe 
den Handel nach Lebendgewicht einzuführen und in den Markt- 
ordnungen einheitliche Normen für die Fireisnotierung nachLebend- 
gewidit unter Heranziehung von Vertretern der Landwirtschaft 
vorzusdireiben, konnte ach der Stadtrat nicht ansdiließen. Er 
^rach sidi sowohl gegen die Einführung des Lebendgewichts- 
handels als auch gegen die BÜdtmg einer Marktkommission aus.. 

In Mannheim ermittelt der Marktmeister die Preise im Ver- 
eine mit den Handelsleuten ohne Landwirte und Metzger. Eine 
Zuzidiung von Produzenten ist aus dem Grunde nicht erforderlich 
well es am Mannheimer Platze keine vieliproduziefenden Land-, 
Wirte mehr gibt und der Handel sich ganz in den Händen der 
Handelsleute befindet Nichtsdestoweniger war dem Wunsche 
des Badischen Landwirtschaftsrates, auch Landwirte bei der Fest- 
stellung der "NHehpreise mitwirken zu lassen, gerne entsprochen 
worden. Tatsädüich waren auch vor Jahren einige Produzenten 



' Die Berliner Flciscbpreiäe im leuten Jahrzehnt und die Reform des Vieh- 
nnd Ftdaehhandeb, Sdunotten Jshrbttdicr XVI, S. 49. 

Brandt, Die FloMliveiMMsaiiB. 8 



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114 



ni. AbachnUt. 



in der Preisnotterangskommissicm tätig; nach einiger Zeit jedoch 
verzichteten sie auf weitere Mitwirkung. 

Ob die notierten Preise stets den wirklich gezahlten ent- 
sprechen, ist nicht ohne weiteres zu bejahen, da hier widerstreitende 
Interessen mitsprechen. Wahrscheinlich ist, daB die Notierung 
in Karlsruhe, wo Händler und Metzger mitwirken, verläßlicher 
sdn wird, als in Mannheim, wo der Marktmeister alldn auf die 
Mitteilungen der Händler angewiesen ist. Diese letzteren werden 
sicherlich nicht darauf dringen, daß gerade die höchsten Preise, 
auf welche dann die Landwirte beim nächsten Handelsabschlusse 
fußen, veröffentlicht werden. Auf der anderen Seite li^t es 
gerade im Interesse der Metzger, daß die höchsten gezahlten 
Preise, die dann als Rechtfertigung für die eigenen Preisaufschläge 
dienen können, bekannt gemacht werden. 

Die Preisgestaltung für lebendes Vieh in den letzten Jahren 
ist aus nebenstehenden Tabellen ersichtlich. Karlsruhe unterscheidet 
bis zum Jahre 1903 bei den Ochsen vier, bei Rindern und Kühen 
fünf, bei den übrigen Tierarten je drei Qualitäten. Dabei bedeuten 
die einzelnen Buchstaben in den Kolonnen der verschiedenen 
Tierarten: 

Bei den Ochsen: a = voUfleischige^ ausgemästete, höchsten 
Schlacfatwertes, höchstens 7 Jahre alt, b = junge, fleischige, nicht 
ausgemästete und ältere ausgemästete, c sb mäßig genährte junge, 
gut genährte ältere, d s gering genährte jeden Alters. 

Bei den Farren: a » vollfleischige, höchsten Schlachtwertes, 
b s mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere, c s gering 
genährte. 

Bei den Rindern und Kühen: a ss vollfleischige, aus- 
gemästete Färsen, Rinder höchsten Schlachtwertes, b » vollfleischige, 
ausgemästete Kühe höchsten Scfalachtwertes, bis zu 7 Jahren, c = 
ältere, ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere 
Kühe, Färsen und Rinder, d = mäßig genährte Kühe, Färsen 
und Rinder, e =* gering genährte Kühe, Färsen und Rinder. 

Bei den Kälbern: a = feinste Mast- (VoUmilch-Mast) und 
beste Saugkälber, b » mittlere Mast- und gute Saugkälber, c « 
geringe Saugkälber. 

Bei den Schafen: a = Mastlämmer und jüngere Mast- 
hammel, b SS ältere Masthammel, c » mäßig genährte Hammel 
und Schafe (»Merzschafec). 



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Die Entwicklung der Vieh« und Fleiicbpreise mit Pxeisstatistik. 



Bei den Schweinen: a= vollfleischige der feineren Rassen 
und deren Kreuzungen im Alter bis zu i ^4 Jahren, b = fleischige, 
c = gering entwickelte. 

Vom Jahre 1903 ab werden bei den Rindern und 
Hämmeln je zwei, bei den übrigen Tieren je drei Qualitäten 
unterschieden. 

In Mannheim werden nur die Rinder, Kühe und Kalber 
in verschiedene und zwar je drei Klassen eingetdlt. Bei den 
übrigen Tierarten ist nur aus den zum Teil sehr erheblichen 
Differenzen zwischen den niedersten und höchsten Preisen er- 
sichtlich, wie sehr die einzelnen Qualitäten voneinander abweichen. 

Die nebenstehenden Aufstellungen zeigen, daß die Viehpreise 
in der fraglichen Zeit durchweg eine ansehnliche Steigerung erfahren 
haben, bei der neben den besprochenen Ursachen auch die höher 
werdenden Produktionskosten mitgewirkt haben. Geradezu in die 
Augen fallend ist die Entwicklung der Schweinepreise. Sie hatten 
schon 1901 dne seit Jahren nicht gesehene H^e errdcht. Der 
Crrund ist darin zu suchen, daß die niedrigen Preise der Jahre 
1899 und 1900 nach den hohen der Jahre 1897 und 1898 den 
Landwirten nicht mehr rentabel genug orsdiienen und sie zu einer 
Einschränkung der Schwdneproduktion veranlaßten, die dann im 
Verein mit der Wertstdgerung der amerikanisdien Schweine die 
ungrünstige Tendenz nach oben im Gefolge hatte. Von ganz her- 
vorragender Bedeutung für die Bewegung sämtlicher Preise ist 
das Ergebnis der Futteremte in den dnzdnen Jahren. Es zdchnet 
dem. Produzenten den Weg vor, den er einzuschlagen hat, ob er 
sein Vieh zur Nachzucht behalten und audi durch den Winter 
bringen oder ob er den Viehbestand m(>gliclist reduzieren soll. 
Bringt die Ernte einen Ausfall an Futtermitteln, hauptsächlich 
Kartoffeln und Rüben, wie er vornehmlich in dem Trockenheitsjahr 

1904 zu verzeichnen war, so wird alles halbwegs entbdiriiche 
Vieh abgestoßen. Die Folge davon ist dann ein bald eintretender 
Viehmangel, der sich durch ein HeraufschneUen der Preise kenn- 
zdchnet. In dieser Hinsicht reden die Schweinepreise des Jahres 

1905 eine deutliche Sprache. 

Aber auch innerhalb der einzelnen Monate eines Jahres 
zeigen sieh Preisschwankungen, die durch das wechselnde, in den 
verschiedenen Jahresabschnitten sehr ungleiche Angebot hervor- 

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III. Abschnitt. 



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122 



m. AbMfattltt. 



gerufen werden. Gewöhnlich ist vom Anfange des Jahres bis zu 
den Sommermonaten ein aUmähliches Sinken der Preise zu kon- 
statieren, welches dann wieder gegen Schluß des Jahres dner 
langsamen steten Stdgeruug Platz macht 

Einem Vergliche der Vi^prdse des Karlsruher und Mann- 
heimer Platzes mit denen anderer StAdte treten dadurch Schwierig- 
keiten entgegen, dafl die Nodeningswdse eine sehr verschieden- 
artige ist So. wird z. B. das Rindvidi in Danzig und Magdeburg 
nach Lebendgewidit dagegen in Berlin, Coln, Frankfurt a. M., 
Dresden, Leipzig, Chemnitz und Manchen nach Schlachtgewicht 
notiert. Die Schweine werden in Danzig nach Lebendgewicht 
ohne Tara, sonst nach Lebendgewicht mit Tara oder nach Schlacht- 
gewicht gehandelt Für Kalber versteht sich der Preis in Danzig, 
Magdeburg, Leipzig, Chemnitz, München fOr Lebendgewicht, sonst 
fflr Schlachtgewicht Hammel gehen in Danzig, Magdeburg, Leipzig, 
Chemnitz nach Lebendgewicht, sonst nach Schlach^fewicht Diese 
Beispiele zeigen schon, daß es beinahe unmöglich ist, eine fest- 
stehende Basis für einen Vergleich, der nicht zu falschen Schlüssen 
führt zu finden. Es sei auch noch erwähnt daß nicht einmal der 
Begriff »Schlachtgewichte ein festumgrenzter ist, sondern daß er 
nach den Handdsgebräuchen der dnzelnen Marktorte va:iM:hiedenen 
Auslegungen unterworfen zu sein pflegt. 

Die Ladenpreise für l'leisch werden in Karlsruhe und Mann- 
heim durcli die Metzgrrinnungcn enniit<^lt und bekannt gegeben. 
Diese Preist' können als authentisch gelten. Denn die Metzger 
werden dieselben sicher nicht niedriger als der Wahrheit ent- 
sprechend angeben, da sie sich damit si'lbst schädigen würden. 
Sie haben eher ein Interesse daran, luiherc Preise zu veröffent- 
lichen. Ab(!r ein \'ergleich mit den Viehpreisen wird zeigen, 
tlaß dieser immerhin verlockenden Versuchung widerstanden 
wurde, 

V^orher aber s(j11 durch die beifolgende Tabelle gezeigt 
werden, wie sich die Ladenpreise <Mner unserer Städte, nämlich 
Mannheims, zu denen anderer Plätze verhalten:^ 



') Verg). Jahrbuch deutscher Städte (Dr. M. Neefc), Jahrg. XU und XIII: 
Die aneefflhiteii Zahlen sind die jährlichen Mittelpreise der einteloen 
Marktorte. 



Digitized by Google 



Die Entwidcttuig der Vieh- und FleUchpreise mit PreiittBtkdIc. 1 23 





pro Kilogramm in Pfennig 




Kindfleisch 


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148 


128 


Berlin 


142 


116 


160 


126 


»56 


126 


»44 


122 


Magdeburg .... 


»45 


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— 


130 




130 




130 


Mannheim .... 




140 








160 






Frankfurt a. M. . . 


150 




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170 


150 


100 


»30 


100 


Stnttgart 




130 




146 




148 




116 


StnfttMirg i. E. 


148 


112 


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166 


— 


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1902. 

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152 




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150 


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Berlin 


145 


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162 


134 


ISO 


128 


Magdebuig .... 


150 


125 




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140 


.Nlannheim .... 




140 




160 




160 




'50 


Frankfurt a. M. . . 


153 


120 


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173 


»53 


1 10 


«33 


100 


Stuttgart .... 




132 




'54 




J50 




120 


Stnßburg i. E. . . . 


»5» 


117 




161 

1 




167 

i 




148 








1903. 












Königsberg .... 




I2<) 


1 

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'25 


167 


144 


'53 


'37 


Berlin 


»54 


124 


1 166 


•34 


' .62 


136 


'54 


134 


Magdeburg .... 


150 


>25 


1 _ 


140 


! ~ 


130 




«3' 


Mannheim .... 




140 




146 




160 




150 


Frankfurt a. M. 


160 


120 




160 


i(>ü 


120 


140 


100 


Stuttgart 




133 




142 


1 - 


»55 




'25 


Strafibnr^ i. E. . . . 


158 


119 j 
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i 




169 

1 


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1 

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168 



u kju.^Lo Google 



124 



m. AiMduiitt. 



pro Kilogramm in Pfennig 



II 

Rindtleisch f Schwewe- 
1 fleiach 

1' ' 


1 Knlbfleiscli 


Hammel« 

' fleisch 


Keule 


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1 


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Keule u. 
Rücken 

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1 »53 


121 


1 

• 158 


1 

130 ' 


1 

150 


'31 


Berlin 


«54 


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»58 


126 


162 


13^ 




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Magdeburg .... 


iSi 


128 




130 




13» 


1 


I2<) 


Mannheim .... 




»44 




136 




160 




1 30 


Fiatikfurt a. M. . . 


i6o 


120 


190 


I/O 


160 


1 20 


1 140 


100 


Stuttgart .... 




13» 




'38 




.38 




128 


StraUburg i. £. . . 


»59 


"3 




»52 


t 


»7» 


1 

1 


164 



Damach stehen die Mannheimer Ladenpr^se ihrer Höhe 
nach mit an erster Stelle und stechen besonders von denen der 
norddeutschen Städte ungünstig ab. 

Die Entwicklung der Karlsruher und Mannheimer Laden- 
preise in den letzten Jahren veranschaulichen die nebenstehenden 
Tabellen. In Ludwig^hafen findet kerne amtlidie Notierung der 
Detailpreise statt. Die Ladenpreise des Fleisdies schließen sich 
jedoch eng an die Mannheims an und können als mit diesen identiscdi 
betrachtet werden. Es ist bedauerlich, daß bei den Notierungen 
nicht in höherem Maße eine Unterscheidung^ der einzelnen Fleisdi- 
teile, die naturgemäß sehr verschiedenen Verkaufswert haben, 
vorgenommen ist. Nur eine genaue Differenzierung der verachieden- 
artigen Fleischstocke könnte ein übersichtliches und in jeder Hin- 
seht einwandfreies Material bieten. 

Um einen Vergleich der Ladenpreise mit den nach Schlacht- 
gewicht festgesetzten Viehpreisen durchführen zu können, muß 
man die Zugaben, das sogenannte »Kraib , »Geraupe« oder *Grab , 
wie Haut, (Tcschlinge, P'ett, Kopf, Füße u. dgl., die der Metzger 
gratis zu dem berechneten Schlachtgewichte erhält, berücksichtigen. 
Diese Zugaben sind, wie die folgenden Berechnungen zeigen, 



Die £atiridditDg der Vieh- und Fleischpreise mit PreiastatisUk. 



125 



Monatliche Durchschnittspreise im Kleinhandel (Ladenpreise) in 
Karlsruhe in den Jahren 1901 -1906 pro kg in Mark. 



lubelle III 



Monat 


Ochsen- 
fleiSGa 


Rind- 
fleisch 


Kuhfleisch 


Kalbfleisch 


Hammel- 
fleiacb 


Schweine» 
iieiscn 


tOAl 

Januar . . . 


1.2S — 144 


1.20 — 1.36 


1.00 — 1.12 


1.28 — 1.44 


0.80 — 1.40 


144 


Februar . . 


1.28 — 1.44 


1.20 — 1.36 


1.00 — 1.12 


1.28—1.44 


0.80 — i.40 


1.44 


Mirz . . . 


1. 28— -144 


1.20 — 1.36 


1.00 — 1.08 


1.28 — 1.44 


0.90 — 1.40 


1.44 


April . . . 


1.28— 1.44 


1.20—1.36 


1.00—1.08 


1.28 — 1.44 


1.00— 1.40 


1.44 


Mai . . . 


1.28 — 1.44 


1.20— 1.36 


1.00—1.08 


1.28 — 1.44 


1. 10— 1.40 


1.44 


Juni . . . 


1.28— 1.44 


1.20— 1.36 


1.00—1.08 


1.28— 1.44 


1.20— 1.40 


1.44 


Juli . . . 


1.28 — 144 


1.20— 1.36 


1.00— 1.08 


i.28 — 1.44 


1.20—140 


1.44-1.52 


Augast . . 


1.28 — 144 


1.20— 1.36 


1.00 — 1.08 


1.28 — 1.44 


1.20—1.40 


1.52 


September 


1.28— 1.44 


1.20—1.36 


1.00 — 1.08 


r. 28— 1.44 


1.20— 1.40 


1.52 


Oktober . . 


1.28— 144 


1.20 — 1.36 


1.00—1.08 


1.36—1.48 


1.20—1.40 


144 — 1.60 


November 


1.28— 1.44 


1.20—1.36 


1.00 — 1.08 


1.44— I.S2 


1.20— J. 40 


144 — 1.60 


Dezember 


1.28—1.44 


1.20— 1.36 


1.00 — 1.08 


1. 40— 1.48 


1.20— 1.40 


1.44—1.60 




-, =^=3 
Jahres- 
durchflduiitt 


1.28 — 1.44 

TT 


1.20 — i.36 


1.00— 1.08 


1.32— 1.44 




1.08— 1.40 


1.46 — 1.50 


Januar . . . 


1.28 1.44 


i.20— 1.36 


1.00—1.08 


1.40—1.48 


1.20— 1.40 


144 — 1.60 


Februar . . 


1.32 — 1.44 

•■J" • TT 


1.20 — 1.36 


1.00— 1.08 


144—1.52 


1.20—1.40 


1.44 — 1.60 


Mtoc . . . 


1.28 — 1.44 


1.20— 1.36 


1.00 — 1.08 


i.44— 1.52 


1.20— 1.40 


1.44 — 1.60 


April . . . 


i.28 — 1.44 


1.20 — 1.36 


1.00—1.08 


1.44— 1.56 


1.20— 1.40 


1.44 — 1.60 


Mai . . . 


1.28— 1.44 


1.20— 1.36 


i.oo — 1.08 


1.44 — 1.60 


1.20—1.40 


1.44—1.60 


Juni . . . 


1.28— 1.44 


1.20 — 1.36 


i.oo — 14>8 


1.44 — 1.60 


1.20—1.40 


1.44 — 1.60 


Juli ... 


t. 28— 1.44 


1.20— 1.3O 


1.00—1.08 


140—1.56 


1.20—1.40 


1.44 — 1.60 


August . . 


1.32—1.44 


1.20— 1.36 


1.00 — 1.08 


1.48 — 1.60 


1.20— 1.40 


1.48—1.60 


September 


1.40 — 1.48 


1.32— 1.40 


1.00—1.20 


1.52— 1.60 


1.00— 1.40 


1.60—1.68 


Oktober . . 


1.38—1.48 


1.32— 1.40 


1.06—1.24 


1.52— 1.60 


i.io — 1.40 


1.56—1.64 


November 


1.36— 1.48 


1.32— 1.40 


1. 12— 1.28 


1.52—1.60 


1.20—1.40 


1.52—1.60 


Dezember 


1.36 — I 48 


1.28— 1.40 


1.12—1.28 


1.36—1.44 


1.20— 1.40 


144—1.60 


Jahres» 
durchsdmitt 


1.32 — 1.46 


1.24— 1.38 


1.02 — 1.14 


1.44— 1.56 


1.1/ — 1.40 


1.48—1.62 



Digitized by Google 



126 



in. Abschnitt. 



Noch: Monatliche Durchschnittspreise im Kleinhandel (Ladenpreise) in 
Karlsruhe in den Jahren 1901 — 1906 pro kg in Mark. 



Tabelle III, Fortietniiv 



Monat 


Odisen» 
fleisch 


Rind* 


f 

Kuhileisch 


Kalbfleisch 


Hammel- 


Schweine- 
fleisch 


1903 
Jantiar . . 


1.36— 1.48 


1.30 — 1.40 


1.12»— 1.28 


1.36— 


1.44 


1.20 — 1.40 


1.48— 


i.bo 


Februar . . 


I.36-1.48 


1.30—1.40 


i.oo — 1.16 


1.44— 


1.5a 


1.20 — 1.40 


1.44— 


1.56 


M;ir/ . . . 


1.36— 1.48 


1.28 — 1.40 


1.00— I.I2 


1.44— 


1.60 


1.20—1.40 


1.40— 


148 


.^Vpril • . • 


1.30 — 1.40 


1.30—1.40 


1.00— 1. 12 


1.48— 


1.60 


1.20—1.40 




144 


Mai . . . 


1.36— 1.48 


1.30— 140 


1.00— I.I2 


1.53 — 


1.60 


1.20— 1.40 


1.2S — 


144 


Juni . . . 


1.36- 1.48 


1.30- 1.40 


1.00— I.I3 


1.52 — 


1.60 


1.20— 1.40 


1.28— 


1.44 


Juli . . . 


I.36-I.48 


1.28— 1.40 


1.00— 1. 12 


1.44- 


1.60 


1.30— 1.40 


1.2«- 


•■44 


August . . 


I.36-I.48 


1.28 — 140 


I.OO— 1. 12 


1.44- 


1.60 


1. 30— 140 


1.28— 


1.44 


September . 


1.36— 1.48 


1.30—1.40 


1.00 — 1.16 


1.52— 


1.60 


1.30—140 


1.40 — 


1.48 


Oktober . . 


1.40 — 1.48 


1.32— 1.40 


t.0O— I.I2 


1.52— 


1.60 


I.30 — 1.40 


«•44— 


1.52 


November 


1.40— 1.48 


1.30 — 1.40 


1.00 — 1.12 


1.52— 


1.60 


I.30— 140 


1.36— 


148 


Dexember 


1.40— -148 


1.32 — 1.40 


1.00— 1. 12 


1.38— 


i.Sa 


I.30— 1.40 


1.3a— 


1.44 


Jahres- 

(Inrcnsch 'lU ■ 


1.37— 1.48 


1.29 — 1.40 


1.01 — I.I4 




».57 


1.20— 1.40 


1.30 — 


I ^fi 


1904 

Januar . . 


1^(0—1.48 


1.28— 1.40 


1.00—1.12 


1.44— 


1,60 


I.30— 140 


1.38— 


1.44 


Februar . . 


1.40— 1.48 


1.28— 1.40 


1.00— I.I2 


144— 


1,60 


I.30 — 140 


1.34— 


1.40 


Mira . . . 


1.40— 1.48 


1.28 — 140 


1.00— 1. 12 


»•44— 


1,60 


I.30 — 1.40 


I.30— 


1.36 


April . 


1.30—1.4'* 


I ■20—140 


1.00 — 1.12 


144— 


1.60 


1.20—1.40 


I.30— 


1.36 


Mai . . . 


140— 1.48 


1.28 — 1.40 


1.00— 1. 12 


148— 


1.60 


1.20— 140 


I.30— 


1.36 


Juni . . . 


1.36— 1.52 


1.28 — 144 


i.00— I.I2 


1.52- 


1.68 


1.00— 140 


l,30— 


1.36 


Juli ... 


1.36— 1.52 


1.28— 1.44 


1.00—1.12 


1.5*- 


1.68 


1.20— 1.40 


1.38— 


144 


August . . 


1.36—1.52 


1.28—1.44 


1^00 — I.I2 


1,5«- 


1.68 


1.20— 140 


i.33— 


148 


September 


1.36—1,52 


1.28—144 


1.00 — I.I2 


1.5a— 


t.60r 1.20—1.40 


1.36— 


1.5a 


Oktober . . 


1.36— 1.52 


t.28— 144 


1.00 — I.I2 


1.52- 


1.60 


I.30— 140 


1.36— 


1.5a 


November 


1.40— 1.52 


1.32— 144 


1.00 — I.I2 


1.52— 


1.60 


1. 30— 140 


1.40— 


1.5a 


Dezember 


1.36— 1.52 


1.28— 1.44 


1.00— I.I2 


1.5a- 


1.60 


1.30—1,40 


1.36— 


1.5a 


Jahres* 
dnidudmitt 


1.37 — 1.50 


1.28 — 1.42 


1 .00 — 1 . 1 2 


1.49— 


1.62 


1. 18— 1.40 


1.28— 


1.44 



Die Entwicklung der Vieh- und Fieiscbpreise mit Freisstatistik. 



Noch: Monatliche Diucfaschnittspreise im Kleinhandel (Ladenpreise) in 

Karlsruhe in den Jahren 1901^1906 pro kg in Mailc. 
Tabelle III, Fortsetmng 



Monat 


Odilen* 
fleiidi 


Rbid- 
rieiicfa 


Kuhfleisch 


Kalbfleisch 


Hammel* 
fleuch 


Schweine- 
fleiach 


1905 


























Januar 






1.2.S 


•44 


I.OO— 


1.12 


1.52 


- 1 .60 


1 .20- 


1.40 


1.40 


•■3- 


J'ehiiiar . 








••44 


I.OO — 


1.12 


1.52 


1 .ho 


1 .20 


1 .40 


1.3h- 


••5- 


Miii/ . . . 


1 .40 


'•52 


1.32— 


"44 


1 .00 - 


112 


••5- 


- 1 .(>o 


1 . 1 0 


i,?o 


1 .40 - 


1.52 


April . 


1.44 - 


1.52 


1,36-. 


••44 


I.OO — 


1 .1 2 


••52- 


' I .(14 


1.20- 


1.40 


1 44— 


i.3f. 


Mai . . 


1.44 - 






••44 


1.00- 


1.12 


1.52 - 


-I.6X 


1 .20- 


1 .40 


• 44 — 


i.(.o 


Jiiiii . . . 


'•5- — 




1.44— 


••52 


1.12 — 


1.28 


I.<)0- 


- 1 .(18 


1.40- 


1.80 


••44— 


l.(vü 


Juli . , . 


1.52 


I.f.O 


" •44 - 


'•52 


I.I2 — 


1.28 


1.5^.- 


- 1.(14 


1.40 - 


1.80 


1.44- 


1.60 


-\ ii^us t 


1.52 — 


1.60 


••44— 


••52 


1.12 — 


1.28 


•■52- 


-1.60 


1.40— 


1.80 


1.60— 




September 


'•5- - 


1.60 


1.44^ 


••52 


I.I2 — 


1.28 




i.f)4 


1.40— 


-1.80 


I.h8- 


i.7(. 


Oktober . . 




1.60 


••44- 


•■52 


I.K)- 


I.2H 


1 .ÜO- 


-i.()8 


1.40- 


1.80 


• 74- 


1.82 


November 


1.52 — 


1.60 


••44 — 


••52 


1.16 — 


1.28 


1.56- 


- 1 .64 


1.40— 


1.80 


..78- 


1 .<s,s 


Dezember 


1.52— 


1.60 


1.44- 


1.52 


I.16— 


1.28 


1.56- 


-1.64 


1.40 — 1.80 




1.84 


Jahres- 

UUI Vlisvlliillw 










1.08— 


-1.22 


I c^ — 
••54 




1.30- 


-1.62 


«•54- 


1.66 


1906 


























Januar . . 


1.5a— 


1.60 


»•44— 


»•52 


1.20 — 1.28 


1.52- 


-1.60 


1.40— 


•1.80 


1.72- 


1.80 


Febniar . . 


1.52- 


1.60 


»•44— 


1.52 


1.20 — 1.38 


1.56- 


-1.64 


1.40— 


■1.80 


1.72— 


1.80 


Min . . . 


1.52— 


1.60 


»•44— 


1.52 


1.20 — 1.28 


1.60- 


-1.68 


140— 


-1.80 


1.76— 


1.84 


April • . 


1.60— 


1.68 


I.S2- 


1.60 


1.20 — 1.38 


1.68- 


-1.80 


1.40— 


-1.80 


1.80—1.88 


Mai . . . 


1.60^ 


1.68 


1.52— 


I.bo 


1.20— 


1.38 


1.68- 


-1.80 


t.40— 


•1.80 


1.66- 


1.74 


Juni . . . 


1.60— 


16.8 


1.52— 


1.60 


1.20— 


1.38 


1.73- 


-1.80 


1.40— 


-1.80 


1.60— 


1.68 


Jnli . . . 


1.60— 


1.68 


1.52— 


1.60 


1.20— 


1.28 


1.68- 


-1.80 


1.40— 


■1.80 


1.70- 


1.80 


August 


1.64— 


1.72 


1.56— 


1.64 


1.20— 


1.28 


t.68- 


-1.80 


140— 


-1.80 


1.68— 


1.80 


September 


1.68— 


1.76 


1.60 — 


1.68 


1.20— 


1.28 


1.80- 


-1.88 


140— 


-1.80 


1.80— 


1.88 


Oktober . . 


1.68— 


1.76 


1.60— 


1.68 


1.20— 


1.38 


1.80- 


-1.88 


1.40— 


-1.80 


1.80— 


1.88 


November 


1.68— 


1.76 


1.60 — 


1.68 


1.20— 


1.28 


1.80- 


-1.88 


1.40— 


-1.80 


1.76— 


1.84 


Dexember 


1.68— 


1.76 


1.60— 


1.68 


1.20— 


t.28 


1.68 


1.40— 


-1.80 


1.68 


Jahres- 
durdiscbnitt 


1.62 — 


1.70 


• •54 - 


1.62 


1.20— 


1.28 


1.08- 


-1.78 


1.40— 


1.80 


1.72— 


1.80 



128 



III. AbscbnUt. 



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Die Entwicklung der Vieh- und FleiKhpreise mit Preissuuisiik. 129 

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Die EQtwkUnsg der Vieh- und Fleiadipreite mit FieisitAtiitilc 131 
Durchschnittspreise auf der Freibank pro Kilogramm in Mark. 

a. Karlsruhe. 









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0.90 


0.89 


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0.63 


0.68 


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0.70 


0.80 




0.74 


0.78 


0.75 


0.72 


0.79 


0.84 




0.74 


0.77 


0.77 


0.77 


0.79 


0.83 




0.60 


0.70 


0.70 


0.70 


0.77 


0.82 


Schweinefleisch 


0.85 


0.90 


0.85 


0.76 


0.86 


0.97 






0.50 


0.50 


0.50 


0.51 


0.55 



b. Mannheim. 



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I Q02 



I 0' > > 



IQ 04 ' IQO5 



Rindfleisdi la u. 
Kuhfldsdi la 

Rindfleisch II u. 

Kuh fleisch II. 
Rindfleisch III u. 

Kubfleisch III 
Kalblleisdi la. 
Kalbfleisch II . 
Kalbfleisch III . 
SchweinefleiRch . 
Scbafflei.sch . . 
Ziegenfleisch . . 
Fferdefldicli . . 
Oduenfldsch 
Fairenileiich . . 



0.80—0.85 

0.45—0.80 
0.40 — 0.60 



0.75—0.80 
0.80—0.90 



oJo— 0.85 
0.45—0.80 
0.40 — 0.60 



0.75—0.85 
0.80 — 0.90 



0.80—0.85 0.80—0.1 

I 

0.45 — 0.80 0.45—0.85 
0.40 — 0.60 0.40—0.60 



0.75—0.85 
0.80—0.90 



95[a8o— 0.85 
0.45— 0.80 



0.80 — 1.00 
0.45—0.80 



0.40 — 0.60 0.40— 0.60 



0.75-0.85 0.75— 0.8s 0.75— a90 



0.80—0.90 



0.80—1 .00 0.80 — 1 .30 



0.80— 1 .00 0.80— 1 .20 



c. Ludwigshafen 

in den Jahren 1901 — 1906. 

Ochsen- und Rindfleisdi ca. M. a8o— 1.28 

Kahfldsch » » 0.60 — 1.00 

Fasselfleisch »> O.70 — I.I2 

Schweinefleisch • - 0.80— i .28 

Kalbfleisch » 0.90—1.28 

9* 



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1^2 III. Abschnitt. 

ziemlich bedeutend und vaiüeron je nach der Qualität des Scfaladit- 
tieres. Sie lassen sich bei den einzelnen Tieraiten ungefähr 
folgendermaßen in runden Zahlen festaetx&a:^ 

Ochsen (ca. 700 Pfund Fleischgevvicht) 

100 Pfund Haut a 52 Pf. . . . M. 52. — 

60 Pfund Unschlitt a 25 Pf. . . * 15. — 
Eingeweide, Leber, Lunge, Därme, 

Pansen » '5- — 

Kopf und Füße » i o. — 

M. 92. — 

Farren (ca. 700 Pfund P'leischgewicht) 

120 Pfund Haut a 42 Pf. . . . M. 5040 
30 Pfund Unschlitt a 25 Pf. . . • 7.50 

Eingeweide usw. » 15. — 

Kopf und Füße » 10. — 

M. 82.90 

Rinder (ca. 500 Pfund Fleischgewicht) 

75 Pfiind Haut a 50 Pf. . . . M. 37.50 
25 Pfund Unschlitt ä 25 Pf. . . » 6.25 

Eingeweide usw » 10 — 12 

Kopf und Füße 6—8 

M. 59.75—63.75 



Kühe (ca. 600 Pfund Fleischgewicht) 

80 Pfund Haut ä 50 Pf. . . . M. 40.^ — 
60 Pfund Unschlitt ä 25 Pf. . . » 15. — 

Eingeweide usw » 15. — 

Kopf und Füße » 10.— 

M. 8a— 

Kälber (ca. 60 — 120 Pfund Fleischgewicht) 

I^ell je nach Gewicht .... M, 6—11 

Kopf » 2 — 4 

Geschlinge mit Leber und Bries » 3 — 5 

Füße » o.6ü — 1.20 

Gekröse . » o.öo — 1.50 



M. 12.20-22.70 

' Xachsn-hcndc Angaben verdanke icli dem Obermeister der Heidelberger 
Mcugerinnung, Herrn .Metzgermeister Koch, dem ich dafür auch an dieser Stelle ver- 
bindlichsten Dank sage. 



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Die Entwicklung der Vieh* und Fleiscbpreise mit Freisstatistik. 



133 



Schweine (ca. 100—180 Pfund Fleischgewicht) 

Geschlinge M. 3—5 

Darmfett » 0.50—2 

Därme » — .50 

M. 4—7.50 

Hammel (ca. 40—70 Hund Fleiachgewicht) 

Fell M. 1.70—6 

Fett » 1—2 

Därme und Geschlinge ...» 0.50 — i 

Kopf und Füße » —.50 

M. 3.70—9.50 

Bei den folj^enden Berechnungen, die den I>ruttoorlös des 
Met/gers bei den einzelnen Tierarten zu ermitteln suchen, darf 
man nicht vergessen, daß sie nur einen ungefähren Uberblick 
gewähren können und mehr oder weniger nur Schulbeispiele sind. 
Denn viele für die Höhe des (iewinnes wichtige Momente sind 
individueller Natur oder lassen sich aus anderen dründen nicht 
erfassen. So mußte z. B, in den Beispielen angenommen werden, 
dal') das ganze Tier zu den Ladenpreisen als frisches Fleisch ver- 
kauft wird, ein in der Praxis fast nie vorkommender VliU. Ein 
Teil des Fleisches, vielfach sogar der größere, wird zu Wurst, 
Räucherwaren u. dgl. verarbeitet , wodurch er natürlich einen 
größeren Aufwand an Arbeit und Kapital bedingt. Bei Sch\veinen 
wird nur etwa der dritte Teil des l iercs als frisches Fleisch ver- 
kauft. Auch das Schlachtgewicht, vielfach die Preise und der 
Wert des deraupes, kfinnten nur in durchschnittlichen Zahlen 
angesetzt werden. Alle diese T'n Vollkommenheiten muß man bei 
Beurteilung des Bruttogewinnes mit in Rechnung ziehen. 

Als Basis sind die Preise vom Dezember 1906 gedacht. 

Karlsruhe. 

Ochsen kg 350 Schlachtgewidit a 1.72 

(durchschnittlicher Ladenprds) . M. 602. — 

Geraupe g2. 

BruttoerlOs des Metzgers M. 694. — 
Viebpreis: 
l^g 350 4 1.6665 (durchschnittlicher 

Viehpreis) * 583.25 

Bruttogewinn = M. 110.75 = 18,98% 



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III. Abscbuitt. 



Rinder kg 250 k 1,64 M. 410. — 

Geraupe (mittlerer Wert) . . . » 

Bruttoerlös des Metzgers M, 471.75 
Viehpreis : 

kg 250 ä 1.66 » 415. — 

Bruttogewinn = M. 56.75 = 13,67% 

Kahe kg 300 k 1,24 M. 572. — 

Geraupe 

Bruttoerlös des Metzgers M. 452. — 
Viehpreis: 

kg 300 k 1,2866 * 3^5-95 

Bruttogewinn = M. 66.05 = J7.ii °o 

Kälber kg 45 (Mittel) ä 1,73 M, 77.85 

Geraupe (Mittel) » '745 

Bruttoerlös des Metzgers M. 95.30 
Vielipr^: 

kg 45 k 1.72 » 7740 

Bruttogewinn B M. 17.90 = 23,12% 

Hammel kg 27,5 (Mittel) a 1,60 . . . . M. 44. — 
Geraupe (Mittel) » 6.60 

Rruttoerlös des Metzgers M.. 50.60 

Viehpreis : 

27,5 a 1,56 42-90 

Bruttogewinn SS M. 7.70=17,94% 



Schweine kg 70 (Mittel) k 1.68 . . . . M. 117.60 
Geraupe (Mittel) » 5.75 

Bruttoerlös des Metzgers M. 123.35 



Vi^preis: 

kg 70 ä 1,39 » 97.30 

Bruttogewinn =s M. 26.05 = 26,77% 

Mannheim. 

Ochsen kg 350 k 1,80 M. 630 — 

Geraupe » 92. — 



Bruttoerlös des Metzgers M. 722.- 



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Die Entwicklui^ der Vieh- und Heiscbpreise mit PreissuUstik. 

Obertrag . M. 722.— 

Viehpreis: 

kg 350 4 1.66 : : ■ 



Bruttogewinn = M. 141. — = 24,26^/0 

Farren kg 350 k i.Oo M. 560. — 

Geraupe 82.90 

Hruttoerlös des Metzgers M. 642.90 

Viehpreis: 

kg 350 ä 148 * 518. - 

Bruttogewinn = M. 1 24.90 = 24,1 1 % 

Rinder und Kühe kg 275 (Mittel) a 1.60 M. 440.— 

Geraupe » 70*85 

Bruttoerlös des Metzgers M. 510.85 
Viebpreis: 

275 a 1.4165 

Bruttogewinn s= M. 121.30 = 31,13 % 

Kälber -\^ a 1,8333 M. 82.50 

Geraupe (Mittel) 17.45 

Bruttoerlüs des Alelzgers AI. 99.95 

Viehpreis : 

kg 45 a 1,7666 79-5Q 

Bruttogewinn SS M. 20.45 = 25,72% 

Hammel kg 27,5 a 1.50 M. 41.25 

Geraupe (Mittel) » 6.60 

Bruttoerlos des Metzgers M. 47.85 
Viehpreis: 

27,$ k t.$o > 41-25 

Bruttogewinn s= M. 6.6o=i6**/o 

Schweine kg 70 (Mittel) ä 1.85 . . . . M. 129.50 
Geraupe (Mittel) ■> 5.75 

Bruttoerlos des Metzgers M. 135.25 

Viebpreis: 

kg 70 a 1.34 > 93ȊQ 

Bruttogewinn = M. 41.45 = 44,190/0 

Die Bruttogewinne des Metzgers schwanken also in Karls- 
ruhe zwischen 13,67% und 26,77%, in Mannheim zwischen 16% 



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136 



III. Abschnitt. 



und 44,19%; sie sind in Mannheim durchweg höher als in Karls- 
ruhe, eine Ersdieinung, die wohl zum Teile in den höheren 
Geschäftsspesen der industriellen Groflstadt ihre Erklärung findet, 
zum Teile aher auch auf die, wie bereits konstatiert, relativ hoch- 
stehenden Ladenpreise Mannheims zurflckzufOhren ist. Am auf- 
fallendsten ist die Differenz bei den Schweinen (Karlsruhe 26,77 
Mannhdm 44,i9<'/o!}. Bei den damals in Mannheim erzielten 
Ladenpreisen für Schweinefleisch (ca. 1.85 M. pro kg gegen 
1.68 M pro kg in Karlsruhe) darf man wohl behaupten, daß die 
Metzger in Mannhdm mindestens reidilich auf ihre Kosten 
gekommen sind. Im übrigen aber darf die relative Höhe der 
erzielten Bruttogewinne nicht zu falschen Schlüssen bezüglich der 
tatsächlichen reinen Oberschüsse verleiten. Der hohen Unkosten 
im Metzgereibetriebe wurde bereits gedacht, ebenso der sonstigen 
Momente, welche die obigen Berechnungen modifizieren. Erwähnt 
sei nur noch, daß die reinen Scfalachtunkosten (Sdilachtgebühren, 
Akzise und ev. Oktroi) betragen: hea. dnem l«diten Rinde 8. — M. 
pro Stück, bei einem mittleren Rinde 12. — M. pro Stück; für 
Kleinvieh (Scfalachtgebühr und ev. Oktrd) bei Kälbern 1.20 M., 
bei Schweinen 2.50 M. pro Stück. 

Fassen wir alle diese Faktoren zu einer Beurteilung zusammen, 
so kommen wir zu dem Resultate, daß die Reingewinne der 
Metzger gerade bei den hohen Prc>isen bescheiden sind; muß doch, 
wie von einem Praktiker rechnerisch nachgewiesen wurde, an 
jedem Pfunde Fleisch 10 Pf. netto verdient werden, um überhaupt 
bestehen zu können.^ Die Vorbedingung für die F.rzielung eines 
Einkommens, welches dem investierten Kapitale und der auf- 
gewendeten Mühe entspricht, wird bei den als Basis angenommenen 
Preisen ein möglichst rascher und hoher Umsatz sein : diese \''oraus- 
setzung wird aber mir der grolk-re Metzger ertuilen können. 

Dabei liefert eine Untersuchung der derzeitigen Verhältnisse 
(April 1907}, die durch die Preisänderungen eine gewisse Wr- 
schiebung erfahren haben, das interessante Ergebnis, daß das 
Heruntergehen der Viehpreise keine Vergrößerung der Metzger- 
gewinne gebracht hat, was sonst die Regel zu sein pflegt Im 



' Vergl.: V.'\n RcclKn-Kxeinpel für Metzger, Ein Mahnwort an Alle, die es 
anfeht, Druck von Carl Pfeffer, Heidelberg. 



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Die Entwicktuiig der V'ich- und Fleischprcisc mit PreisisUilislik. 



»37 



ersten Quartale des Jahres 1907 sind die Kälberpreise noch in 
die Hohe gegangen, die Prdse fOr Rindvieh haben nachgelassen, 
während die Schweinepreise scharf gefallen sind. 

Legen wü* die Preise vom 15. April 1907 in Mannheim zu- 
grunde, ^ so ergibt sich, daß der Mannheimer Metzger an diesem 
Zeitpunlcte bei Ochsen mit einem Bruttogewinne von 20,96 °/o 
(gegen 24,26% im Dezember 1906), bei Schweinen von 35,97 '% 
(gegen 44.19'' „ im Dezember 1906) und bei Kälbern von I2,o6<^/o 
gegen 2,5,7 2 "/o »^ Dezember 1906) gearbeitet hat. Bei letzteren 
zeiget sich die auffallende Tatsache, daß die I^denpreise bei 
steigenden Viehpreisen gefallen sind. 

Die meist zu beobachtende Erscheinung, daß die Ladenpreise 
einer Erhöhung der Viehi)reise prompt fcilgt n, bei Billigerwerden 
des Vidies aber noch eine Weile auf der alten Höhe verharren 
und sidi auch dann nur langsam ermäßigen, trifft also im obigen 
Falle nicht zu; aber auch, wo sie nachzuweisen ist, kann man 
daraus den Metzgern noch keinen Vorwurf machen, wenn die 
Differenz nicht eine ungerechtfertigt hohe ist. Man sollte billiger- 
weise bedenken, daß diese EigentOmlichkeit alle Kleinhandels- 
preise im Vergliche zu den Engrospreisen zeigen und daß es 
den Metzgern schHeßlich nicht zu verdenken ist, wenn sie in den 
Zeiten der sinkenden Viehpreise einen Gewinn zu machen suchen, 
der ihnen bei hohen Preisen über Gebühr geschmälert oder ganz 
versagt wurde. 

' Diese betnigai: 




Ochsen M. 1.40— 1.68 

Farren M. 1.12- 1.40 

KUber I. M. 1.90 — 2.00, IL M. 1.80 — 1.90, III. M. 1.60 — t.8o 

Scbweine M. 1.06— 1.12 



im Laden pro kg 



OdiBeiifleisdi 

Fairenfldsch 

Kalbfleisch I. M. 1,80, IL M. 1,60, IIL . 
Schveioedeiach 



M. 1.60 
M. 1.60 
M. 1.60 
M. 1.40 



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Schluß. 



Die vorstehenden Kapitel haben in kurzen Umrissen zu 
zeigen versucht, wie die Fleischversorgung in größeren städtischen 
Gemeinwesen vor sich geht. Natürlicherweise mußte sich an die 
Schilderung der technischen und kommerziellen Einrichtungen 
auch eine Untersuchung über die Gestaltung der l-^leischverhältnisse 
in der letzten Zeit, sowohl in Deutschland im allgemeinen als in 
unseren drei Städten im besonderen, anschließen. Es hat sich 
dabei ergeben, daß die staath'che Politik in dieser Hinsicht von 
großer Bedeutung ist und daß ihre Wirkung am schärfsten in 
den Grenzgebieten zum Ausdruck kommt, welche ihre starke 
Bevölkerung nicht durch ihre eigene Viehproduktion ernähren 
können und deshalb zur Ergänzung andere deutsche Gebiete und 
das Ausland heranziehen müssen. Aber da letzteres am freien 
Wettbewerbe verhindert ist, kann es — besonders bei den süd- 
deutschen Staaten — nicht die Stellung als Eleischlieferaut erringen, 
die ihm im entgegengesetzten Falle zufallen würde. 

Es muß nun noch erwähnt werden, daß sich s(Mt Ende des 
Jahres 1906 auf dem Schwdnemarkte, aber nur auf diesem» eine 
Wendung zum Besseren bemerkbar gemacht hat, die von einem 
starken Sinken der Preise begleitet war. Der frühere Mangel 
an Schweinen hat zurzeit (April 1907) einem Überflusse Platz 
gemacht, der ganz überwi^^nd auf die stark gesteigerte nord- 
deutsche Z-ufuhr zurOckzufQhren ist. In Norddeutschland hat 
nämlich die Schwinneproduktion, durch die hoben Preise begünstigt, 
in jüngster Zeit außerordentlich zugenommen. Die Viehzählung 
in PreuJien vom i. Dezember 1906 weist gegenüber derjenigen 
des Jahres 1904 dne Gresamtzunahme der Schweine von 22,22 <*/o 



Schluß. 



nach. Am stärksten haben sich die bis zu einem halben Jahre 
alten Schweine vermehrt» nämlich um 27»69<*/o. Dieser günstige 
Stand hat natürlich auf Süddeutschland, wo die Ptoduktions- 
Verhältnisse ziemlich gleich geblieben sind, eingewirkt Aber 
eben deshalb ist es nidit unwahrscheinlich« daB mit Eintritt der 
heißeren Jahreszeit, die einem Versand auf grofiere Entfernungen 
verbietet, bei uns wieder höhere Preise zu erwarten sind. Eine 
Erörterung bezüglich Grrenzöffhungen und deren Wirkungen 
wird deshalb, auch was die Schweine anbelangt, keine müßige sein. 

Die Befürchtung, daß im Falle einer Grenzöffhung eine 
Überflutung Deutschlands mit ausländischem Vieh stattfinden 
würde, ist kaum begründet Denn ^mal hat auch ein Teil 
nnserer Nachbarländer durchaus keinen Überschuß an Vieh auf- 
zuweisen. Dann aber fällt auch ins Giewicht, daß sich die Staaten, 
wo dn solche v<»handen, infolge der Sperre auf die Lieferung 
nach anderen Ländern Ungerichtet haben. Dieses gilt besonders 
von Holland, dessen Viehhandel zur Zeit ganz auf den englischen 
Markt zugeschnitten und für den englischen Fleischimport von 
steigender Bedeutung geworden ist Daher wird auch von hol- 
ländischer Seite einer eventuellen deutschen Grenzöffnung, sofeme 
sie nicht für eine länf?ere Zeit festgelegt ist, durchaus nicht das 
Wort geredet Im Gegenteil die maßgebenden Behörden befürchten 
in diesem Falle Schaden für die holländische Landwirtschaft 
Sie nehmen mit Recht an, daß die holländischen Bauern dann 
von den höheren deutschen Preisen profitieren wollen und infolge- 
dessen ihre englischen Kunden vernachlässigen werden. England 
aber wird dann seinen Viehbedarf bei Konkurrenten, etwa 
Neu-Seeland decken imd bei diesen audi bleiben, wenn Deutsch- 
land seine Grenzen wieder geschlossen hat so daß der holländische 
Landwirt schließlich den dauernden Schaden hätte. Diesen 
Argumenten ist die Wahrscheinlichkeit nicht abzusprechen. Hervor- 
zuheben ist entgegen deutschen Behauptungen der vorzügliche 
Zustand des holländischen Viehes und die scharfe Handhabung 
der Kontrollmaßregeln, deren Erfolg am besten durch die ständige 
Abnahme der Seuchen, besonders der Maul- und Klauenseuche, 
bewiesen wird. Jedenfalls kann sich das zur Ausfuhr bestimmte 
Vieh dem jedes anderen Landes ruhig zur Seite stellen. Wenn 
die lebende Ware nicht tadellos wäre, würde gewiß England 
nicht dem holländischen Imp<nte so rückhaltlos die Grenzen öffnen. 



140 



SdihiB. 



Anders vediält es sich mit Frankreich. Hier stdit die veteri- 
närpolizeifiche Kontrolle nicht auf der Höhe wie in Holland; 
aus diesem Grrunde haben im Jahre 1906 auch Italien und Belgien 
ihre Grenzen gegen Frankreich gesperrt Einer unbedingten 
Grenzöffnung ist also, solange nicht der Sanitätaanspektionsdienst 
einheitlich geregelt und zentralisiert ist, billigerweise nicht das 
Wort zu reden. Aber immerhin wäre eine Erleichterung des 
Grenzverkehres mit entsprechenden Vorsichtsmaßregeln zu emp- 
fehlen. Der Preis für Schlachtvieh und Schweine steht in 
Frankreich bedeutend niedriger als in Deutschland. Bei Öffnung 
der Grenzen würden die Preise in Frankreich sofort erheblich 
anziehen und auf die mittlere deutsche Höhe steigen. Aber für 
die Ghrenzgebiete wäre trotzdem ein Vortdl zu verzeichnen. 

Für den Import von Rindvieh würde bei einer Grenzöffnung 
vor allen Dingen Nord-Amerika, welches bedeutende Massen nach 
England, Belgien, Schweiz und Italien ausführt, in Frage kommen 
und ohne Zweifel eine starke Stetgerung des Angebotes in quali- 
tativ hochstehendem Schlachtvieh, damit eine Preissenkung herbei- 
führen. Für Dänemark, welches uns heute bereits ungefähr 9/,^ 
seines Überschusses liefert, würde die Erleichterung der Quarantäne- 
bestimmungen wohl eine Verringerung der Kosten, aber keine 
Vergrößerung der Ausfuhrziffem verursachen. Kanada könnte 
— immer den Fall der Grenzöffnung vorausgesetzt — kaum mit 
Nord-Amerika in Wettbewerb treten, da es mit dem Generaltarife 
(18. — M. statt 8. — M. pro 100 gk Lebendgewicht) zu rechnen 
hätte. Von Holland hätten wir wenigstens den Vorteil, daß sein 
Überschuß, den wir heute in geschlachtetem Zustande erhalten, in 
der weitaus günstigeren Form der Lebendware hereinkäme. Andere 
Länder wären kaum von Bedeutung. 

Bei der Einfuhr von Schweinen scheiden die überseeischen 
Länder, da ein Transport von dort unmöglich ist, von vorneherein 
aus. Für Norddeutschland kämen Rußland und Dänemark in 
Frage. Ersterem ist der Import von jährlich 130000 Stück 
nach Oberschlesien gestattet. Eine gleiche Erlaubnis für andere 
Teile der russischen Grenze hätte eine starke und nachhaltige 
Stdgerung des Angebotes zur Folge. Auch für Dänemark wäre 
die Aufhebung des Einfuhrverbotes das Signal zu einer ener- 
gischen Produktion in Schweinen, allerdings nur, wenn ihm 
durch einen Handelsvertrag die Gewähr für einen längere Zeit 



Schluß. 



141 



andauernden Absatz geboten wdre. In diesem Falle wäre es 
bald imstande, wödiendich 10 bis 15000 Stttck nach Deutschland 
zu exportieren.^ 

Soddeutscliland hätte an Frankreich, Holland und Italien 
einen Vorteil, an dem allerdings die norddeutschen Staaten nicht 
teilnefamen konnten. Ersteres würde, wenn auch keinen erheUichen 
Preisrückgang, doch die stetige ausreichende Versorgung mit 
Schweinen, also einen widitigen Fortschritt gegenflber den 
jetzigen zeitweiligen Zuständen, verborgen. Von Holland erhalten 
wir jetzt ungefähr Vs seines Überschusses an Schweinen in 
geschlachtetem Zustande. Die Aufhebung der Grenzsperre würde 
wohl eine Erhöhung der Einfuhr zum Nachteile der Ausfuhr 
nach England bringen. Von noch größerer Wichtigkeit wäre 
aber für unsere süddeutschen Verhältnisse der Empfang von 
Lebendware. Auch Italien könnte mit einem begrenzten Quantum 
Schweinen, die den süddeutschen Städten zugute kämen, einspringen. 

Auch wenn sich die staatliche Politik nur dazu entschliefien 
würde, in Zeiten einer längeren Fleischteuerung in die Ghrenz- 
schlachthäuser Schlachtvieh in ausreichender Anzahl zur sofortigen 
Tötung einzulassen, so wäre schon durch diese Maßregel ein 
Ventil geschaffen, das einer allzu h<^en Preisspciimung auf dem 
Inlandsmarkte vorbeugen würde. Denn die in den Grenzgebieten 
eintretende Freissenkung würde auch in dem Herabgehen der 
Inlandspreise zum Ausdruck kommen. Die Rentabilität, welche 
unsere einheimische Viehproduktion billigerw^e beanspruchen 
kann, wäre dadurch bei unseren heutigen Tarifverträgen in kdner 
Weise in Frage gestellt, aber es wären damit jene heftigen 
Preisschwankungen zu vermeiden, die nachgerade zu einer 
Kalamität geworden sind« Selbstverständlich muB unsere Land- 
wirtschaft in erster Linie dazu berufen sein, die Fleischversorgung 
zu übernehmen. Aber wenn sie darin vom Auslande unterstützt 
wird, so schlie0t es keine Benachteiligung in sich; es wäre damit 
nur eine lifittellinie geschaffen, auf welcher sich die berechtigten 
Interessen der Produzenten und der Konsumenten begegnen 
könnten. 

' Vergl. H. Lenbe, Welche Wirkang werden GreiizöHiDung«n biben? Drude 
von S. Bernhard, Altona. 



G. Braunsche Hof buchdruckerei und Verlag, Karlsruhe. 



Karl Arad und seiae Stelluni; in der Oeschichte der NatituUkoaoiBie. Ein 

Beitrag zur Theorie der (ieutschen Freihandelabewegling im XIX. Jahrhundert. 
Von Dr. M\X ADLER. — l^rtis 3 M. 

>Adler bietet eine recht erfreulich« Arbeit, an «1er nicht zuletzt die grolle (iewandthcit in der 
DMiteUuag aagenebin aufiallt.« Krititcbe Blätter ISr die gee. SoEMlwinenicbaften. 



Drei Klassen voa LohaarbeiterlaaeB ia ladnstrie aad Haadd der Stadt 

Karlsnihe. Von Grofih.Fabrikinspektorin Dr. MARIEBAUM. — Preis 1.80 M. 

»IMe Verfaawrin bat interemato Material beigebracht and m otijdttiv, lowie niit dem nötigen 
Veraändnis fQr die in Betracht kommenden Prägen beerbeket.« Die Neue Zeit. 



Das deutsche Manchestertum. i^^i^^ Siudie zur Geschichte des wirtschaftspoliiischcn 
Individualismus. Von Dr. JULIUS BECKER. — Pr«is 3 M. 



Das Verhältnis von Verschulduaf und Mietzins in der Stadt Manoheim nach 

dem Stand vuni i. Januar 1903 und im allgemeinen. Bearbeitet von 1-KlKD- 
RICH CARL FREUDENBERG. — Preis a.40 M. 

»Nor aus wenwen StiUten li»en ans Schriften vor, die ciaea Tdl der Materialien beiuadehi, 
wie »e bier bexQglicfa MannheiBii braaodelt lind. Deebalb iit die Frendenbergscbe Aibett ak än 
wertroller Beitraf «ir Forderung der Kenntaia de» Wohaangnvewa» aa bepUea.« 

Zfltennft nr Wohnunpweiea. 



Qraadreote, Ornndltredit und die Bntwiclclung der Grundstuckspreise in Karls- 
ruhe nnd Vcif^k'ich mit den entsprechenden Verhältnissen in Mannheim, mit 
besonderer Berücksichtigung der derzeitigen Krise im Baugewerbe. Nach amtlichem 
Material bearbeitet. Von FRIEDR. CARL FREUDENBERG. Preis 2.40 M. 

Die Verhältnisse der Industriearbeiter in 17 Laadxeaieinden bei Karlsruhe. 

Dargestellt von dem Großh. Fabrikinspektor Dr. FUCHS. — Ftds 2.50 M. 

Die L'nUTMichung iüt mit unondlichcr Gewisscnhafti^'^kcit und Voturtc U llOWgkeit geführt Und 
itcllt eine mustergültige volkswirtschaftliche Leistung dar.* 

StraObuiger Poit. 



Dr. Friedrich Woerishoffer, Vorstand der Grossh. Badischen Fabrikinspektion 
von 1679-1902. Von Dr. R. FUCHS, Fabrikinspektor. — Preis 80 Pf. 

>\\'ir inBdttca tagen, alle, die sich mit Sozialpolitik beschäftigen, sollten sich mit der Gedanken- 
welt des Mannes vertraut machen, den theoretische Einsicht und praktische Erfahrung zu einem der 
beuten Kenner der einadilägigcn Gebiete gemacht hüben. Sie werden dabei zugleich eine hervor- 
ragetde PcraSalichkeit voa wohltuender Lauterkeit der Uennnung, Hersenigttte und seltener Charakter- 
■twke kennen lernen.« Frankfurter Zeitung. 



Der Abbd de Saiot-Plerre. Ein Nationnlokonom des XVIIL Jahrhunderts. Von 

Dr. J. C. RINÜIER. — Preis 2.80 AI. 

»Die fleifi«e und grOndliche Arbeit bddal eine «cilvoUe Befeideraag der Geschichte der 
Nationaiakonomie cws tS. Jahtbondeits nnd mI aüea, die ikh l&r danuttjge rragen interessieren, 
empfohlen.« AtlgemeSne Deutacho Lehrerzeitung. 



AflSfewühlte Schriften von Fabrikinspektor Dr. Friedrich Schuler. Auf Ver- 
anlassung von Freiuiden desselben herausgegeben von Dr. H. WEüMANX, 
eldgenfisHsdier Fabtikinspdttor in Mollis (Sdkweiz). — Preis 6 M. 

»Außer den Ärzten werden aber auch Kationatökonomen, Juristen, Arbeiierpriaides, Gewerbe* 
aufsichttbeamte, Oberhaupt alle, denen das Wohl der arteilenden Klanen am Hersen liegt, aus dea 
Sdriften Schulen eine FlUle von Aaraguag aad Bdebtvag tätOgSm,* Soaiale KuUor. 



Zu beziehen durch jede Buchhandlung und direkt vom Verlag. 

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G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag« Karlsruhe. 

Die Einwohnerschaft 
der Stadt Durlach 

im 18. Jahrhundert 

in ihren wirtschaftlichen und naturgeschi( htlirhcn Verhältnissen 
dargestellt aus ihren Stammtafeln 

Im Auftrage des GruBherzoglich Badischen Ministeriums 
der Justiz, des Kultus und Unterrichts 

bearbcilet und herausgegeben 

Otto Konrad Roller 

Dr. phil. 
Preis Q Mark. 



Dit->,e interessante .Vrbtit ist ein erster W rsucli. ^'cncaldgische Arbeits- 
methoden zur Beleuchtung wirtschaftlicher Verhältnisse zu verwenden. 
Darin liegt eine Hauptbedentang. 

Die Schrift hat aber nicht nur Wert als methodischer Versuch, sondern auch 
wegen der Ergebnisse, zu denen sie gelangt, und die sie, absichtlich zur Erweisung 
der Gee^etheit der angewandten Methode, wohl breiter, als es sonst geschehen 
würde, darstellt. Nach einein kinvn Überblick übt-r die dem j,'eu.ihlten Zeital>schnitt 
vorangehenden Erlebnisse der Stadt Durlacli und deren äuiieren Schidualen im 17. 
Jahrlrandert, wendet sidi die Daratellun^ folgenden Hauptteilen zu : Die Berölkenuigs- 
bewegung und der Stand derselben, die Benifsarten, die Stande. Im ersten Abschnitt 
wird zunächst die Ein- und Abwanderung eingehend behandelt, was um so interessanter 
ist, als die Abwandenu^ von Dnriadi im wesentlidien nadi Karlsruhe abflieBt. Die 
natürliclie Bevölkerungsbewegung gibt manchen AnlaR zu interessanter Statistik. Ins- 
besondere sei hier auf die Gegenüberstellung von Durchschnittszahlen und den vom 
Verfasser so genannten Individualaiffem hingewiesen, die den BevöUceningsstatistiker 
Ix^onders interessieren werden. Im Kapitel der Berufsarten föllt die schöne Darstellung 
des Übei]^u^ der Stadt Durlach von der Handwerkersiadt zur Ackerbaustadt und 
von der Weinbaustadt zur Gartenbaustadt auf, und femer besonders dann nodi im 
Kapitel »Die Stände • die Darstellung der hier schon wahrnehmbaren Anfänge der 
Industriebevölkerung mit ihrer das bisherige Rechtssystem umstürzenden Tendenz. 
Nldlt nur die Bewohner der Stadt Diirlach werden >'iel Neues daraus schöpfen; das 
Game ist ein Stück allgemeiner Wirtschafts- und Kulturgeschichte des 18. J;''irhunderts. 
Beigegeben sind außer den erforderlichen Tabellen ein alter Plan von Durlach, eine 
Skisze seiner Umgebimg und eine ausgedehnte Stammtafel einer Durlacher Familie 
(Liede). Ein soiigfältiges Inhaltsverzeichnis erleiditert den Gebrauch des wertvollen 
Buchs, das wir aufs wärmste empfehlen können. 

Zu beziehen durch jede Buchhandlung und direkt vom Verlag. 



Q. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, Karlsruhe. 



Studien 

zur 

Bevölkerungsbewegung 
in Deutschland 

in 

den letzten Jahrzehnten mit besonderer 

Berücksichtigung der ehehchen Fruchtbarkeit 

von 

Dr. Paul Mombert 

Plrivatdozent ad der Univenidit Freibiug 1. B. 
Preis 8 Mark. 

Die vorsteliendan Untersnobunf en können eis ein Neoliwel« 
deftti* betraclitet werden, des« daa Sinken der ehellehen Fraolit« 
barkeit in den letaten «Fahraehnten auf die £1 atmliaatttjo XoiUdUll* 
von WoJ&lataad und Kaltar swpaclcaniaJurM tot. 

Wenn ich auch .... in der Beurteilung der t)ev('>lkeruilg|8tÄtislisclicn Vorg.inge 
vom Verfasser bedeutend abweiche, so stehe ich duch nicht an, Momberts Arbeit 
als eine der wertvollsten tu bezeichnen, welche auf dem weiten Gebiete 
der Bevölkerungsstatistik in der letzten Zeit erschienen sind. 

Historische Blltter f. d. ges. Sozialwissensdiaften. 

Momberts Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Bevölkemngsstatistik 

Köfaiisdie Volkszeitung. 

Diese ausgezeichnet sorgfältige und geschickte Untetsuchung, die 
die neuere Entwicklung der deutadien Sterblichkeitsziffer, Heiratsziffer und namentlich 
Geburtsziffer behandelt, ist sweüwh bemnkemwert : dunäi den Nachweis einer bedroh- 
lichen Abnahme der Geburtennffer in Deutsddand, and durch den VemcJi, ihren 
Grund zu finden. Zeitschrift f. d. ges. Staatswissenschaften. 

The volume is a nsefut oontribution to the subject. 

Journal of the Royal Statistical Sode^. 

Ce Hvre est certainoment im des meilleurs qul aient paru, dans ces demiifes 
aontes, sur le probleme de la popuJatioii. Revue d'Econoniie politiqne. 



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Lebenslauf. 

Ich bin am 16. Mai 1879 zu Memel (Ostpreußen) als Sohn 
des Rittergutspächters Carl Brandt j^eboren. Nach der Volks- 
schule besuchte ich die Höhen- lUirgerschule zu Wiesloch (Baden) 
und das Realgymnasium zu Alannhoim. Dieses verließ ich 1897 
mit dem Zeugnis der Reife. Dann widmete ich mich dem Bank- 
fache, war später, um rein kaufmännische Kenntnisse zu erlangen, 
ein Jahr in einer Kolonial-Großhandlung tätig und diente April 
1902/03 in Heidelberg mein Jahr ab. Hierauf studierte ich in 
Berlin 5 Seinester Staatswissenschaften, besoiultTS unter den 
Herren Professoren Schmoller. Wagner, Kohler, Gierke und 
Sering. Bei letzterem nahm ich an den seminaristischen Übungen 
teil. Vom Sonunersemester 1906 ab setzte ich meine Studien in 
H^delberg fort Hier waren vor allem die Herren Geheime 
Räte Gothein, Schroedor und Herr Prof. Rathgen meine Lehrer. 
Am 5. Juli 1907 bestand ich das examen rigorosum mit dem 
Prädikate magna cum laude.